Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: ARABELLA

WIEN / Staatsoper: ARABELLA am 17.03.2017

Manchmal wird man emotional kräftig durchgeschüttelt – so geschehen bei einer sehr inhomogenen Vorstellung des letzten Werkes der fruchtbaren Zusammenarbeit von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal.

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Bo Skovhus, Wolfgang Bankl. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Ungetrübte Freude bereitete das Staatsopernorchester unter der umsichtigen Führung von Peter Schneider, dem wohl kompetentesten Strauss–Interpreten der Gegenwart. Er bringt das Orchester zum Strahlen, zum Glitzern und zelebriert die schier endlosen Strauss-Bögen in unbeschreiblicher Intensität und Schönheit. Auch werden bisher noch nicht gehörte Details akribisch ausgearbeitet und liebevoll gestaltet. Da nimmt man gerne in Kauf, dass die Vorstellung um eine Viertelstunde länger als bei so manchem, flotterem Dirigentenkollegen dauert.

Die beiden Waldner-Schwestern nützen den luxuriös ausgebreiteten Klangteppich zu schwelgerischem Ausdruck. Camilla Nylund befindet sich zur Zeit in einer bewunderungswürdigen Verfassung – sie singt die anspruchsvolle Partie der Arabella mit Schönklang und mit Perfektion. Scheinbar mühelos gestaltet sie die Figur mit viel Gefühl und Noblesse. Chen Reiss war ihre Schwester Zdenka; sie erwies sich als wunderbare Partnerin. Stimmlich sehr gut harmonierend und darstellerisch – sowohl als Zdenko als auch als aufgeblühte junge Frau – natürlich, liebevoll und erfreulich unaffektiert.

Dazu ein Wolfgang Bankl als Graf Waldner, der die verkrachte Existenz des ehemaligen K&K- Rittmeisters mit mächtiger Stimme und wienerischer Leichtlebigkeit großartig darstellte – damit sind die erfreulichen Leistungen in den Hauptrollen beschrieben.

Stephanie Houtzeel sang die Adelaide zwar gut, outrierte aber im Spiel übermäßig. So kann man sich beim besten Willen eine Gräfin mit zwei heiratsfähigen Töchtern nicht vorstellen. Dass sie selbst zu jugendlich wirkt ist ein Makel, der täglich etwas geringer wird.

Von den heiratswilligen Verehrern haben uns diesmal die drei Grafen – Elemér, Dominik und Lamoral – am besten gefallen. Dass die Figuren in dieser Inszenierung peinlich verblödelt werden, tut den guten gesanglichen Leistungen von Norbert Ernst, der sicher auch ein passabler Matteo sein könnte, von Rafael Fingerlos und von Marcus Pelz keinen Abbruch.

Bo Skovhus kam leider an seine Interpretation des Mandryka aus dem Jahr 2011 nicht mehr heran. Die grundsätzlich schöne Stimme war nicht in allen Bereichen verlässlich, klang angestrengt und  nahm damit der Stimmung im finalen Duett mit Arabella den Zauber. Seine darstellerische Interpretation geht an der Rollenanforderung vorbei. Mandryka ist ein seriöser Landadeliger, der im Umgang mit der Gesellschaft in der „Kaiserstadt“ zwar unroutiniert, aber beileibe kein plumper Dorfdepp ist.

Herbert Lippert sang und spielte den Matteo unauffällig, der Mut als Einspringer musste diesmal nicht so groß sein – immerhin hat er diese Rolle bereits über zehn mal in dieser Inszenierung gesungen.

Daniela Fally war – wie schon in der Premiere – die Fiakermilli, sang die atemberaubenden Koloraturen schön und mit ungebrochener Frische. Der Spagat hat – trotz Knieproblemen im Vorfeld – nichts an akrobatischer Exaktheit verloren – Kompliment!

Donna Ellen war eine solide Kartenaufschlägerin und bestätigte den Eindruck, dass diesmal „Damentag“ war.

Ein Detail beschäftigt uns seit der Premiere: Wenn Mandryka – ein Landadeliger aus dem großungarischen Reich – sagt: „Teschek (Tessèk), bedien dich!“ meint er : „Bitte, bedien dich!“ – wie es die Übersetzung aus dem Ungarischen ist. In dieser Produktion wird daraus der Wiener Ausdruck Teschek für einen Verlierer, was aber dem Text von Hofmannsthal widerspräche. Kleine Ungenauigkeit in der Aussprache – große Auswirkung!

Ansonsten wünschen wir uns, dass wir keine grössere Sorgen bekommen!

Maria und Johann Jahnas

 

 

 

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