Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: GÖTTERDÄMMERUNG. End- Stimmungsbericht. Vor der Oper, in der Oper, nach der Oper

Götterdämmerung Wiener Staatsoper 5. Juni 2017

End- Stimmungsbericht

 Vor der Oper, in der Oper, nach der Oper

Vom 30. April bis 6. Juni – zwei Zyklen DER RING DES NIBELUNGEN gingen gestern mit der Götterdämmerung zu Ende, obwohl man beim zweiten,  der sich über zweieinhalb Wochen erstreckte, schon fast von Einzelvorstellungen sprechen konnte. Trotzdem wurde am  Pfingstwochenende  Wien zum Reiseziel für die  Wagner- Gemeinde.           

 Am Sonntag erwartete sie ( MOND)PARSIFAL  unter großem gestalterischen  Einsatz von Jonathan Meese,   nicht am Grünen Hügel  sondern im Theater an der Wien , am Montag dann ein fulminantes Ring-Ende an der Staatsoper. So war der Richard Wagner– Verband Bamberg immerhin mit 21 Interessierten angereist, die in der Pause nach dem 2. Akt fast sprachlos waren, so intensiv und  völlig entfesselt  dominierte Falk Struckmann als Hagen. Er muß an der Königlichen Oper in  Stockholm, wo er mit der gleichen Rolle im Mai  bei den beiden  Ring-Zyklen der einzige Nicht- Schwede (!)  war – Nina Stemme als Brünnhilde, Lars Cleveman als  Siegfried, ungeheure Energie getankt haben.  Er dirigierte weit ausladend sogar den Männerchor . Von  seinem  Elan ließen sich die andren Protagonisten anstecken, so daß die Schwurszene  intensiv und bedrohlich wie schon lange nicht geriet. Vor allem, weil auch der Gunther von Markus Eiche nach anfänglichem Zögern und Zagen  zu einem starken und überzeugenden Verschwörer wurde.  Da wurde allen  klar, Siegfried ist verloren. Mit diesem vom Publikum derart  verinnerlichten Wissen berührte der muntere und fröhliche Held in seinem naiven Ungestüm dann im 3. Akt um so mehr, dazu noch  ausgezeichnet gesungen von Stefan Vinke. Auch Petra Lang konnte sich noch einmal steigern und erhielt für ihre nicht immer üblichen Hörgewohnheiten folgende  Gesangsleistung starken Applaus. Der dauerte diesmal vor allem Dank eines enthusiastischen Italieners auf dem Stehplatz ganze 14 Minuten.

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Stefan Vinke (Siegfried) mit den Rheintöchtern Ileana Tonca, Stefan Vinke, Stephanie Houtzeel, Zoryana Kushpler. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Leider hatten  nicht alle so einen sehens- und hörenswerten Opernnachmittag erwartet. Vor der Oper und im Foyer gab es zwar fast so ein großes  Gedränge wie beim ersten Rheingold. Aber das war damals doch nur den Touristen geschuldet. Bei allen späteren Vorstellungen gab es noch genug Karten im „Privatverkauf“, oft waren auch wie bei Siegfried und gestern  für alle Stehplatzbereiche Tickets zu haben. Da am „Dritten Tag“  Wotan, für den der Walisische Star Bryn Terfel geplant war,  nur mehr im fernen Walhall das Ende erwartet, waren es wohl der Feiertag oder das schöne Wiener Wetter, das für die vielen ungenützte Karten sorgte.

Aber die, die diese Vorstellung erleben konnten, werden sich noch lange daran erinnern. Davon zeugte auch die Begeisterung beim Bühnenausgang nach der Vorstellung.

Es war auch  noch nicht spät, denn das auf dem Programmaushang in den Foyers angegebene Ende  21h45 unterschritt Maestro Schneider diesmal um 7 Minuten, sein schon zu jedem Aktbeginn heftig beklatschter Einsatz  dauerte 4 Stunden 36 Minuten. Zu kurz für seine begeisterte Anhängerschar, die sich im Laufe der acht Abende ständig vergrößerte. Sie hätten noch Stunden  zuhören wollen, wie sie beim Ausgang beteuerten.

Von den zahlreichen Autogrammwünschen überrascht war auch  Zoryana Kushpler, sie hätte gar nicht gewußt, dass die Rheintöchter so populär wären. Aber sie haben auch besonders schön gesungen – und ziemlich akrobatische Leistungen erbringen müssen, beim Verstecken hinter, vor und unter den Booten, auf denen Siegfried seinem Ende entgegen turnte. Aber die Szenerie störte diesmal  weniger außer bei der alpenländischen Christbaumkultur , Auftrittsort der drei Nornen.  Zum Tragen kam vielmehr die Sven- Eric Bechtolf immer zugestandene kluge Personenregie, bei der nur Petra Lang hin und  wieder eigenwillige Akzente setzte.

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Petra Lang. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

 Sie unterschrieb  strahlend und  gut gelaunt Stöße von Programmzetteln und Fotos, sie und die Fans freuten sich dabei auf den Ring Jänner 2018 in Dresden. Wenn Christian Thielemann dort dirigiert und noch dazu Wagner, ist die Semper-Oper ja fast eine Wiener Dependance , oder umgekehrt.

 Auch Stefan Vinke strahlte über die Begeisterung des  Publikums. Auf die Frage nach seinen nächsten Plänen an der Wiener Staatsoper musste er aber mit hörbarem Bedauern antworten, dass er sehr gerne wieder kommen möchte,  es aber keine Anfragen aus der Direktion gäbe. Das wiederum zum Bedauern des Publikums ,  nicht nur der Wagner- Freunde.

Ulrike Messer – Krol

 

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