Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: LE CORSAIRE – ein perfekt geglückter Start

17.9.2016: „Le Corsaire“ als erster Ballettabend der neuen Saison des Wiener Staatsballetts:

EIN PERFEKT GEGLÜCKTER START

 

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Copyright: Wiener Staatsballett/ Ashley Taylor

Ein richtig guter Beginn der neuen Saison für das Wiener Staatsballett. Ein perfekter Start: Sold out! Mit einem babylonischen Sprachgewirr des Publikums in den Foyers, beinahe wie in Feststimmung, und mit einem muselmanischen Handlungsgewirr auf der Bühne. Dieser „Le Corsaire“ mit seinen Piraten und deren Haremssklavinnen aus dem Jahr 1856 zur Musik von Adolphe Adam – plus so anderen Zutaten und Behübschungen – zählt heute zu den kuriosen Raritäten aus der Zeit der Ballettromantik. Durch die Jahre ist an diesem Schaustück schon sehr gewaltig herumgebastelt geworden, und Wiens Ballettchef Manuel Legris hat für seine gelungene  Einstudierung im heurigen März das Ensemble auf Hochglanz im klassisch-akademischen Stil gebracht.

Der Erfolg dieser in keiner Weise in die Tiefe gehenden Show hängt von der Ausstrahlung und Artistik der Tänzer ab, und in Bestform haben sich an diesem Einstandsabend die Corps-Mitglieder wie die meisten der Solisten präsentiert. Der abwechslungsreiche Reigen wurde von Dirigent Valery Ovsianikov klar konturiert geführt, und da wir heute im Ballettbetrieb bei den Anforderungen an die Tänzer im Hochleistungssport angekommen sind, darf man für solche reine Spektakel schon auch, den Trends folgend, mit Ranglisten aufwarten. Nummer eins an diesem Abend bei den Damen: Maria Yakovleva als Médora, die Hauptpartie, gefolgt von Nina Tonoli und Alice Firenze. Unter den Ersten Solotänzern hat sich der Jüngste, der frisch ernannte Davide Dato mit seiner quirlenden Virtuosität und Spielfreude als Birbanto (die exotischen Namen sind hier Schall und Rauch) bereits an die Spitze gesetzt. Nummer zwei im Korsaren-Konvoi: Mihail Sosnovschi, Nummer drei: Robert Gabdullin. Pathetisch grimmig muss die Schar der Piraten gestikulieren, dafür konnten die choreographisch perfekt und stimmig gefügten Gruppierungen der orientalisch drapierten Damen in jeder Hinsicht erfreut. Nachdrücklicher in Szene setzen durften sich dabei Natascha Mair, Nikisha Fogo und Anita Manolova als die drei Odalisken der Traumerscheinungen im Palast des Paschas. 

Meinhard Rüdenauer

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