Der Neue Merker

WIEN Staatsoper: Gaetano Donizetti DON PASQUALE

Buffo-Urgestein Alessandro Corbelli mit Maxim Mironov (Foto: M.Pöhn)

Buffo-Urgestein Alessandro Corbelli mit Maxim Mironov (Foto: M.Pöhn)

WIEN Staatsoper
Gaetano Donizetti DON PASQUALE

2.Dezember 2017
19.Aufführung in dieser Inszenierung

 

Als ich im Juni dieses Jahres nach einer Vorstellung der Donizetti-Oper das Haus verließ, war ich gewillt, der Aufführung den Zitronenpreis des Jahres zu verleihen. Welche Wandlung!

Und wieder einmal zeigt sich, dass der Dirigent in aller Regel das Niveau des Abends bestimmt. Evelino Pido eröffnet schon mit der Ouvertüre ein Feuerwerk an Tönen, das bis zum Schluss nicht abbrennt. Die Rhythmik reißt den Hörer vom Stuhl, die herrlichen lyrischen Stellen schmelzen im Silberklang des Staatsopernorchesters dahin. Das Orchester liebt den italienischen Maestro und sitzt auf den Stuhlkanten, um seinen Anweisungen mit höchster Aufmerksamkeit zu folgen. Die Sänger werden behutsam begleitet, der orchestrale Fluss ihrem Atem und ihrer Stimmkraft genau angepasst. Dass der Staatsoper zur Zeit zwei italienischen Maestri der Sonderklasse zur Verfügung stehen (Armiliato und Pido) ist ein besonderer Glücksfall. Natürlich sang der Chor unter einer solchen Leitung prachtvoll, zumal er von Martin Schebesta bestens präpariert war.

Die Besetzung war sehr sorgfältig ausgesucht. Schon vom Alter her passten die Sänger hervorragend zu ihren Rollen. Norina und Ernesto waren ein wirklich junges Paar, Malatesta ein Herr in seinen besten Jahren und Pasquale ein schon älterer Mann. So wird Oper glaubwürdig!

Alessandro Corbelli gibt einen feinen älteren Herrn, der sich nach ein wenig Liebe und Herzenswärme sehnt. Nichts wird übertrieben, jeder Klamauk gemieden, aber der Humor der Figur kommt über die Rampe. Sein mittelgroßer Bass ist ausgezeichnet hörbar und wird im wichtigen Parlando fulminant geführt. Pietro Spagnoli besitzt einen angenehmen, schön gefärbten Bariton, der leicht anspringt und durch seine Flexibilität im Buffo-Fach besonders überzeugt. Sein sympathisches Auftreten rundet eine hervorragende Leistung ab. Herrlich das Plapperduett der beiden am Ende des 1. Bildes des 3.Aktes, welches sie in einem rasanten Tempo zum Besten geben. Und dann bitten sie den Maestro in einem italienisch gefärbten Deutsch: Noch einmal! Natürlich tobt das Publikum. Maxim Mironow, ein schlanker Blondin, stellt einen feschen Ernesto zur Schau. Er ist ein typischer tenore di grazia mit hellem, etwas weißem Timbre. Die Stimme wird technisch bis in die Höhen perfekt geführt wird. Und last but not least: Andrea Carroll (nach Anna Aglatova und statt der vorgesehenen Daniela Fally) ist eine kokette, temperamentvolle Norina ohne jede Übertreibung. Ihre Stimme ist frisch wie eine Waldquelle und klingt in der Höhenlage wie eine Silberglocke. Hier scheint einer der wenigen Silberstimmen heranzuwachsen, die heute so vermisst werden. Man könnte sie sich in Richard Strauss – Rollen wie Sophie und Zdenka sehr gut vorstellen, zumal sie in der Lage ist, verschiedene Farben zu produzieren. Wolfram Igor Derntl als Notar überzeugt mit seinen wenigen Sätzen und humorvollem Spiel.

Das Publikum wurde von der guten Laune auf der Bühne und im Graben angesteckt und applaudierte vernehmlich und langanhaltend.

Johann Schwarz

 

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