Der Neue Merker

WIEN / Staatsballett: LE PAVILLON D’ARMIDE

Wiener Staatsoper/Wiener Staatsballett
Nikolai Tscherepnin: »LE PAVILLON DARMIDE«
10. März 2017
3. Aufführung in der Inszenierung von John Neumeier

John Singer Sargent (1856–1925): Vaslaw Nijinsky in 'Le Pavillon d’Armide' (1911) — Public Domain

John Singer Sargent (1856–1925): Vaslaw Nijinsky in »Le Pavillon d’Armide«
Kohlezeichnung, Privatbesitz, 1911.

Nach der überaus erfolgreichen Première des Doppelabends Le Pavillon d’Armide und Le Sacre bot Manuel Legris am dritten Abend der Serie eine neue Besetzung und forderte von seiner jungen Compagnie, über sich hinauszuwachsen. Dies gelang — mit mehr oder minder großem Erfolg.

Jakob Feyferlik führt die Riege der Nachwuchstänzer an, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Partie Der Mann (Vaslaw Nijinsky) einem Tänzer wie Mihail Sosnovschi nachzutanzen ist keine leichte Aufgabe. Man darf konstatieren, daß sich Feyferlik achtbar geschlagen hat.

Zugute kommt ihm einerseits die Unbefangenheit der Jugend, eine Rolle wie diese zu tanzen. Bis auf wenige Unsauberkeiten, die dem Debut geschuldet sein dürften, gelang es ihm, die choreographischen Wünsche Neumeiers umzusetzen. Andererseits wird bei einer solchen Partie die Jugend zum Verhängnis, da ihm, wie kann es anders sein, die (Lebens-)Erfahrung fehlt, um auch den inneren Tanz, die Seelenqualen, auszudrücken. Dies soll ihm allerdings nicht zum Vorwurf gemacht werden, denn eines ist klar: Wir sehen hier einen jungen Tänzer, der das Rüstzeug zur internationalen Karriere mitbringt.

Ihm zur Seite stand Ioanna Avraam als Romola Nijinska (Armide). Auch für sie war es ein Rollen-Debut, das als sehr gelungen bezeichnet werden darf. Sowohl tänzerisch als auch vom Ausdruck überzeugte sie. Und auch hier war die Meßlatte von Nina Poláková sehr hoch gelegt worden.

Die große Ballerina Tamara Karsawina war am heutigen Abend die Ballerina Liudmila Konovalova. Ein weiterer Höhepunkt in der Laufbahn der Ersten Solistin. Mit Grazie und gewohnter Akkuratesse war sie die Partnerin Nijinskys. Sie tanzte sie nicht nur, sie war es.

Leider hielten ihre Partner im pas de trois nicht, was von ihnen erwartet wurde. Davide Dato, in der Première als danseur siamois ausgezeichnet, schien in der Partie des Nijinsky etwas verloren. Die — aus heutiger Sicht — manierierte Art zu tanzen fiel ihm sichtlich schwer. Sehr sauber ausgeführt, wir sind es so von ihm gewohnt, blieb die Interpretation doch flach. Auch Natascha Mair als Alexandra Baldina war eher unscheinbar denn eine Ballerina der Ballets Russes. Sie ist die Tänzerin für die schnellen, kleinen Soli, weniger für die ausdrucksvollen, langsameren Partien. In letzteren machen sich Unsauberkeiten nämlich eher bemerkbar. Die neueste Angewohnheit, sich mit überstreckten Hals und schiefgelegten Kopf regelmäßig aus der Bahn zu werfen, sollte sie sich möglichst bald wieder abgewöhnen.

Nun bleibt als Debutant nur mehr Masayu Kimoto als danseur siamois zu erwähnen. Die Vorgabe des Tänzers der Première wurde bei weitem nicht erfüllt.

Wie an den ersten Abenden wurde der Schüler Nijinsky von Richard Szabó getanzt: ein sprungfreudiger, sehr akkurater Tänzer. Auch Roman Lazik als Arzt/Sergei Pawlowitsch Djagilew zeigte einmal mehr, welch hervorragender Tänzer er ist. Sein pas de deux mit Jakob Feyferlik geriet zum Höhepunkt des Abends.

Da dies an Ausdruck und Intensität nicht zu überbieten war, fand der Abend hier für mich seinen Abschluß: Die Choreographie John Neumeiers ist dermaßen bewegend, zeigt dessen Bewunderung und Liebe zu Vaslaw Nijinsky so direkt, daß es nach diesen siebzig Minuten nichts weiter bedarf.

Ulrike Klein
MerkerOnline
10. März 2017

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