Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: DON PASQUALE – mit viel Esprit und ohne krampfhaft eingelernte Späßchen

WIEN/ Staatsoper:  „DON PASQUALE“ am 31.10.2016


Alessio Arduini, Michele Pertusi. Copyright: Barbara Zeininger

 Witzig, aber ohne Halloweengeister, lief die Aufführung mit viel Esprit und ohne krampfhaft eingelernter Scherze über die Bühne.

Als Erster sollte einmal der Trompeter Gerhard Berndl genannt sein, der die Begleitung zu Ernestos Arie wie ein Bluestrompeter Solo spielte. Hervorragend!

In der Titelrolle brillierte wieder Michele Pertusi, immer wieder zu neuen Scherzen aufgelegt. Die Stimme klingt wie immer balsamig schön und in allen Phrasen gut geführt. Er kann auch viel Mitgefühl erzeugen, wenn er mit Norinas Ohrfeige in die Wirklichkeit geführt wird. Das kann er vor allem mit der Stimme, und als Schauspieler ist er einfach wunderbar.

Sein „ungezogener“ Neffe Ernesto ist Dmitry Korchak. Eine Klasse für sich im Lager der „Tenore di grazia“. Er spielt in der Liga des Premierensängers. So viele Pianissimi, abschwellende Höhen vom Forte ins Pianissimo in dieser Perfektion hört man selten, dazu noch mit einer „Timbrestimme“. Auf diese Kunst des Sängers hätte ich mehr Einfühlungsvermögen des Maestro erwartet.

Valentina Nafornita ist eine kokette und freche Norina mit einem weichen Kern. Die „Watsche“ tut ihr auch darstellerisch sofort leid. Nach spröden drei Takten am Anfang Ihrer Arie war alles wieder sehr gut.

Ein Malatesta wie er im Buche steht ist Alessio Arduini. Soviel Einsatz, schöne Stimme und Spielfreude sind eine einzige Freude. Mihail Dogotari flog als Notar super auf die Bühne.

Der Chor bot eine großartige Leistung unter Martin Schebesta. Ein wahres Gustostück dieser Dienerchor

Nicht unerwähnt sollen die drei Komparsen bleiben, bravo an Eduard Wesener, Christoph Nechvatal als Butler und Waltraud Barton als Kammerfrau.

Am Pult des Orchesters war Frederic Chaslin, der sehr ordentlich spielen ließ, aber doch manchmal zu heftig in die feinen Pianotöne speziell des Tenors polterte.

Elena Habermann                  

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