Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: DER SPIELER

WIENER STAATSOPER: „DER SPIELER“ am 10.10.2017

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Dmitry Ulyanov, Elena Gusena. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Krankhaftes Suchtverhalten kennt keine Zeit und Epochen, somit ist eine zeitlose Inszenierung dieses Dramas sicher eine gute Lösung. Das Team Karoline Gruber/Regie, Roy Spahn/ Bühnenbild und Mechthild Seipel/Kostüme machten eine absolut gute Gesamtkonzeption. Karoline Gruber hat sehr gute Ideen das skurrile Verhalten dieser von Karten, Würfel und Roulettetisch abhängigen Masse vorzuführen, ohne jedoch die Sänger darstellerisch zu überfordern. Das Bühnenbild ist ein desolates Pferdekarusell, bunt und passend zum Stück. Die Kostüme von Mechthild Seipel sind phantasievoll, zum Teil sehr schick, vor allen niemals unpassend und körperlich – figürliche Mängel hervorhebend. Die Maskenentwürfe sind einfach großartig und wurden ebenso von den Maskenbildner umgesetzt. Einfach wunderbare Arbeit, vor den Vorhang, ja das hätte gehört.

Das erste Mal an der Wiener Staatsoper der russische Bass Dmitry Ulyanov in der großen Rolle des General a. D., der seine alte Tante beerben will, um endlich bei dem Flittchen Blanche zu landen. Man lernt eine sehr schwarze, nicht allzu samtige Stimme kennen, die sicher geführt ist und für diese Rolle sehr passend ist. Darstellerisch war er sehr gut geführt und konnte sich über einen großen persönlichen Erfolg freuen. Sein junger Hauslehrer Alexej, der schönen Polina hoffnungslos verfallen, wird von Misha Didyk mit kräftigen Tenor mit dem typisch slawischen Timbre schön und farbenreich gesungen, auch er spielt hervorragend diese körperlich sehr fordernde Partie. Auch erstmals in Wien zu hören ist Elena Guseva als Polina, die von vielen begehrte junge Dame. Die Stimme ist schlank, gut geführt und hat ein angenehmes Timbre, sie wird in dramatischeren Ausbrüchen nie scharf und hat keine Brüche. Das macht neugierig auf mehr. Elena Maximova ist eine hinreißende Blanche mit festem Mezzo, und beweist damit wie gut ihr das russische Fach liegt. Ihr Freier ist (und bleibt) Fürst Nilsky, sehr gut gesungen und gespielt von Pavel Kolgatin. Aus der „Tante Babulenka“ macht Linda Watson ein Kabinettstück an Schauspielkunst, abgesehen davon, dass sie diese kurze, dennoch so stücktragende Rolle gut singt. So tritt sie in die Spuren einer Astrid Varnay. Thomas Ebenstein setzt seinen starken Charaktertenor perfekt für den schleimigen Marquis ein, der es Polina viel Böses antat . Morten Frank Larsen hat seine Stimme wieder total zurück und konnte als Mr.Astley gefallen. Köstlich, in der Maske fast nicht zu erkennen ist Marcus Pelz als Baron Wurmerhelm. Erkennbar und stimmstark ist Clemens Unterreiner als eitler Potapitsch.                     

Die vielen kleinen wichtigen und zum Teil auch stummen Rollen muss ich pauschal loben, weil da sind, speziell im „Casinobild“ die großartigen Masken einfach zu stark um darunter noch den/die Darsteller erkennen zu können.

Simon Young dirigierte für die Sänger sehr rücksichtsvoll und ließ es nur dann krachen wenn das Orchester Solo spielte. Prokofjew ist ein Komponist, der fast nie unharmonisch oder extrem „modern“ klingen will, es sind starke große dramatische Momente zu erleben, dann wieder starke Lyrismen, dann doch wieder leicht dissonante Harmonien bei den unersättlichen Süchtigen. Stella Zannou schuf eine tolle Choreographie für diese Produktion. 

Zum ersten Male wurde der „Spieler“ an der Wiener Staatsoper im Jänner 1964 im Rahmen eines Gastspiels der Oper Belgrad aufgeführt. Die Produktion der jetzigen Spielzeit ist die erste Hauseigene.

Spielsucht wird heute stationär ebenso behandelt wie Alkoholismus und Drogensucht.

Elena Habermann

 

 

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