Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: GÖTTERDÄMMERUNG

WIEN / Staatsoper: GÖTTERDÄMMERUNG am10.05.2017

Goetterdaemmerung_98921_TONCA_VINKE_HOUTZEEL_KUSHPLER
Ileana Tonca, Stefan Vinke, Stephanie Houtzeel, Zoryana Kushpler. Copyright: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Viel zu schnell ist der erste Teil der Peter Schneider Festspiele vergangen – mit der Götterdämmerung wurde der Höhepunkt des Ringes des Nibelungen, dem imposantesten Werk der Musikgeschichte, eindrucksvoll zelebriert und wir hörten eine gefühlvolle, detailreiche, dynamische Ausarbeitung, in der die musikalische Handlung exakt und ausführlich dargestellt wurde. Siegfrieds Rheinfahrt, der Trauermarsch und das imposante Finale gelangen in nervenaufwühlender Intensität und wir erlebten den seltenen Fall, dass nach dem letzten Ton ungewöhnlich lange, ergriffene Stille herrschte, bevor dann der verdiente Jubel für alle Künstler einsetzte. Es beweist die Klasse des Kapellmeisters und des wunderbaren Staatsopernorchesters, dass diese Leistung ohne Orchesterprobe zu Stande kam. Im letzten Teil des Ringes kam auch der imposante Staatsopernchor zum gewohnt souveränen Einsatz.

Für eine Schrecksekunde vor Beginn sorgte Petra Lang, die sich wegen einer Allergie ansagen ließ und deshalb fairerweise nicht beurteilt werden sollte. Erfreulicherweise war von einer Beeinträchtigung nichts zu bemerken und es gelang ihr in der anspruchsvollsten Brünnhilden-Rolle die beeindruckendste Leistung.

Goetterdaemmerung_98947_MEIER_LANG
Waltraud Meier, Petra Lang. Copyright: Wiener Staatsoper/Michael Pöhn

Ihre Halbschwester Waltraute wurde von Waltraud Meier souverän, schön und mit erfreulicher Wortdeutlichkeit gesungen. So macht ein Weltstar im Spätsommer seiner Laufbahn in kleineren Rollen noch viel Freude und zeigt, wie man mit Intelligenz und Würde einen angepassten Karriereverlauf gestalten kann – Kompliment, wir freuen uns schon auf die Klytämnestra!

Stefan Vinke steigerte sich nach einem sehr guten Jung-Siegfried zu einem außergewöhnlichen, heldischen Siegfried, der nicht nur in den kräftigen Passagen überzeugte, sondern dem auch die lyrischen, zarten Töne beeindruckend gelangen. Er stellte einen sympathischen Helden dar, der in allen Lebenslagen natürlich und authentisch wirkte.

Hagen, sein Gegenspieler wurde von Falk Struckmann, dem Bösewicht vom Dienst, stimmgewaltig und verschlagen dargestellt, sein Gesamteindruck hatte aber diesmal unter der Besetzungspolitik zu leiden. Mit nicht allzu schwarzem Bassbariton konnte stimmlich die Überlegenheit über den älteren, aber schwächlichen Bruder nicht vermittelt werden. Der Unterschied in der Stimmfärbung zu König Gunter war sehr gering und auch die starke Bühnenpersönlichkeit von Markus Eiche ließ die gefühlte, gewollte Rangordnung: Starker Intrigant / schwächlicher König nicht aufkommen. Zum Trost erlebten wir einen wunderschön klingenden, geradlinigen Bariton, der die Rolle mit Leichtigkeit bewältigte und der gemeinsam mit einem kohlschwarzen Bass die ideale Wirkung erzielen sollte.

Gutrune, die Gibichungen-Schwester war mit Regine Hangler sehr gut besetzt und ergänzte mit schöner, tragfähiger Stimme das diesmal sehr präsente Königskinder-Paar.

Auch in der Götterdämmerung überzeugte Jochen Schmeckenbecher als Alberich mit technisch gutem, ausdrucksstarkem Bariton, der – ebenso wie beim Gunter – einen zu geringen stimmlichen Abstand zum Hagen hatte – nur stört es hier handlungsbedingt weniger.

Ein Kompliment an das Ensemble der Wiener Staatsoper für die Qualität und die Zusammenstellung der Nornen und der Rheintöchter. Monika Bohinec, Stephanie Houtzeel und Caroline Wenborne sangen die bei Wagner namenlosen Erda-Töchter sowohl in den Monologen als auch zusammen schön, ausdrucksstark und technisch perfekt.

Wie auch schon im Rheingold waren Ileana Tonca (Woglinde), Stephanie Houtzeel (Wellgunde) und Zoryana Kushpler (Flosshilde) als Rheintöchter aufgeboten und überzeugten mit einschmeichelndem Gesang und temperamentvollem, neckischem Spiel. Die Wirkung dieser wichtigen Frauengruppen ist natürlich beeindruckend, wenn man aus dem Ensemble Künstlerinnen zur Verfügung hat, die es gewöhnt und in der Lage sind, in anderen Produktionen Hauptrollen zu singen.

Und nun die beste Nachricht zum Schluss – in wenigen Tagen beginnt bereits der nächste Ring – sicher in gleicher Qualität – wir freuen uns schon riesig!

Maria und Johann Jahnas

Diese Seite drucken