WIEN/ Staatsoper: I PURITANI

by ac | 5. März 2015 06:08

WIENER STAATSOPER: 4. 3. 2015: „I PURITANI“


Olga Peretyatko, John Tessier. Foto: Michael Pöhn/ Wiener Staatsoper

 Bellinis letztes Meisterwerk in einer sehr ordentlichen Inszenierung von John Dew ist nach fünfjähriger Abwesenheit nun wieder auf dem  Spielplan der Wiener Staatsoper und wieder  ein voller Erfolg.

Am Pult werkte Marco Armiliato mit Hingabe und schönen Tempi mit der Bühne und dem Orchester. Bellinis feine Melodien, die in der Begleitung manchmal etwas „trivial“ wirken, sind allerdings sehr schwer in der Umsetzung. Auch die Sänger sind in diesen „einfachen“ Belcantorollen überaus gefordert. An diesen Abend gelang alles mehr als homogen und es wurde ein „Belcantofest“.

Warum Elvira, die Dame die das Meiste und Schwierigste zu meistern hat, als letzte in der Programmreihe steht, weiß sicher der Dramaturg. Diese Elvira sang Olga Peretyatko in höchster Klasse. Sie steht der Künstlerin, welche die Premiere unter Placido Domingo sang, in nichts nach. Frau Peretyatko hat eine sehr flexible Stimme mit unendlicher Höhe, die sicher auch in den höchsten Lagen sauber geführt wird, aber auch eine sehr gute breite Mittellage ist vorhanden, die für so manche Passage sehr wichtig ist. John Tessier in der gefürchteten Rolle des Arturo Talbo zeigt ausgezeichnete Sangeskunst. Das eher sehr weiße Timbre ist vielleicht nicht jedermanns Sache, seine sängerische Leistung steht aber außer jeden Zweifel. Er serviert die allerhöchsten Töne „F“ ohne jeglicher Schwierigkeit, weiß auch gut zu phrasieren und spielt sehr ordentlich.

Eine Freude ist es, Carlos Alvarez wieder in alter Superform zu erleben. Der nicht gerade Sympathieträger Riccardo Ford hat so herrliche Melodien – und diese kamen einfach großartig aus dieser Goldkehle. Das große Duett mit Sir Giorgio war einer der ganz absoluten Höhepunkte dieser Vorstellung. In dieser Rolle konnte man sich über Jongmin Park freuen. Eine wahre Samtstimme, die blendend geführt ist. Er ist für solche Partien ein ganz großer Gewinn. Und so eine Stimme hat die Staatsoper im Ensemble. Hoffentlich gibt es die Gelegenheit, ihn noch in vielen dieser Rollen zu hören. Seine Ausbildung erhielt er seiner Heimat und den Feinschliff holte er sich an der Accademia del Teatro alla Scala di Milano. Das ist unüberhörbar, schon in der Feinheit der Diktion und der belcantesken Stimmführung. Nicht zu vergessen Sorin Coliban als Gualtiero Valton mit orgelnder riesigen Stimme, welch ein guter Kontrast. Die kleinen, aber für die politische Handlung sehr wichtigen Rollen wurden von Carlos Osuna/Bruno Roberton und Ilseyar Khayrullova/ /Enriquetta sehr stimmschön umgesetzt.

Der Unisex Chor unter Martin Schebesta klang stimmstark und klangschön wie immer.

Das begeisterte Publikum spendete nach jeder Arie mit Stretta und den Duetten ausgiebigst Applaus.

Elena Habermann

 

Source URL: http://der-neue-merker.eu/wien-staatsoper-i-puritani-2