Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: DON PASQUALE

WIEN / Staatsoper: DON PASQUALE am 28.10.2016

Foto: WIENER STAATSOPER: DON PASQUALE. Inszenierung: Irina Brook. Premiere: 26.4.2015. Valentina Nafornita. Copyright: Barbara Zeininger.
Valentina Nafornita. Copyright: Barbara Zeininger

Eines der etwas stiefmütterlich behandelten Meisterwerke Gaetano Donizettis kehrte mit einer Miniserie (2 Vorstellungen) auf den Spielplan der Wiener Staatsoper zurück und sorgte für  einen unterhaltsamen Abend. Die exaltierte Inszenierung von Irina Brook wurde in über zehn Vorstellungen seit der Premiere vor eineinhalb Jahren vom Publikum durchaus wohlwollend angenommen. Man ist dankbar, dass das Bühnenbild und die Kostüme bunt und fröhlich sind; die schwungvoll präsentierte Handlung bringt Freude und gute Laune.

Dieser Gesamteindruck gelingt aber nur deshalb, weil alle Zutaten perfekt zusammenspielen. Frederic Chaslin erweist sich als temperamentvoller und einfühlsamer Kenner und Könner im Umgang mit der luftig-leichten, melodiösen Musik des Belcanto und strahlt mit dem gut gelaunten Staatsopernorchester Spaß und Spielfreude aus.

Spaß und Spielfreude herrscht auch auf der Bühne und die Akteure haben sichtbar genauso viel Vergnügen wie das animierte Publikum.

Wie schon in der Premierenserie sang Michele Pertusi den Don Pasquale und zeigte – wie auch schon damals – dass er nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch perfekt auf die Situationen und Stimmungen dieser skurrilen Figur einzugehen vermag. Ein echtes Bühnentier, das Figuren zum Leben erweckt.

 Sein Neffe Ernesto wurde diesmal von Dmitry Korchak ambitioniert gespielt und sensationell gesungen. Sein „Tenore di grazia“ verfügt über Volumen, Beweglichkeit, sichere Höhen und eine hervorragende Technik, die es ihm ermöglicht, an die Genzen der Gestaltungsmöglichkeit zu gehen. Wie er in der Serenade ein Decrescendo bis zum gehauchten – aber auch auf der Galerie einwandfrei hörbaren – Pianissimo führte, war einzigartig und löste einen verdienten Begeisterungssturm aus. Von Nikolaus Harnoncourt haben wir gelernt, dass die übersinnliche Wirkung der Musik nur spürbar wird, wenn man an die Grenze des Möglichen geht – Dmitry Korchak hat uns an diesem Abend eindrucksvoll bewiesen, dass Harnoncourt recht hatte.

Alessio Arduini als Malatesta fügte sich mit hellem Bariton ideal zwischen Don Pasquale und Ernesto ein – seine Spitzzüngigkeit und die stimmliche Beweglichkeit waren beeindruckend. Mihail Dogotari war als Notar aufgeboten.

Die Norina wurde von Valentina Nafornita temperamentvoll und anpassungsfähig gestaltet. Sie ist seit der Premiere großartig in die Rolle hineingewachsen und stellt derzeit eine Idealbesetzung dar. Manch schneidender Ton passt durchaus zum hysterischen Gehabe und die lyrischen Passagen klangen durchwegs stimmungsvoll.

Wir und auch viele andere Besucher haben das Haus mit einem Lächeln verlassen – ein Zeichen dafür, dass an diesem Abend sehr viel richtig gemacht wurde – Oper lebt!

Maria und Johann Jahnas

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