Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: HÄNSEL UND GRETEL – verliefen sich nicht im Wald, sondern erfolgreich in der Staatsoper

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Monika Bohinec (Hexe). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

„HÄNSEL UND GRETEL“ „verliefen sich im Wald“ , nein, sondern erfolgreich in die Wiener Staatsoper. Am 3012.2017

Entzücken entsteht schon bei der Ouvertüre, die bezaubernd bebildert ist (an sich bin ich nicht immer von solchen Unternehmen angetan) und Kinderaugen können staunend auf die Bühne blicken und die doch sehr lange Ouvertüre wird nie durch unüberhörbare Langeweile gestört. Diese wurde wie auch die ganze Aufführung von Patrick Lange sehr schön musiziert. Nie zu pathetisch und mit viel Heiterkeit bei den „Kinderliedern“.

Adrian Eröd war wieder der Besenbinder Peter, mit angenehmen Bariton, vielleicht etwas zu hell, aber das ist wohl auch Geschmackssache. Er spielt einen sehr jungen Vater mit Neigung zur Flasche, aber dennoch besorgter um seine Kinder als die Mutter Gertrud, die eigentlich nur über ihr Schicksal und auf die Kinder keift und auch als sie den vollen Sack sieht, den Peter brachte dennoch keine Sekunde an diese verschwendet. Einfach in den Wald wurden sie geschickt. (Bei den Brüdern Grimm ist diese Mutter die „böse Stiefmutter“ ), diese nicht liebevolle Gestalt wird von Donna Ellen mit viel Dramatik gespielt, zu singen ist diese Rolle nicht gerade ideal für ihre Stimme.

Das Geschwisterpaar sind diesmal Margaret Plummer als Hänsel und Chen Reiss als Gretel. Margaret Plummer singt den Hänsel sehr locker und spielt einen liebenswerten Tollpatsch, der schon in seiner Schussligkeit so manches zertrümmern kann. Chen Reiss singt die Gretel ebenso schön wie vor einigen Tagen die Zdenka. Auch schauspielerisch ist sie bezaubernd und tanzt hübsch und trickst somit die Hexe aus. Monika Bohinec ist eine Luxusbesetzung für diese böse Hexe. Sie singt die nicht einfache Partie herrlich aus, strahlt eine Bösartigkeit aus, dass einem Angst wird, sie ist nie auch nur annähernd komisch, den Kannibalismus glaubt man jede Sekunde. Brava!. Eigentlich wäre es einmal den Versuch wert, dass man Mutter und Hexe mit derselben Sängerin besetzt, das soll bitte nicht als Sparmaßnahme gelten! Sehr schön sang Bryony Dwyer das Sand- und Taumännchen. Die Kostüme dieser beiden Zauberfiguren sind besonders schön und märchenhaft gelungen..

Ein Extralob an den Kinderchor unter Johannes Mertl. Diese Lebkuchenkinder sind bezaubernd und singen bereits wie die „Großen“ , das Lob gilt natürlich auch für die Studierenden der Ballettakademie.

Orchester und Bühnenorchester musizierten wie immer ausgezeichnet, und dass es so war merkte man daran, wie still, ruhig und begeistert das Publikum unter 10 Jahren war.

Das Haus war ausgebucht, der Stehplatz überbucht, dennoch war es ruhiger als bei manch anderer Vorstellung. Der Pausenschwund war gering.

Nachdem die Handlung doch eigentlich in der wärmeren Jahreszeit stattfindet, könnte man diese Oper doch auch einmal in der Zeit wenn die Bären mit ihren Jungen spazieren gehen und die süßen Beeren wachsen ansetzen.

Elena Habermann

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