Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: ARABELLA

Wiener/Staatsoper: ARABELLA -11.3.2017

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Bo Skovhus, Camilla Nylund. Copyright: Wiener Staatsoper/ Ashley Taylor

Die Bechtolf-Inszenierung aus dem Jahre 2006 lief in der 42.Aufführung über die Bühne. Mit Camilla Nylund hatte sie eine wunderbare Sängerin in der Titelrolle zur Verfügung. Die blonde finnische Sopranistin zeigt eine kühle Schönheit, die außerordentlich gut zur Rolle der Waldner-Tochter passt. Jede Bewegung spricht für den feinen Adel, aber zum Schluss schmilzt sie und sinkt ihrem Verlobten beseelt in die Arme. Ein strahlender, farbenreicher und technisch bruchlos geführter Sopran mit einer Bombenhöhe krönt ihre hervorragende Leistung. Chen Reiss als Zdenko/Zdenka spielt die Bub/Mädel- Rolle überzeugend. Sie sieht bei ihrer Verwandlung zur jungen Frau wirklich völlig anders aus als vorher. Ihr etwas kühler, weißer Sopran ist wie geschaffen für diese androgyne Partie. Stephanie Houtzeel als noch sehr junge Mutter muss sich noch in die Rolle einfinden. Sie gibt sie sehr kokett mit einigen feinen Mezzostrichen. Wolfgang Bankls Graf Waldner poltert sich herrlich durch die Partie und ist eine typisch wienerische Figur, ohne ein Mini-Ochs zu sein.                                           

Bo Skovhus (Mandryka) spielt einen eher schüchternen, vornehm-zurückhaltenden Landedelmann, der zuletzt fast an Arabellas vermeintlicher Ablehnung zerbricht. Stimmlich fehlen ihm in der Mittellage und Tiefe schon einige sonore Töne, dafür glänzt sein Bariton in der Höhe. Herbert Lippert ist über die Partie des Matteo stimmlich und darstellerisch hinausgewachsen, verdient aber als abermaliger Einspringer vom  Hause großen Dank. Er hätte mit Norbert Ernst (Graf Elemer) tauschen sollen, der einen stimmkräftigen und wortdeutlichen Bewerber um Arabellas Hand gab. Rafael Fingerlos als Dominik und Sorin Coliban als Lamoral boten tadellose Leistungen. Daniela Fally ist immer noch eine hinreißende Fiakermilli mit höhenstarker Stimme und einem erstaunlich hingelegten Spagat. Donna Ellen ergänzte zuverlässig als Kartenaufschlägerin.

Peter Schneider dirigierte dieses Strauss-Werk zum 1. Mal an der Staatsoper. Die Feinheiten dieser berührenden Musik kamen deutlich zum Vorschein. Das Komödiantische der Partitur war besonders zu hören. Es fehlten aber auch nicht die großen Linien, in denen das gut disponierte Orchester der Staatsoper  unter der kundigen Hand des Meisters  des deutschen Faches schwelgte. Der gut von Martin Schebesta studierte Chor sang sicher und tonschön.

Viel Beifall für Dirigent und Sänger.                                               Johann Schwarz

 

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