Der Neue Merker

WIEN Staatsoper DON GIOVANNI Wolfgang Amadé Mozart

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8.10. „DON GIOVANNI“
Gepflegter Mozart mit leichten Schwachpunkten.

 

Adam Plachetka in der Titelrolle ist als Giovanni ein  Adeliger in Richtung „Ochs“ (wer kann mir schon widerstehen?) mit dazu passender derberer Stimme, aber stilistisch wird alles perfekt und schön gesungen. Auffallend schön die Piani bei dem Ständchen für Elviras Kammermädchen. Weniger angenehm fiel Robert Gleadow auf, sein Leporello wird wirklich gut gespielt, gesungen war nicht viel vorhanden. Dass die „Registerarie“ so endlos sein kann ist eine neue Erkenntnis.

Auffallend schön ist Irina Lungu als junge Donna Anna,  sie  singt mit sehr viel Stilgefühl für Mozart, bis auf einen kleinen Ausrutscher nahe zum Verismo im Ausdruck. Aber sofort schraubte sie wieder zurück und fand sich im richtigen Stil wieder. Um Donna Elviras Versuche den „Ungetreuen“ zurück zu erobern bemühte sich Dorothea Röschmann mit wenig Erfolg und schon etwas überreifer Stimme, die derzeit nicht mehr sehr flexibel ist. Ein großer Stilist ist wie immer Benjamin Bruns als Don Ottavio, allerdings ist seine Stimme viel dunkler im Timbre geworden, so nicht mehr ganz passend, aber was solls, es war dennoch sehr gelungen.

Das Bauernpaar ist Andrea Caroll als bezaubernde Zerlina mit schöner Stimme, der Masetto wurde von Ryan Speedo Green mehr gepoltert als gesungen. Wenn einer poltern darf, dann der Commendatore, Sorin Coliban singt es nicht balsamisch schön, aber stimmstark, fordernd und seiner Würde voll bewusst.

Am Pult spielt Sascha Götzel einen stimmigen Mozart, manchmal leicht derb, aber nie so laut, um die Bühne zu überdröhnen. Der Chor wie immer sehr präsent, genauso das Bühnenorchester. 

Elena Habermann

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