Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: „LA BOHÈME“ – ein Ensemble, wie es sein soll

WIENER STAATSOPER: „LA BOHEME“ am 30.9.2017

Ein Ensemble, wie es sein soll!

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Aida Garifullina (Musetta), Hrachuhi Bassenz (Mimi). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Außer den beiden Damenrollen waren alle Partien komplett aus dem Ensemble besetzt. Wenn man einen Tenor wie Jinxu Xiahou fix in der Mannschaft hat, muss man wirklich nicht teure Gäste mit großen Namen, die dann auch oft enttäuschen engagieren. Der junge Tenor aus China singt und lebt den Rodolfo so herzlich aus der Seele, wie man es schon lange nicht mehr erlebte. Die Stimme hat ein feines schönes Timbre, die  Technik sitzt perfekt, die Höhensicherheit ist beeindruckend und die Phrasierung erstklassig. Er weiß, wie man mit feinen Pianobögen Spannung erzeugen kann und somit kann er den Rodolfo vor allen stimmlich glaubhaft umsetzen, aber als Schauspieler macht er auch nichts falsch. Hoffentlich bleibt er noch einige Jahre im schönen Wien. Sorin Coliban singt den Colline mit herrlicher Bassstimme und trägt die „Vecchia zimarra“ sehr zu Herzen gehend vor. Clemens Unterreiner wie immer in großartiger Spiellaune sang den Schaunard mit viel Anteilnahme und ich werde den Verdacht nicht los, dass er als Marcello in der besseren Rolle wäre. Gabriel Bermudez war als einziger nicht so souverän als Marcello wie seine Kollegen. Vielleicht wäre da ein Rollentausch möglich.

Als Mimi erlebte man die Hausdebütantin Hrachuhi Bassenz, Das Debüt gelang zur vollsten Zufriedenheit. Eine sehr schöne samtige lyrische Stimme, feinste Phrasierungskunst wurde da geboten. Sie singt die Mimi mit viel verträumter Lyrik, und die Duette mit Rodolfo waren wirklich große Klasse. Das einstige Ensemble Mitglied Aida Garifullina war wieder eine Musetta der Spitzenklasse. Die Stimme wird immer runder und breiter, verliert aber dennoch nichts an Flexibilität. Dazu noch eine Augenweide diese „holde Aida“. Skurril und prächtig bei Stimme wieder Wolfgang Bankl als Benoit und Alcindor. Entzückend und mehr als stimmstark das Kind der Opernschule in der Parpignolszene. Viel Stimme zeigte Wolfram Igor Derntl als Spielzeugstandler Parpignol. Gut auch Dominik Rieger/Sergeant, Konrad Huber/Zollwächter und als Obstverkäufer Oleg Zalytski.

Elvind Gullberg Jensen dirigierte mit viel Esprit und guten Tempi die herrliche Musik. Das Orchester spielte in gewohnter Qualität. Der Chor gab unter Martin Schebesta sein Bestes und genoss ebenso wie das Publikum die wunderbare Inszenierung.      

Elena Habermann

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