Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: GÖTTERDÄMMERUNG als Abschluss des ersten Wiener Ring-Zyklus‘

WIEN/ Staatsoper:  „GÖTTERDÄMMERUNG“

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Petra Lang (Brünnhilde). Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

So viele Dirigenten gibt es zurzeit nicht, die einen „Ring“ zumal ohne Orchesterproben so hinkriegen, wie Peter Schneider es tut. Das bestätigte er mit dem abschließenden 4. Abend des  Zyklus nachdrücklich. Und um es vorweg zu nehmen und endlich mit der Mär aufzuräumen: Er dirigiert weder gemächlich noch zu langsam. Vielmehr lässt er die Musik ausschwingen und verschluckt nicht die Töne, wie es vor 2 Jahren sein berühmter Kollege, der überwiegend als Konzertdirigent wirkt, getan hat. Man muss eben nur Geduld haben und zuhören können. Aber diese Tugend ist leider auch bei Opernbesuchern immer weniger vorhanden. Warum sonst würden ununterbrochen Smartphones während der Vorstellung flimmern?

Herrlich herausgearbeitet war die polyphone Nornenszene, erhaben Brünnhildes und Siegfrieds Erwachen. Die fröhliche Rheinfahrt mit lautmalerischen Naturimpressionen erinnert noch einmal an das Scherzo des jungen Siegfried. Wunderbar bewegt begleitet sind die Gibichungenszene und dann die große Waltrauten-Erzählung. Unheimlich untermalt sind Alberichs Worte an Hagen und das Mordkomplott. Der herrliche Mannenchor wird mitreißend und perfekt dargeboten. Die von Thomas Lang studierten Choristen zeigen gewaltige Stimmen. Zu Beginn  des 3.Aufzugs waren kleinere Hornpatzer des ansonsten glänzend spielenden Staatsopernorchesters nicht zu überhören. Kein Wunder bei der Länge des Werkes. Siegfrieds Vöglein-Erzählung begleitet Schneider klangvoll und den Sänger voll unterstützend. Der Trauermarsch explodiert dann, er reißt den Hörer vom Stuhl. Wunderbar herausgearbeitet sind bei Brünnhildes Schlussgesang noch einmal alle Motive und Reminiszenzen, die wir in den vergangenen rund 16 Stunden des gewaltigsten Werkes der Opernliteratur gehört haben. Und dann ganz am Ende nach dem Weltuntergang im Orchester eine winzige Generalpause, ehe das Motiv vom Fortbestand der Erde überirdisch schön er- und verklingt. Stille. Man konnte eine Stecknadel fallen hören. Völlig gebannt sitzen die Hörer – selbst die Ungeduldigen klatschen zunächst nicht. Peter Schneider hat selbst sie gefangen und überzeugt.

Petra Lang (Brünnhilde) hat sich ansagen lassen, aber wie so oft  in solchen Fällen war keine Indisposition zu bemerken. Die reife, menschlich gewordene Walküre liegt ihr stimmlich am besten. Die dunkle, sehr ausdrucksvolle Mittellage trägt die strahlenden, nicht forcierten Höhen zuverlässig. Die Aussprache lässt sich sicher verbessern und ein guter Regisseur wird ihr abgewöhnen können, bei emotional aufgeladenen Stellen den Kopf schief zu legen. Das hat die Künstlerin nun wirklich nicht nötig. Stefan Vinke bleibt auch im abschließenden Teil des Zyklus immer noch der große und fröhliche Junge. Eine Deutungsweise des Siegfried, die akzeptabel ist. Seine helle, ausgesprochen höhensichere Stimme bewältigt die Partie beanstandungslos und bis zum Ende mit gleichmäßiger Stimmkraft ausdrucksvoll durchhaltend.

Falk Struckmann ist ein gefährlicher Hagen mit einem eher hellen Bass, er kommt ja bekanntlich aus dem Baritonfach. Sein Vater Alberich wird von Jochen Schmeckenbrecher mit durchdringender, äußerst präzise artikulierender Stimme gesungen und mit einer gewissen grotesken Art dargestellt. Markus Eiches Gunther überzeugt in seiner Schwäche mit einem fast belkantesk timbrierten Bariton und trotzdem kraftvoller Stimme.. Regina Hangler setzt ihren strahlenden Sopran für die Gutrune ein. Und dann erlebt man hoffentlich nicht noch einmal zum letzten Mal Waltraud Meiers Waltraute. Die bedeutende Künstlerin zeigt wieder ihr immenses stimmliches und darstellerisches Können und macht die Waltrauten-Erzählung zu einem Ereignis. Monika Bohinec, Stephanie Houtzeel und Caroline Wenborne sind ein herausragendes Nornentrio. Und Ileana Tonca, Stephanie Houtzeel und Zoryana Kushpler stellen die Rheintöchter höchst attraktiv und mit schönen Stimmen dar.

Enormer Jubel für die Sänger und besonders für den Dirigenten. Wie im Flug vergeht bei solchen Aufführungen die Zeit und fast erquickt verlässt man das Haus am Ring.

Johann Schwarz

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