Der Neue Merker

WIEN/ Staatsoper: ADRIANA LECOUVREUR – eine Sternstunde

Adriana_Lecouvreur_103319_NETREBKO
Anna Netrebko. Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

WIEN/ Staatsoper:  „ADRIANA LECOUVREUR“ – Eine Sternstunde! 12.11.2017

Eine fast authentische Geschichte. Die Hauptrollen sind alle mit den historischen Personen identisch. Adriana Lecouvreur  (1692 – 1730) kam aus sehr einfachen Verhältnissen und wurde zu einer der bedeutendsten Schauspielerinnen der Comédie française, wo sie viele Stücke des großen Racine spielte. Nach ihren mysteriösen Tod verweigerte man für die Verstorbene ein christliches Begräbnis, so schlecht und verdorben sah der Klerus die Zunft der Schauspieler. Ihre Beziehung, (nicht ihre einzige) zu Moritz von Sachsen (1696 – 1750), einem der vielen Söhne des August des Starken, ist Tatsache. Auch der Sachsenprinz hatte viele Damenaffären. Dabei ist die Familie von Bouillon sicher integriert gewesen. Die Grafen von Bouillon waren in dieser Zeit das Haus La Tour d ´Auvergne. Dieser Prinz müsste Emmanuelle Theodose (1696 – 1730) sein.

Puccini hat das Motiv der Fürstin offenbar so gut gefallen, dass er es in seiner „La fanciulla del West“ einige Jahre später wieder verwendet hat, wo es schon im Vorspiel auftaucht.

Durch die Besetzung dieser zweiten Serie wurde diese zur  Premierenserie. Anna Netrebko in der Titelrolle ist ein Ereignis von einem anderen Planeten. Die Stimme wird immer schöner, samtiger mit enormer Mittellage und ebensolcher Tiefe, ohne das die Höhe beeinträchtigt wäre. Man kann eigentlich nicht sagen, sie schließt an große Vorgängerinnen wie Tebaldi, Freni oder Olivero an, nein sie führt die Riege der Großen an. Vom ersten bis zum letzten Ton ist sie diese unglückliche Künstlerin, die sich mit ungebrochenen Stolz  der großen Rivalin widersetzt. Allein eben dieser große Monolog der „Fedra“ war so großartig vorgetragen, dass einem kalt wurde – und dann dieser Abgang! Das Finale ging ebenso, wenn nicht noch mehr unter die Haut.

Ihr zur Seite standen absolut auf Augenhöhe Piotr Beczala als Maurizio und Elena Zhidkova als Principessa di Bouillon. Schon in der Premiere war Elena Zhidkova die Rivalin, nur da war sie die überragende Persönlichkeit, diesmal ein ausgeglichener Kampf. Wieder strahlte sie eine enorme Arroganz ihrer „niedrigen“ Gegnerin gegenüber aus. Auch die Stimme der Künstlerin wird immer größer und schöner. Der Tenor von Piotr Beczala wirkte sehr erholt und zeigte wieder sehr viel Schmelz und eine sehr gepflegte Pianokultur. Sein Arioso innerhalb des Duetts „la dolcissima effigie“ klang wunderschön und einschmeichelnd. Packend konnte er mit der Diva den Schluss gestalten. Absolut keine Nebenrolle ist Michonnet, der treue, in Adriana unglücklich verliebte Inspizient der Comédie.  Das bewies Roberto Frontali, der schon bei der Premiere diese Rolle sang und wieder mit schöner Stimme, großem Ausdruck und Anteilnahme überzeugen konnte. Der Abate war wie auch bei der Premiere Raul Gimenez, mit immer noch beeindruckender Tenorstimme und starken Höhen. Sehr gut auch die Theatertruppe und eigentlichen Freunde der Diva waren Ryan Speedo Green, Pavel Kolgatin, Bryony Dwyer und Miriam Albano als Quinault, Poisson, Jouvenot und Dangeville. Tobias Huemer war der Hauhofmeister, der unangenehme Principe di Bouillon wurde von Alexandru Moisiuc rollengerecht dargestellt. Die Tänzer der Balletteinlage seien bitte pauschal gelobt, so genau konnte ich das nicht erkennen.

Der kleine aber feine Chor wurde von Stefano Ragusini gut geleitet.

Evelino Pido am Pult war natürlich der eigentliche Drahtzieher dieser allgemein musikalischen Sensation. Man kann Versimo auch wunderschön singen, das geht aber nur, wenn man einen Maestro hat, der äußerst geschickt das Orchester führen kann und auch für diesen Stil zu begeistern weiß.

Die Inszenierung  von David Mc Vicar ist eine wunderbare Arbeit, und kommt hoffentlich bald wieder nach Wien zurück. Ebenso wünschenswert wäre es, endlich in Wien sein Konzept zu den „Les Troyens“ zu erleben.

Dieser Abend der Adriana war auf alle Fälle eine echte Sternstunde in der Opernwelt.

Elena Habermann

Diese Seite drucken