Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: DER SPIELER von Sergej Prokofjew. Premiere

WIEN/ Staatsoper:  DER SPIELER von Prokofjew. Premiere am 4.10.2017

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Misha Didyk, Elena Guseva. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Dramatik pur wurde bei Sergej Prokofjews selten gespielter Oper an der Wiener Staatsoper geboten. Das Werk, das den gleichnamigen Roman von Dostojewski zur Grundlage hat – wenngleich mit einigen, aus dramaturgischen Gründen wohl notwendigen Änderungen – bietet musikalisch alles, was man aus dem russischen Repertoire zu hören gewohnt ist. Prokofjew untermalt den eskalierenden Handlungsverlauf mit knalligen Effekten und zum Teil grellen Klangfarben. Die Anforderungen an alle Mitwirkenden sind gewaltig.

Die Inszenierung von Karoline Gruber steht ganz im Zeichen des Versuchs, die nicht immer logisch ablaufenden, sprunghaften Handlungsfäden klar herauszustellen. Das Gefühls- und Gedankenchaos etwa eines Alexej darzustellen, ist eine echte Herausforderung an jeden Regisseur. Ein Bühnenbild für diese Oper zu formen, ist nicht ganz so schwierig, da bietet sich der Konnex zu Las Vegas und Spielkasinos förmlich an. Dieser Versuchung konnte Roy Spahn nicht widerstehen, das Ergebnis seiner Bemühungen war aber erfreulich bunt und der Handlung dienend. Auch die Kostüme von Mechthild Seipel waren geschmackvoll und passend.

Auf der Bühne stand ein Sängerensemble, das man kaum besser zusammenstellen kann. An erster Stelle ist der Tenor Misha Didyk als Alexej zu nennen. Mit heldischen Klang bewältigte er die schwierige Rolle bestens. Bis zum bitteren Ende kannte seine höhensichere und kraftvolle Stimme keine Schwächen. Dmitri Ulyanov als General sang mit mächtigem Bariton die Rolle des in jeder Hinsicht Enttäuschten, man könnte ihn fast bemitleiden. Herausragen war auch Elena Guseva als Polina. Mit kräftiger Stimme sang sie die ebenfalls sehr anspruchsvolle Partie der zwischen zwei Männern Hin- und Hergerissenen. Man kann gespannt sein, sie als Turandot zu hören, das dafür notwendige Material besitzt sie zweifellos. Linda Watson, eine Bühnenerscheinung von Format, bewies in der Rolle der Babulenka, dass sie zu den erfolgreichen Wagner-Sängerinnen der Gegenwart zählt. In den kleineren Rollen reüssierten Elena Maximowa als Blanche, Thomas Ebenstein als Marquis und Morten Frank Larsen als Mr. Astley.

Simone Young dirigierte mit viel Temperament und Gespür für die richtige Dosis an Klangfülle das bestens disponierte Orchester, sie sorgte auch eine besonders aufmerksame Begleitung der Sänger.

Das Publikum war am Ende erschöpft, aber begeistert. Nur wenige hatten schon zur Pause das Haus verlassen.

Johannes Marksteiner

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