Der Neue Merker

WIEN / Schönbrunn / Wagenburg: Kaiser Franz Joseph zum Zweiten

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WIEN / Schloß Schönbrunn / Wagenburg: 
Kaiser Franz Joseph zum Zweien
REPRÄSENTATION & BESCHEIDENHEIT
Vom 16. März 2016 bis zum 27. November 2016 

Von der Kinderkutsche
bis zum Leichenwagen

Von der verhältnismäßigen Enge der Ausstellung im Schönbrunner Schloß, die nur kleine Räume zur Verfügung hat, die paar Schritte hinüber in die Wagenburg, wo es ausreichend Platz gibt, die großen Objekte auch großzügig auszustellen. Wieso diese Institution vom Kunsthistorischen Museum geführt würde und nicht auch von der Schönbrunn-Gesellschaft, lautete bei der Pressekonferenz die Frage an Geschäftsführer Franz Sattlecker, der auf die neben ihm sitzende Sabine Haag, die Generaldirektorin des KHM, zeigte: „Weil sie uns die Wagenburg nicht zurück gibt.“ Was allerdings keine Frage persönlicher Entscheidung ist, sondern weit zurückgeht. Als die junge Republik nach dem Ende des Ersten Weltkriegs das Erbe der Habsburger an verschiedene Institutionen „verteilte“, gab man die Bestände des kaiserlichen „Fuhrparks“ an das Kunsthistorische Museum, das seither gewissenhaft die anvertrauten Schätze pflegt und immer wieder Ausstellungen veranstaltet. Nun jene zum Thema „Franz Joseph“.

Von Heiner Wesemann

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Das Ende zu Beginn     Der vordere Teil des ehemaligen Hofstallgebäudes, nun des Museums, gilt den bekannten Beständen – von den Sänften über Schlitten und Kutschen bis zu den Autos (nicht allerdings jenes, in dem Franz Ferdinand in Sarajewo erschossen wurde – das ist wiederum ein Prunkstück des Heeresgeschichtlichen Museums). In der Mitte des Raums beginnt dann die Kaiser Franz Joseph gewidmete Ausstellung. Vor hundert Jahren ist er gestorben, 1916 war der Film bereits ein fähiges Medium, der Trauerzug wurde gefilmt und kann von den Besuchern zur Gänze auf einem Monitor betrachtet werden. Der gewaltige Leichenwagen, der die sterbliche Hülle des Kaisers in die Kapuzinergruft transportierte, steht gleich rechts daneben. Er wurde in der Ära von Franz Joseph in Wien hergestellt und hatte schon für Kronprinz Rudolf und Kaiserin Elisabeth für ihren letzen Weg gedient. (Zuletzt wurde er für Exkaiserin Zita 1989 verwendet.)

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Rückblende     Gleich links von dem gewaltigen schwarzen Leichenwagen ist eine kleine Kinderkutsche zu sehen: Der fünfjährige Franz Joseph bekam diese Kalesche für sich und seine Brüder zu Weihnachten 1835 geschenkt, denn das Reiten und Fahren wurde den kleinen Erzherzogen vom frühen Kindesalter an beigebracht. Sinnfälliger kann man ein Leben vom Kind bis zum Ende des alten Kaisers in nur zwei Objekten gar nicht umspannen. Wenig weiter darf dann auch das Monturdepot seine Schätze preisgeben, die normalerweise nicht zu besichtigen sind, aber immer wieder bei Ausstellungen mitwirken. Hier sieht man die weiße Galauniform, die Franz bei Festlichkeiten anlässlich seiner Hochzeit mit Elisabeth in Bayern getragen hat. Von „Sisi“ gibt es zwar nicht das berühmte „Polterabendkleid“ (ein Glanzstück des Sisi-Museums, in der Hofburg zu sehen), wohl aber die dazugehörige Schleppe – auch sie zeigt, wie kindlich zart diese 16jährige war. Ein Trauerkleid Elisabeths, nicht weit davon, wiederum beweist, wie unglaublich schlank sie ein Leben lang geblieben ist. Man sieht auch, in welcher Kutsche die Braut in Wien einzog – es war der vergleichsweise schlichte, allerdings mit einer Krone geschmückte „Mailänder Krönungswagen“.

Repräsentation und Bescheidenheit        Die von Mario Döberl, dem Kurator der Kaiserliche Wagenburg gestaltete Ausstellung, nennt sich „Repräsentation und Bescheidenheit“, muss also von allem etwas bieten. Die Wagen, die Kaiser Franz Joseph „im Alltag“ verwendete, waren im allgemeinen für seine Zeit „neu“ und entsprechend schlichter als die berühmten, teils legendären Hofgefährte wie der Goldene Imperialwagen. Allerdings wurden für feierliche Umzüge wie etwa zu Fronleichnam die Pferde pompös geschmückt (der Gedanke an den Zirkus drängt sich unweigerlich auf), und nachdrücklicher als jegliche Abbildung (es gibt davon ausreichend) vermittelt ein Zug von Pferden mit ausgesuchtem Zaumzeug hier den Eindruck, den die Bevölkerung einst von dem Ereignis mitbekommen haben muss.

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Die ungarische Krönung    Einen Schwerpunkt legt die Ausstellung in der Wagenburg auch auf die Ungarische Krönung von Franz Joseph und Elisabeth am 8. Juni 1867 in Budapest, wozu man auch die schier „theatralisch“ überschwänglichen „Kostüme“ hervorgeholt hat, in denen ungarische Magnaten dem Ereignis beiwohnten und sich zur Schau stellten. Dass der Ausstellungsgestalter über all dem Pomp den Alltag nicht vergessen hat, zeigt er in den ausgestellten Diener-Livreen – und auch an einer schlichten Schatulle, in der die Perücken des Personals aufbewahrt wurden…

Fahren, Reiten, Pomp     Hohe Gäste entsprechend zu empfangen und dafür die elegantesten Hofequipagen zu benützen, war Selbstverständlichkeit. Dass man ausgesucht schöne Reit-Accessoirs auch als Geschenke gab und empfing, zeigt ein über und über goldgeschmücktes „orientalisches Reitzeug“, das Kaiser Franz Joseph vom Bey von  Tunis erhielt. Auch Reitpeitschen wurden für Herrscher besonders gestaltet – Franz Joseph besaß ein Stück, in dessen Elfenbeingriff ein Bildnis seiner Gattin Elisabeth eingearbeitet war.

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Kaiserin Elisabeth      An einem Ort, wo Pferde eine so große Rolle spielen, muss auch Kaiserin Elisabeth vertreten sein, die zu ihrer Zeit als beste, tollkühnste Reiterin Europas galt. Es trifft sich, dass es hier im ersten Stock eine ihr gewidmete Sonderausstellung gibt, die ihrer Reitleidenschaft nachgeht. Der kaiserliche Alltag hat im Untergeschoß aber auch jene Leib-Landaulette zu bieten, die die Kaiserin gern auf Reisen mitnahm – und die das letzte Gefährt war, das sie in Genf vor ihrer Ermordung benützte… Solcherart umspannt die Ausstellung in der Wagenburg auch das Schicksal von Franz Josephs geliebter Gattin Elisabeth von ihrem Einzug in Wien bis zu ihrem Tod.

Bis 27. November 2016 täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

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