Der Neue Merker

WIEN/ Staatsballett in der Staatsoper: LE CORSAIRE. Eine Sternstunde an exquisitem klassischem Tanz!

17.10.2016: „LE CORSAIRE“. – Eine Sternstunde an exquisitem klassischem Tanz!

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Natascha Mair. Copyright: Wiener Staatsballett/ Ashley Taylor

Eigentlich war es ja nicht eine Sternstunde, sondern sogar insgesamt zwei einhalb Stunden an tänzerischem Feuerwerk, das hier im wie stets bei diesem Klassiker ausverkauften Haus geboten wurde. Gasttänzer Vadim Muntagirov zog bei seinem Wien-Debut alle Register seines Könnens und brillierte als Pirat Conrad nicht nur durch besondere technische Finesse, was sich in Sprungstärke, diffizilen Sprungkombinationen und schönen Drehungen manifestierte, sondern er zeigte auch intensives Spiel und große Bühnenpräsenz: der Principal Dancer vom Royal Ballet ist ein sehr sympathischer junger Mann mit viel Ausstrahlung und souveräner Technik – was sich auch in seinen zahlreichen Auszeichnungen niederschlägt; so erhielt er bereits einen Preis für „Herausragende tänzerische Darbietung“ (Klassik 2011), den „Prix Benois de la dance (2013) und wurde „Bester Tänzer“ (Critics´ Circle National Dance Awards 2016). Liudmila Konovalova als Médora war ihm an technischer Präzision ebenbürtig; ihr Partner entlockte ihr auch mehr Spielintensität als sonst. Beide begeisterten von Beginn an – ihr entfesselter Tanz war von höchster Strahlkraft und exzellenter Qualität. Einfach grandios!

Bezaubernd Natascha Mair als Gulnare mit mädchenhaft-fragiler Grazie und schöner Linie. Großartig Davide Dato (Birbanto), der mit tänzerischer Akkuratesse und Ausdrucksstärke besticht; Alice Firenze ist ihm als Zulméa eine in Liebe ergebene Partnerin. Francesco Costa war ebenso wie die übrigen im Ensemble vom spürbaren Sog des sich gegenseitigen Anspornens angesteckt und gefiel als Sklavenhändler Lanquedem. Mihail Sosnovschi verkörperte den Seyd Pascha mit hoheitsvoller Würde.  

Anita Manolova überzeugte als anmutige Odaliske, im Trio mit Eszter Lédan und Nina Tonoli.

Obwohl stets hoch motiviert, legte das Corps de ballet diesmal noch ein Alzerl zu; war noch mehr als sonst von Esprit getragen. Temporeich-spritzig wie immer das Orchester, geleitet von Valery Ovsianikov. Fazit: Ein wunderbarer Abend mit Ballettkunst vom Feinsten – großer Jubel im Zuschauerraum!

Ira Werbowsky

 

 

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