Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: IL TROVATORE

Giuseppe Verdi: IL TROVATORE

Wiener Staatsoper – 12. Februar 2017

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Anna Netrebko. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Sechzehn Jahre lang war Verdi’s Meisterwerk aus der sogenannten Trilogia Popolare nicht mehr an der Wiener Staatsoper zu sehen. Das ist natürlich bedauerlich, da Il Trovatore neben Rigoletto und La Traviata zu Verdi’s Dauerbrennern zählt und mit einer Fülle an hinreißenden Melodien aufwarten kann.

Daniele Abbado präsentiert nach dem Don Carlo – den er 2012 im Haus am Ring inszenierte – nun eine weitere, sehr repertoire-taugliche Produktion. Abbado verlegte die Handlung in die Zeit des Spanischen Bürgerkrieges und begnügte sich mit einem Einheitsbühnenbild (von Graziano Gregori). Dies zeigt im Bühnenhintergrund eine mittelalterliche Mauer mit einem Portal mitsamt davorliegendem Treppenaufgang in der Bühnenmitte. Dieses Portal öffnet sich dann auch immer wieder, um einige Szenen zusätzlich zu bebildern. Beispielsweise als Azucena von der Hinrichtung ihrer Mutter erzählt, und der Zuschauer diese dort dann auch beobachten kann.

Für wechselnde Sängerbesetzungen ist diese Inszenierung jedenfalls ideal, wird doch die Geschichte erzählt, und nicht mehr.

Was die musikalische Seite betrifft war es ein Abend der Damen. Endlich hatte Anna Netrebko nach Metropolitan Opera, Staatsoper Berlin oder Salzburger Festspiele nun endlich Gelegenheit ihre gefeierte Leonora auch in Wien präsentieren zu können. Netrebko ist eine dunkel timbrierte Leonora, die über eine üppige, klangvolle Mittellage verfügt, und deren Spitzentöne stets klar und mühelos erklommen werden. So ist nicht nur ihr Tacea la notte placida bezaubernd, auch für die anschließende Cabaletta stehen ihr ausreichende Koloraturfähigkeiten zur Verfügung. Höhepunkt des Abends ist zweifellos D’amor sull’ali rosee, eindringlich im Vortrag und mit hervorragendem Legato. Mit erstaunlicher Tiefe überrascht sie ihm anschließenden Miserere. Da ist stimmlich einfach alles da. Eine wirklich großartige Leistung.

Doch es gab noch eine zweite Sängerin an diesem Abend, die das Prädikat „erstklassig“ verdient. Luciana D’Intino als Azucena, eine Mezzosopranistin bester italienischer Tradition und eine Sängerin, die ihre langjährige Erfahrung in dieser Partie einbringt und dabei einen satten Mezzo mit breiter Mittellage hören lässt, und welche zudem auch mit den beachtlichen Höhen keine Mühe hat. Besonders effektvoll auch die Töne aus den tiefen Registern. Ihre Duette mit Manrico gehörten dank ihr zu den Höhepunkten der Aufführung.

Bei den Herren lief es nicht ganz so gut, auch wenn Ludovic Tézier einen schönen Conte di Luna singt. Sein Bariton ist kraftvoll, doch stellenweise drückt er stimmlich etwas zu sehr auf die Tube. Während Manrico, Leonora und Azucena dank ihrer Darsteller wirklich zu Figuren aus Fleisch und Blut werden, wirkt der Luna von Tézier etwas zu eindimensional.

Zum „Problemkind“ entwickelte sich ausgerechnet der Interpret der Titelrolle. Zwar spielt Roberto Alagna seine Rolle sehr glaubwürdig und zeigt viel Einsatz, doch er verfügt für den Manrico über zu wenig Verdi-Schmelz, die Stimme ist etwas trocken und körnig. Und alles was über die höhere Mittellage hinausgeht bereitet ihm hörbar Mühen. Der Spitzenton in der Stretta flutscht ihm völlig weg. Die lyrischen Szenen, in denen er seine Vorzüge ausspielen kann, gelingen ihm dann auch am überzeugendsten.

Ein solider Ferrando ist Jongmin Park, Simina Ivan eine unauffällige Ines und Jinxu Xiahou ein unterforderter Ruiz.

Marco Armiliatowar der Mann der gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern im Orchestergraben für den nötigen Verdi-Klang sorgte und den Sängern in ihren Arien ein guter Begleiter war, während er in den dramatischen Ensemble-Szenen gerne auf Tempo setzte.

Der Staatsopernchor zeigte sich ebenfalls sehr gut disponiert.

Am Ende gab es viel Jubel für Netrebko, Tézier und D’Intino. Deutlich moderater fiel der Applaus für Alagna aus. In der nächsten Saison wird Anna Netrebko als Leonora an die Staatsoper zurückkehren und dann soll Marcelo Alvarez, der als derzeit führender Manrico-Interpret gilt, ihr Partner sein.

Lukas Link

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