Der Neue Merker

WIEN / Staatsoper: LA CENERENTOLA

 

WIEN / Staatsoper: 
LA CENERENTOLA von Gioachino Rossini
11. Aufführung in dieser Inszenierung
23. Dezember 2013  

Alle drei Damen und zwei der vier Herren waren an diesem Abend für Wien neu besetzt – hat das die „Cenerentola“-Aufführung gerettet? Nicht wirklich, denn die Inszenierung bleibt dasselbe möchtegern-lustig-sein Dodel-Theater. Und diese miserable Logistik! Vor dem letzten Bild, das sage und schreibe 10 Minuten dauert, gibt es eine mehrminütige Pause, weil der Umbau so kompliziert ist. Da waren doch um Gottes Willen keine Anfänger am Werk? Damit müssen wir nun leben.

Die neue Angelina heißt Vivica Genaux und hat einige Qualitäten, nicht nur, weil sie so hübsch ist, dass auch der Putzkittel und die scheußliche Brille ihre Attraktivität nicht beeinträchtigen. Wie alle Sängerinnen dieses Rossini-Aschenbrödels muss sie bis ganz zum Schluss warten, um voll zeigen zu können, was sie kann, aber ihre Technik ist tadellos, sie perlt und trillert, was Rossini vorgesehen hat  (während mehrere ihrer Kollegen an diesem Abend unsicher wurden, wenn es an das Rossini’schen Zungenbrechen ging). Allerdings hat sie über weite Stellen ein regelrecht hässliches nasales Timbre, so dass der Gesamteindruck schon stark beeinträchtig war.

Ihre neuen Schwestern litten nicht an einem Übermaß an Persönlichkeit. Weder Sylvia Schwartz, die als Clorinda heftig lospeckte, noch Juliette Mars als eher unauffällige  Tisbe mit den tieferen Tönen konnten sich die Show holen.

Der aus Weißrussland stammende Nikolay Borchev bekommt seine Chancen am Haus, nach dem Rossini-Figaro nun den Dandini, den er ordentlich macht, wenngleich er noch spürbar ausbaufähig ist. Auch Paolo Rumetz, am Programmzettel als Ensemblemitglied der Staatsoper geführt, obwohl man nicht den Eindruck hat, ihm schon des öfteren begegnet zu sein, gibt einen so weit ganz guten Don Magnifico ab, weil er eben der richtige Typ dafür ist.

Wie schon bei der Premiere singt Dmitry Korchak den Don Ramiro, und bevor er nicht ein gewaltiges Maß an Geschmeidigkeit in seinen steifen Tenor hineinbekommt, wird er kaum als erstklassiger Rossini-Sänger durchgehen. Allerdings störte er diesmal in einer – sagen wir es ehrlich – fast durchwegs mittelmäßig besetzten Aufführung weniger als bei der Premiere, wo man von einer Wiener Staatsoper besetzungsmäßig mehr, viel mehr erwarten durfte.

So etwas wie Ildebrando D`Arcangelo, der wieder für den Alidoro fast verschwendet wurde, aber sei’s drum: Das war die einzig wirkliche, unanfechtbare Qualitätsstimme des Abends und auch eine souveräne Persönlichkeit, von der man das Gefühl hatte, er macht sich über diese Inszenierung lustig. Recht hat er.

Dass vor allem zu Beginn (mit den beiden Schwestern) ein wahres Schwimmfest zu verzeichnen war, ging vielleicht nicht unbedingt auf das Konto von Dirigent Michael Güttler, der den Abend nach und nach besser in den Griff bekam, schön in orchestralen Szenen (wie das Gewitter), am Ende jedenfalls so, dass die schwankende Lustigkeit des Gebotenen nicht musikalisch überschwappte.

Dem Publikum gefiel es – und es besteht die leise Hoffnung, dass eine geschickte Kameraarbeit beim Live-Stream am 27. diese „Cenerentola“ etwas ansehnlicher macht, als sie sich von Galerie Halbseite her präsentiert.

Renate Wagner

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