Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: „L ´ITALIANA IN ALGERI“ – letzte Vorstellung in dieser Spielzeit

WIENER STAATSOPER: „L ´ITALIANA IN ALGERI“ am 2.11.2017

Letzte Vorstellung in dieser Spielzeit, hoffentlich keine Denière, weil diese Inszenierung will man sich noch öfter sehen!

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Luca Pisaroni, Orhan Yldiz. Copyright: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Die unverwüstlichen Inszenierung von Jean Pierre Ponelle ist immer eine Freude!

Oper soll auch unterhaltsam sein, und damit auch alle ansprechen.

Die Arbeit von Ponelle (Regie, Kostüm und Bühnenbild) hatte bei der Scala Milano Inauguarione 1973 ihre erste Aufführung mit Teresa Berganza, Ugo Benelli, Enzo Dara und Paolo Montarsolo in den Hauptrollen unter Claudio Abbado. (Archiv der Mailänder Scala)  Eine Art Generalprobe lief bereits in Düsseldorf im Jänner 1972. ( Biografie von Ugo Benelli.)

Zurück zu 2017, also genau 200 Jahre nachdem dieses Werk erstmals im Kärntnertortheater (in italienischer Sprache) aufgeführt wurde. In dieser Serie waren alle Rollen außer der Lindoro von Antonino Siragusa neu besetzt. Für eine solche Konstellation ist ein Belcantospezialist wie  Evelino Pidò natürlich ein Joker für alle Solisten. Schon das Vorspiel war eine musikalische Vorfreude auf die nun kommende Oper. Alle Gesangssolisten wurden nicht nur unterstützt, sie wurden vom Maestro auf Händen getragen. Ebenso merkte man den Orchestermusikern an: Wenn der richtige Fachmann der Musik am Pult waltet, macht es allen Freude und Vergnügen.

Ein jugendlicher Mustafa ist Luca Pisaroni, der in manchen Stellen vielleicht etwas heller klingt als seine unmittelbaren Vorgänger. Aber gerade diese so Belcanto-geschulte Stimme hat natürlich die Flexibilität, die bei so manchen Vorgängern nicht mehr so richtig kam. Sein Rossinistil ist großartig. Das ihm auch die Darstellung der Figur des „Mächtigen“ Spaß machte, war keine Sekunde zu übersehen, konnte er auch stimmlich bei der „Pappataciszene“ voll zeigen.  Die angebetete Italienerin Isabella, die er unbedingt in seinem Harem haben will, wird von Elena Maximova ausgezeichnet gesungen. Sie hat alles dafür, die rasche Gurgel, eine perfekte Technik und eine sehr gute italienische Diktion. Somit kann sie die Stimme mühelos fließen lassen.  Diese gutaussehende Dame spielt natürlich auch gut und lässt somit die Männerwelt wie die Puppen tanzen. Wie fast immer ist der Tenor der Gewinner. Antonino Siragusa singt den Lindoro wie immer vom Feinsten, auch wenn die Stimme auch etwas viel Metall bekam. Immerhin singt er auch bereits Duca, Alfredo oder Rodolfo. Feine Piani weiß er immer zu spinnen und die Höhensicherheit ist ernorm. Dass er ein großartiger Komödiant ist, weiß man ja schon lange, er lässt keinen Scherz aus und animiert auch seine Kollegen. Köstlich ist Orhan Yildiz als der um seine Männlichkeit sehr besorgte Taddeo. Seine Arie singt er gekonnt und es ist einmal lustig, einen jungen Künstler in dieser Rolle zu erleben. Bryony Dwyer singt die verstoßene Elvira erfreulicher Weise mit ungewöhnlich starker Stimme, sie sieht entzückend aus und spielt es auch sehr liebenswert. Die ihr immer zur Seite stehende Vertraute Zulma ist Miriam Albano mit schöner frischer Mezzostimme. Haly, den Chef der Wache des Mustafa (und Enkel des Mozartschen Osmin ?) spielt und singt Manuel Walser hervorragend. Eine schön geführte Baritonstimme, die beim Lob auf die italienischen Frauen absolut punkten konnte.

Martin Schebsta kann auf seine Mannschaft von Eunuchen und Seeleuten absolut stolz sein, der Chor klang wieder prächtig.

Eine sehr gute Aufführung, die keine einzige Bruchstelle aufzuweisen hatte.

Elena Habermann

PS.: Das Gerüst im Eingangsbereich ist nun endgültig Geschichte.

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