Der Neue Merker

WIEN / Schönbrunn: Kaiser Franz Joseph zum Ersten

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WIEN / Schloß Schönbrunn:
Kaiser Franz Joseph zum Ersten
MENSCH & HERRSCHER
Vom 16. März 2016 bis zum 27. November 2016

Die vielen Facetten
eines langen Lebens

In Grafenegg gab es 1984 eine umfangreiche Ausstellung über Kaiser Franz Joseph und seine Zeit, die sich sehr kritisch mit den sozialen und politischen Befindlichkeiten seines Reichs und seiner Epoche befasste. Anlässlich seines 100. Todestages haben sich die Unternehmen „Schloß Schönbrunn“ und das Kunsthistorische Museum zusammen getan, um gleich vier Ausstellungen zur Person des Kaisers auszurichten (den man in zahlreichen Bilddokumenten als „Der ewige Kaiser“ zusätzlich im Prunksaal der Nationalbibliothek betrachten kann). Und diesmal ist zwar auch keine verherrlichende, aber eine entschieden persönlichere Darstellung des Herrschers geplant. Der erste und wichtigste Standort ist das Schloß Schönbrunn.

Von Heiner Wesemann

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Schloß Schönbrunn   Das Schloß, einst „weit draußen“, heute mitten im Bezirk Meidling gelegen, mit mehr als dreieinhalb Millionen (!) Besuchern pro Jahr Wiens Habsburg-Touristik-Zentrum Nr. 1, hat für Franz Joseph besondere Bedeutung: Hier wurde er am 18. August 1830 geboren, hier ist er am 21. November 1916 im Alter von 86 Jahren, nach 68jähriger Herrschaft als Kaiser von Österreich und Herr der Habsburger-Monarchie, gestorben. Seine Wohnräume (wo vor dem Schreibtisch das große Gemälde seiner Frau steht), das Geburtszimmer im Ostflügel und sein Schlaf- und Sterbezimmer im Westflügel werden Touristen in den allgemeinen Touren durch das weitläufige Gebäude gezeigt. Die Sonderausstellung über den Kaiser hat man in die verhältnismäßig kleinen Räume im linken Flügel im Parterre verlegt, die so genannten Bergl-Zimmer (nach dem Maler, der die Wände mit Naturszenen ausmalte), auch die Kronprinzen-Appartements (wo Kronprinz Rudolf vor seiner Verheiratung lebte). Optisch ist solcherart keinerlei „Großzügigkeit“ zu erreichen, aber die Räumlichkeiten eignen sich, die vielen Facetten eines Lebens, die hier aufgeblättert werden, übersichtlich darzustellen.

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Zum Herrscher gemacht     Kurator Professor Karl Vocelka, der drei der vier Ausstellungen betreut, fächert das Leben chronologisch auf, beginnt mit der Einbettung des Jungen, der als Enkel des regierenden Kaisers Franz I. geboren wird (dessen Namen er erhält, ebenso wie jenen von seinem Urgroßonkel, Kaiser Joseph II.), in die riesige Habsburgische Familie. Der Ehrgeiz leuchtet seiner Mutter, Erzherzogin Sophie, aus den Augen, die diesen ihren Ältesten zum künftigen Kaiser getrimmt hat, ihn als 18jährigen, nach der 1848er Revolution, der sich der dann regierende Kaiser Ferdinand I. nicht gewachsen zeigt, auf den Thron schob. Es gibt dazu ganz originelle Objekte: Ein Bildnis jenes Saales im Erzbischöflichen Palais in Olmütz, wo 1848 die Thronübergabe stattfindet, wird als vielfach durchschossene Schützenscheibe gezeigt… Ein symbolisches Stück?

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Der private Kaiser     Die Ausstellung widmet dem „privaten“ Franz Joseph, der eigentlich als Workaholic im Dienste seines Reiches galt, breiten Raum, darunter natürlich der Hochzeit mit seiner bayerischen Cousine Elisabeth 1854. Das junge Paar wurde in jeder möglichen Form dargestellt, ob als Büsten, ob als Porzellanfiguren (wobei der Ausstellungsgestalter auf „dreidimensionale“ Objekte besonderen Wert gelegt hat). Im engsten Zusammenhang mit Elisabeth steht auch die Ungarische Krönung 1867, wenngleich diese auch zu den politischen Ereignissen gehört, die immer wieder in den Lebenslauf „eingestreut“ werden. Aber der Kaiser als Privatmann ist präsent, neben Elisabeth darf „Nebenfrau“ Katharina Schratt ihren Platz behaupten, Kronprinz Rudolf und die Töchter werden behandelt, ein Saaltext besagt, dass die Nachkommen des Kaisers heute nicht mehr zu zählen sind: Im Grunde hat Franz Joseph als „Chef“ einer riesigen Familie ebenso eine „Firma“ geleitet, wie es Queen Elizabeth I. von England heute von sich behauptet. Deren Vorfahrin, Queen Victoria, hat er übrigens „als Privatmann“ besucht – eines der wenigen Bilder, das ihn ohne Uniform zeigt…

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Politische Erschütterungen     Ungarn bekam seinen Ausgleich, Böhmen nicht, Teile Italiens gingen im Krieg von 1859 verloren, auch mit Preußen kam es 1866 zur blutigen Auseinandersetzung, prunkvolle Friedensverträge liegen zur Einsicht auf. Von der Annexion von Bosnien-Herzegowina (1908) führte der Weg zum Ersten Weltkrieg. „Franz Joseph als Soldat“ spielt demgemäß eine große Rolle: Allerdings hat er seine Freude an Uniformen (es gibt einige in der Ausstellung) innerhalb seiner langen Regierungszeit doch meist im Frieden ausleben können.

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Militär, Adel, Klerus     Die Frömmigkeit von Franz Joseph, zweifellos echt, machte es ihm leicht, der Kirche (als dritter Macht neben Militär und  Adel) so großen Raum in seinem Reich einzuräumen – der äußere Ausdruck, wie sich der „von Gottes Gnaden“ Kaiser diesem Gott beugte, war die (mit einigen Gegenständen und Bildern dokumentierte) alljährliche Fußwaschung an armen Männern, die Franz Joseph gewissenhaft ausübte.

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Der Tod     Mit großer Ausführlichkeit widmet sich die Ausstellung dem Tod von Kaiser Franz Joseph, das Bild, das ihn auf dem Totenbett zeigt, Testament, Totenbeschaubefund, Totenschein und vor allem die eindrucksvollen Funeral-Kronen und das Funeral-Vlies sind vorhanden… Von hier führt die Ausstellung dann weiter in die Wagenburg, wo der Film von seinem Begräbnis gezeigt wird.

Bis 27. November 2016 täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

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