WIEN/ Staatsoper: LE NOZZE DI FIGARO

by ac | 16. September 2017 11:55

WIENER STAATSOPER: „LE NOZZE DI FIGARO“ am 15.9.2017

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Carlos Alvarez (Conte). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Ein guter Tausch von Figaro auf Almaviva und retour erwies sich in der Besetzung mit Adam Plachetka als Figaro und Carlos Alvarez für den Conte Almaviva. Beide waren nicht nur stimmlich hervorragend, auch darstellerisch beide in Hochform. Plachetka gibt sich als Figaro charmant kämpferisch und sang seine großen Arien voll Feuer und Animo. Alvarez bringt eine gewisse Aristodekadenz mit schönster Stimme über die Rampe. Das „Contessa perdono“ war erstklassig. Stimmlich derb, aber lustig im Spiel der Don Bartolo von Ryan Speedo Green. Am Tag des 100. Geburtstags der unvergesslichen Hilde Güden, einer Contessa zum niederknien, sang Dorothea Röschmann diese Rolle. Aus der listigen charmanten Rosina blieb die List in der neuen – alten Gesellschaft zu überleben, der Charme blieb stimmlich wie darstellerisch aus. Besonders die große Arie litt sehr unter der stimmlichen Überforderung, wobei sich die musikalische Gestaltung der Gräfin ins Dramatische flüchtete. Ob Mozart das so wollte ? Die Susanna der Andrea Caroll ist eine sehr erfreuliche Neubesetzung. Eine sehr gleichmäßige, fein geführte lyrische Stimme, die „Rosenarie“ ein stilistischer Genuss und zusätzlich ist Caroll noch eine quirlige gute Schauspielerin. Ein absoluter Gewinn ist Margarita  Gritskova als Cherubino. Die beiden schwierigen Arien nahm sie perfekt, besonders die Cavatine, spielte mit Temperament und Freude an der Sache. Man kann sich auf die weitere Repertoireerweiterung der jungen St. Petersburgerin freuen. Ulrike Helzel ist eine stimmlich sehr gute, darstellerisch etwas zu jugendlich wirkende Marcellina. Eine Luxusbesetzung für Don Basilio ist Pavel Kolgatin. Der wäre wohl bereits für eine große Rolle überfällig. Die Susanna der Zukunft könnte Maria Nazarova sein. Diese Barbarina ist ein echtes durchriebenes „Früchterl“, mit schönster Stimme gesungen. Der gestrenge, meist besoffenen Vater Antonio wird von Igor Onishchenko wird schöner Stimme gesungen und sehr lustig bauernschlau gespielt. Spielfreudig als Don Curzio ist Peter Jelosits.

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Margarita Gritskova (Cherubino). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Adam Fischer am Pult begann sehr schwungvoll und flott und blieb dabei. Das Orchester spielte genau und perfekt, wie man diesen Klang eben schätzt und kennt. Die kleine Chorbesetzung machte ihre Sache ebenso sehr ordentlich. Sehr gute Arbeit von Martin Schebesta.

Das Publikum ging sehr angetan mit, großer Jubel am Ende.

Elena Habermann

 

                      

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