Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: EDITA GRUBEROVA BRINGT DAS PUBLIKUM UM DEN VERSTAND

EDITA GRUBEROVA-SIE BRINGT DAS PUBLIKUM  UM DEN VERSTAND ( 7.Februar 2015)

Unbenannt
Konfettiregen nach der Gala. Foto: Wiener Staatsoper/ Pöhn

Das hat es meines Wissens noch nie gegeben – eine Primadonna der internationalen Opernbühne übernimmt für einen Abend nochmals die wichtigsten Rollen ihrer Karriere und bringt das Publikum fast um den Verstand: Edita Gruberova feierte ihre 45 jährige Zugehörigkeit zur Wiener Staatsoper mit den konzertanten Schlüssel-Stellen aus Lucia di Lammermoor, I Puritani, Anna Bolena und Roberto Devereux, also einmal Vincenzo Bellini und 3mal  Gaetano Donizetti. Und es sei gleich zu Beginn  zugegen. Die slowakische Diva mit österreichischem Pass und Wohnsitz bei Zürich ist in den letzten Jahren von der Tagesverfassung abhängig geworden, was zuletzt bei der La Straniera-Premiere im Theater an der Wien auffiel. Andere Ausnahmekünstler sind dies oft ihre Karriere lang. Nun am 7.Februar 2015 hatte die Gruberova einen „Traumabend“, die Lucia erinnerte in ihrem innigen Glanz an den Gruberova-Wahnsinn in den  späten 70er und 80er Jahre; abgesehen von einem allzu sehr gestemmten Schlusston in der Flöten-Sequenz war diese Lucia perfekt; die Elvira in  Bellini’s Puritani ( Qui la voce sua soave) übertraf die seinerzeitige Premiere des Jahres 1994, und die beiden „Altersrollen“ Anna Bolena und Elisabetta aus Roberto Devereux gehören ohnedies zum aktuellen Erfolgs-Standard-Repertoire von Edita Gruberova, die es   in diesen 45 Jahren allein in Wien  zu über 700 Vorstellungen  gebracht hat. Die Wiener Staatsoper hatte offenbar nicht gespart, das Staatsopern-Orchester wurde immerhin von Marco Armiliato mit Verve geleitet, der Chor der Wiener Staatsoper sang voll Elan und für Mini-Auftritte sorgten u.a. José Bros (Percy),  Dan Paul Dumitrescu (Raimondo), und Margerita Gritskova (Smeton), Monica Bohinec (Sara), Paolo Rumetz (Nottingham), Marco Caria (Enrico) und Carlos Osuna (Hervey). Das Facit: so viel Applaus erlebte man im Haus am Ring schon lange nicht. Jubel, Trubel, Heiterkeit und erstmals „standing ovation“ schon vor der Pause. Und am Ende wieder und wieder! Dazu ein Meer an Blumen, bunte Papier-Kärtchen (wie an der Met) und spontane Reden von Direktor  Dominique Meyer und der „Diva assoluta“: sie feiere in drei Jahren ihr 50jähriges Jubiläum als Sängerin. Bis dahin wolle sie „durchhalten“…Glückliche Gesichter – wohin man blickte. La Divina strahlte und sah blendend aus (vor der Pause in einem silbernen Seidenkleid, nach der Pause mit einer marineblauen Robe). Ein Abend ganz nach dem Geschmack der Wiener. Dabei waren Teile des Publikums  aus Japan, Spanien, Italien, Bayern und  Amerika angereist. Zu Edita Gruberova, einer Ausnahme-Künstlerin, wie es sie ein zweites Mal wohl nicht gibt. Hoffentlich existiert bald einen adäquaten Ton-Mitschnitt, der den Stellenwert des Abends beweisen lässt!

Peter Dusek

Interview mit Edita Gruberova (geführt am 12.1. sowie am 29.1. und 7.2.2015)

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Schlussapplaus der Wiener Gala (7.2.2015). Foto: Wiener Staatsoper/Pöhn

Wie geht’s es Ihnen jetzt nach der Gala?

Ich bin dankbar – in jeder Hinsicht! Dem lieben Gott, dass er mir mit meinen 68 Jahren  noch eine solche Kondition gibt; dem Publikum, das mich heute mit Begeisterung  wahrlich „überschüttet“ hat und mich schon immer verwöhnt hat; dem Direktor, dass er sich das ganze angetan hat; meiner neuen Lehrerin in München…Ich bin rundum glücklich!

Rund um die Straniera-Premiere hatte ich zeitweise das Gefühl, ihre Langzeit-Karriere ärgert so manchen Kritiker?

Den Verdacht hege ich längst! Aber so lange mir das Singen so leicht fällt und das Publikum eine halbe Stunde jubelt, werde ich nicht aufgeben; sollen diese Besserwisser doch zu Hause bleiben…

Wie soll es weitergehen?

In Wahrheit befinde ich mich längst in einem „Rückzugs-Gefecht“. Ich singe höchsten 30 Vorstellungen bzw. Konzerte pro Jahr, früher waren es über 50! Ich gebe ständig Rollen ab – es gibt von mir keine Traviata, Zerbinetta oder Manon mehr. Und damit das Ganze nicht langweilig wird, ergänze ich mein schrumpfendes Repertoire alle paar Jahre – etwa um  Lucretia Borgia oder La Straniera.

Auf ihrem Klavier soll sich  immer der nächste „Clou“ befinden – was findet man dort jetzt?

Wieder eine Donizetti-Oper,  „Gemma di Vergy“, die  einst von Montserrat Caballé ausgegraben wurde.

Haben Sie sich schon entschieden?

Nein, ich habe nur vorgefühlt…

Wie kommen Sie zu diesen Raritäten?

Da sind Sie nicht unbeteiligt! Seit der Lucia drängen Sie mich ins Belcanto-Repertoire. Und ich habe damals weder Puritani noch Linda di Chamounix gekannt. Und so habe ich zu sammeln begonnen. Und davon profitiere ich noch heute!

Sie haben heute am Ender der Gala vom 50jährigen Bühnenjubiläum in drei Jahren gesprochen – und dass sie so lange durchhalten wollen… war das ernst gemeint?

Was weiß man schon, was in der Jahren alles sein kann – aber wenn alles im wesentlichen bleibt, dann tatsächlich!

Sie leben nahe Zürich – wollen Sie dies auch weiterhin?

Dort sind meine Enkel und meine Töchter, dort habe ich einen wunderbaren Garten – also werde ich wohl bleiben…

Wie halten Sie sich fitt?

Nicht zuletzt durch gesunde Ernährung: kein Brot, kein Käse, kein Eis. Dazu mache ich Gymnastik (nicht übertrieben) und bin viel in der frischen Luft.

Gibt es unerfüllte Wünsche?

Wenige: Ich war z.B. nie in Buenos Aires?

Und Rollen?

Da gibt es mehr: Dinorah von Meyerbeer z.B.

Sie haben sich nach ihrem größten Erfolg an der Met mit Puritani entschieden, nie wieder in die USA zu fahren, haben Sie dies je bedauert?

Ich war in den USA immer unglücklich und einsam, meine Kinder mussten  in Europa zur Schule, die Lebenshaltungskosten fraßen die Gagen weg. Und gegen mein Heimweh half einzig und allein Sissy Strauss  samt „family“ aus Wien. Nein ich würde es so wieder machen!

Eine Abschlussfrage: wollen Sie ihr technisches Können an die Jungen als Lehrerin weitergeben?

Ich glaube nicht, dass ich dafür die nötige Geduld habe.

Ich danke für das nette Gespräch.

Peter Dusek

 

 

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