Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: „IL TROVATORE“ „lang ersehnt – heiß erfleht…“

WIEN/ Staatsoper: „IL TROVATORE“ „lang ersehnt – heiß erfleht…“ Vorstellung am 15.2.2017

Il_Trovatore_95373_D_INTINO[1]
Luciana D’Intino.  Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Eine lange Abstinenz erlitt das Publikum, nachdem der Langzeitdirektor Ioan Holender die erprobte, praktische und wunderschöne Inszenierung von Herbert von Karajan (die natürlich auch ein Sängerfest war!) von Salzburg 1963 übernommen, 1977 neueinstudiert, unbedingt vernichten musste. Ersetzt wurde sie mehr als unbefriedigend durch eine sehr schlechte szenische Umsetzung., musikalisch ein Debakel. Im Verdijahr 2001 wurde dieser Trovatore zum letzten mal an der Staatsoper gespielt, dann verschwand  er auf immer in der Versenkung, mit ihm auch Macbeth und Ernani.

Im neuen Trovatore siegte eindeutig die musikalische Umsetzung mit einer Sängerbesetzung, die sich hören lassen kann. Ein Maestro wie Marco Armiliato ist natürlich eine Bank für solche Planungen. Ein feinfühlender Künstler mit der Liebe zu dieser Musik, die er zügellos an alle weitergibt. Das Orchester wird effektvoll geführt, manchmal auch sehr kraftvoll, aber die Sänger werden getragen und liebevoll begleitet.

Leonora ist Anna Netrebko, die eine immer sattere, schönere Stimme bekommt. Man glaubt ihr auch die Wandlung vom verliebten Mädchen zur liebenden Frau, die für diesen Mann in den Tod geht. Sie kann es wunderbar sowohl stimmlich als auch emotional perfekt darstellen. Enorm die Szene mit dem Miserere und der Cabaletta. Das Duett mit Luna ist ein ganz großer Höhepunkt der Aufführung. 

Einer der  Bewerber um die schöne Leonora ist Ludovic Tézier als Conte di Luna. Ein Kavaliersbariton vom Feinsten. Schon seine kurze Auftrittsszene klingt einschmeichelnd und schön, ist er doch nur verliebt, eifersüchtig und kein Bösewicht. Seine Erziehung macht ihn zum Befehlshaber und natürlich verletzt das den Dünkel gegenüber Manrico, der für ihn einfach der Mensch zweiter Klasse ist. Die große Arie war so schön, so beseelt gestaltet, man kann es sich nicht besser wünschen und erwarten.  

Der Rivale Manrico, „un trovatore“, eine seltsame Erscheinung im Francokrieg, ist mit Roberto Alagna nicht so ganz ideal besetzt. Das Brustfläschchen – Flachmann sollte für die Stretta mit Zaubertrank von einem besseren  Druiden gefüllt werden! Bei ihm hört man wirklich, dass er sehr an seine Grenzen geht. Das Liebeslied, „Ah si ben mio“ vor der Stretta war aber wirklich schön lyrisch gesungen, also seine große Disziplin.

Ein außergewöhnliche  Sängerleistung ist die Azucena von Luciana D `Intiono. Das ist ein Vulkan an Stimm- und Darstellungskunst. Man glaubt ihr die Frau, dieser von Hass und Verzweiflung getriebenen Außenseiterin. Auf der einen Seite die Mutter zu rächen, das falsche Kind aufziehen und es auch zu lieben, um es dann doch zu opfern, schon sehr viel verlangt von einem Leben. Die Künstlerin kann alles das mit der Stimme erzählen und braucht nicht viel Erläuterung von der Regie.

Jongmin Park ist als Ferrando richtig besetzt. Ein erster Bass muss diese so wichtige Rolle singen, schließlich klärt seine Erzählung alles Verwirrende auf,  Diese  wurde prachtvoll gesungen und auch vom bestens singendem Chor unterstützt.

Auffallend schön klingt der Ruiz von Jinxu Xiahou, ein junger Sänger der immer aufhorchen lässt. Simina Ivan ist Ines, der Messo Wolfram Igor Derntl und Ion Tibrea der alte Zigeuner.

In Hochform wieder der Chor unter Thomas Lang

Für die szenische Umsetzung ist Daniele Abbado verantwortlich. Warum er die mittelalterliche romantische Geschichte unbedingt in den Spanischen Bürgerkrieg verlegt, ist nicht ganz verständlich. Sicher, die Zigeuner (ich weiß ich sollte Sinti oder Roma schreiben, aber ich weiß nicht, wer dort war – Anm.d.Redaktion: im konkreten Fall ist Sinti richtig) ) wurden wie die Juden vertrieben, bzw. verfolgt. Alles nichts Neues, das fand nicht nur im Mittelalter statt. Warum immer und überall allgemeine Bigotterie stattfindet, in beiden „Ganggruppen“, also unterscheiden sie sich auch da nicht. Nur in den Kostümen, die Luna Anhänger sind Soldaten und die Zigeunertruppe zivil und abgehalftert. Leonora scheint auch eher dieser Truppe anzugehören, von Edeldame nicht die Spur.

Das Regiekonzept ist einfach, klar und ich hatte immer das Gefühl, das Alles schon einmal so ähnlich gesehen zu haben.

Die Kostüme für die Leonora von Carla Teti sind hässlich, wie Modelle „Humana“. Warum eine Frau Frauen so unvorteilhaft kleidet, ist und bleibt mir ewig unverständlich. Das Einheitsbühnenbild von Graziano Gregori zeigt Hintergrundveränderungen, die man bereits am Balkon nicht mehr gut sieht, stört aber nicht und ist sängerfreundlich gebaut.

Warum man für diese Inszenierung sechs Wochen geprobt hat, ist eigentlich nicht so ganz verständlich. Viel passiert nicht, die Sänger sind routiniert und wissen, wie es zu laufen hat. Die Oper ist ein „Nummernwerk“ im besten Sinne, die Arien nicht ganz einfach, also sollen sie doch stehen und schön singen, wie es Verdi schrieb und wollte.

Alles in allen eine mehr als repertoiretaugliche Lösung.

Also die zweite ziemlich gelungene Verdipremiere dieser Spielzeit.   

Elena Habermann     

Diese Seite drucken