Der Neue Merker

WIEN/ MuTh im Augarten: KLOTHÓ von Martyna Kosecka (Armel Opera Festival 2017)

Armel Opera Festival im MuTh: „Klothó“ von Martyna Kosecka (Vorstellung: 3. 7. 2017)

Im Rahmen des Armel Opera Festivals 2017, das vom 28. 6. – 4. 7. in Wien und in Budapest stattfand, wurde am 3. Juli im MuTh, dem Konzertsaal der Wiener Sängerknaben, die einaktige Oper „Klothó“ von Martyna Kosecka aufgeführt. Diese Produktion des Kroatischen Nationaltheaters Rijeka fand in englischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln statt.

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Der französische Bassbariton Nicolas Rigas als Shā zwischen den Tagesfeen Ingrid Haller und Ivana Srbljan (Copyright: Armel Opera Festival 2017)

Der Inhalt dieser etwa hundert Minuten dauernden Oper mit dem Untertitel Der Märchenfaden, deren Libretto die Komponistin selbst verfasste, in Kurzfassung: Ein Erzähler beginnt über ein Märchen zu sprechen. Er fragt, wie es sich wohl anfühlen würde, wenn man sich im Inneren des unendlichen Handlungsfadens eines Märchens befände. Er schildert die Geschichte einer Seetochter, die sich im Reiche ihres Mannes, dem Reich des Lichtes, nach Dunkelheit sehnt und erzählt, wie die faulen Dienerinnen, vier Tagesfeen, den Beutel der Dunkelheit auf dem Heimweg fallen ließen und die Nacht hereinbrach. – Klothó, die antike griechische Göttin, deren Aufgabe es ist, den Faden des Lebens zu spinnen, verstrickt sich im Netz von Ereignissen, die zu einem dramatischen und in gewisser Weise auch grotesken Ende führen.

Die junge Pianistin, Dirigentin und Komponistin Martyna Kosecka, geb. 1989 in Polen, schuf eine zum Teil sehr lautmalende dramatische Musik, die die Handlung des Märchens recht anschaulich illustrierte und vom Ivan Noble Zajc-Opernorchester des Kroatischen Nationaltheaters unter der Leitung von Berislav Šipuš in allen Facetten dargebracht wurde.   

Regie führte Krzysztof Cichenski, der die Titelfigur Klothó als Tänzerin – Dina Dehni Sow, die ihren Part in eigener Choreographie darstellte  – anfangs als Schatten hinter einem großen Kreis der Bühnenwand (Sonne?) agieren ließ, ehe sie zu den Tagesfeen auf der Bühne stieß. Für die einfache Bühnengestaltung – eine bunt strukturierte Wand – und für die Alltags-Kostüme zeichnete Julia Kosek verantwortlich, für die visuelle Gestaltung der Inszenierung Bartlomiej Szlachcic.   

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Die vier Tagesfeen Karol Bartosinski, Ingrid Haller, Ivana Srbljan und Marko Fortunato (Copyright: Armel Opera Festival 2017)

Die vier Tagesfeen Reó, Athuō, Élles und Vāri wurden von der Sopranistin Ingrid Haller, der Mezzosopranistin Ivana Srbljan, dem Countertenor Karol Bartonsinski und dem Tenor Marko Fortunato exzellent gesungen und eindrucksvoll dargestellt, den Part des Shā, eine der Wettbewerbsrollen des Armel Opera Festivals, gestaltete der französische Bassbariton Nicolas Rigas als „König der Könige“.

Den Erzähler spielte der Schauspieler Dario Bercich mit großem Einsatz, leider allerdings mit übertriebener Lautstärke.

Ein Manko für das Publikum im an diesem Tag leider nur schwach besuchten MuTh bedeutete, dass die Übertiteln viel zu rasch wechselten und zeitweise auch schlecht lesbar waren. Dennoch minutenlanger Applaus für alle Mitwirkenden und für die Komponistin.

Udo Pacolt

 

 

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