Der Neue Merker

WIEN : Wiener Staatsoper: Früher Startschuss um den Thron

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NEWS eröffnet das Meyer-Nachfolgespiel

 

Dominique MEYER, ein Direktor zum angreifen

Dominique MEYER, ein Direktor zum angreifen

 

Einer muß ja anfangen damit, die so schrecklich opernlose Zeit in Wien zu überbrücken. Heinz Sichrovsky vom NEWS beginnt in seiner aktuellen Glosse “Spitzentöne” (NEWS-Ausgabe 28 vom 11.7.2015) – wie früh eigentlich noch – schon zur Halbzeit dem amtierenden Direktor des Wiener Spitzentoninstitutes zwar nicht ans Bein, aber vor die Tür zu pinkeln.

Zwar gesteht er Dominique Meyer saubere Arbeit zu, auch Erfolg bei der Auslastung der Sitzplätze – nur ein nordkoreanisches Wahlergebnis ist noch hochprozentiger – da können die Intendanten anderer Institute nur vor Neid erblassen. Aber was wäre ein umtriebiger Schreiber, der nicht das Gras zu säen instande ist, welches er nun, zu gegebener Zeit, wachsen hört.

Natürlich sammelt Meyer glühende Kohlen auf seinem Haupte für so manche Repertoireentscheidung – die Neueinstudierungen der kommenden Saison zeigen nur wenig Ambitioniertes und viele sehen den Einsatz eines raren Spitzendirigenten für eine Märchenoper als Vergeudung künstlerischer Ressourcen an – aber deshalb steht vor Antritt seiner zweiten Halbzeit der Direktor in Wien nicht mit dem “Rücken zur Wand”, wie sein Intimfeind aus der Münchner Oper meint, hat doch der Kritisierte sein Standbein auf mehr als fünf Dutzend spielbereiten Repertoireopern stehen. Natürlich spielt ja das Münchener Pendent Meyers bereits im Nachfolgespiel um Österreichs höchsten Kulturthron mit entsprechendem Einsatz seiner Wortmeldungen mit, ohne zu Bedenken, dass diejenigen, die sich zu früh aus der Deckung rühren auch dem frühen Verschleiß zum Opfer fallen. Auch ist er ja bis 2018 an der Bayerischen Staatsoper vertraglich gebunden und daher einer derjenigen, die laut NEWS “ihre Verzweiflung in Grenzen hielten, demissionierte Meyer vor der Aussicht einer vierjährigen Periode als lame duck”. Und wie schlimm für den Kritiker aus München, dass für Meyer ja auch nach entsprechender Bewerbung eine Verlängerung seines Vertrages nicht aussichtslos wäre. Da wiederum erfahren wir von NEWS, dass der amtierende Direktor darüber noch keine Entscheidung getroffen hätte, “doch scheint seine Ablöse erwünscht”. So genau weiß das wieder der Redakteur.

Keine Frage, dass bei einmal getroffenen Entscheidungen Benachteiligte eine Antistimmung fördern, was bei der Empfindlichkeit von singendem oder künstlerischem Personal zu verstehen ist und dass von so manchem und mancher die oft ungerecht und harsch wirkende Strenge des Vorgängers im Haus am Ring überraschend als Tugend gegenüber dem amtierenden Chef ausgespielt wird.

Da gibt es tatsächlich eine größere verwundbare Stelle bei Meyers Amtsführung: Der unrühmliche Abgang seines Generalmusikdirektors und die daraus herauslesbaren negativen Diagnosen über das künstlerische Niveau. Diese beeinträchtigen die Würdigung  der direktoralen Erfolge empfindlich. Ein wenig erinnert das – zugegeben, ein etwas hochgegriffener Vergleich – an den Abgang Karajans, an dem Hilbert und einige seiner Nachfolger sich die Zähne daran ausbissen, die künstlerische Lücke zu schließen.

Keine Frage, es wäre für Meyers Nachruhm in der Historie der Wiener Staatsoper wichtig, die Aussöhnung mit Welser-Möst selbst herbeizuführen, als diese durch Nachfolger einfädeln zu lassen.

Es gibt übrigens nicht wenige, die schon zu wissen glauben, dass erstmals eine Frau an der Spitze des führenden Kulturtempels Österreichs nicht mehr auszuschließen wäre. Es muss sich diese jedoch noch an anderen – allerdings nicht so stürmischen Gestaden – bewähren. Nächstes Jahr soll die Nachfolgeregelung für die Staatsoperndirektion über die Bühne gehen.

 

Peter Skorepa
OnlineMERKER
Foto (c) Skorepa

Das Bild der Staatsoper mit Genehmigung
des Künstlers Karl Goldammer

 

 

 

 

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