Der Neue Merker

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NEUJAHRSKONZERT DER WR. PHILHARMONIKER 2017 – ERLEBT IM TV

(Heinrich Schramm-Schiessl)

Es gehört schon zum Ritual des 1. Tages im Neuen Jahr, dass man sich im Fernsehen das Neujahrskonzert ansieht, respektive anhört. Da ich mit zunehmenden Alter die Silvesternacht eher kurz gestalte – so ca. 1 ½  Stunden nach Mitternacht suche ich spätestens das Bett auf – erlebt man es jetzt auch mit der notwendigen Frische.

Das heurige Konzert war ein kleines Jubiläum, denn vor 30 Jahren wurde die Ära der wechselnden Dirigenten – siehe auch die „Infos des Tages“ vom 1.1. – eingeläutet. Zum heurigen Konzert haben die Wr. Philharmoniker den erst 35-jährigen Gustavo Dudamel eingeladen, einen Dirigenten, von dem sie offenbar sehr viel halten, denn sonst hätte er diesen „Ritterschlag“ des Orchesters (noch) nicht erhalten. Ich gebe ehrlich zu, dass ich nach der missglückten „Turandot“-Premiere dem Konzert mit einiger Skepsis entgegen gesehen habe, aber offenbar liegen seine Stärken doch eher im Konzertbereich. Das Konzert war – mir fällt leider kein besseres Wort ein – unauffällig. Ich will damit sagen, dass der junge Venezolaner nicht wirklich etwas falsch gemacht hat, aber der zündenden Funke, der ihn zu einem sehr guten Dirigenten des Konzertes gemacht hätte, fehlte. Es gab einige sehr schön und einfühlsam dirigierte Stücke, wie z.B. der Walzer „Les Patineurs“ von Emile Waldteufel oder den Mondchor aus den „Lustigen Weibern“ – sehr gut übrigens der Singverein (Einstudierung: Johannes Prinz) –  und die Ouvertüre zu Suppés Operette „Pique Dame“. Beim Kernprogramm, den Werken der Strauss-Familie wurde man nicht immer glücklich. Am ehesten gelang noch die Polka mazur „Die Nasswalderin“ von Josef Strauss und die „Rotunde-Quadrille“ von seinem Bruder Johann. Bei den schnellen Polkas fehlte jedoch das  Perlen des Champagners und bei den Walzern der akzentuierte Auftakt beim Erklingen des Hauptthemas, wobei allerdings ein  gewisser Bogen über das gesamte Stück durchaus erkennbar war.

Die Balletteinlagen (Choreographie: Renato Zanella) und auch die sonstigen Illustrationen waren durchaus stimmungsvoll und wohltuend dezent. Der Donauwalzer wurde diesmal nicht getanzt, sondern Ausschnitte aus den TV-Übertragungen der letzten Jahrzehnte eingespielt – eine durchaus gute Idee.

Im gesamten gesehen was es jedoch ein durchaus vergnüglicher Jahresauftakt. Ob er allerdings in die Geschichte der Neujahrskonzerte eingehen wird, bleibt dahingestellt.

Heinrich Schramm-Schiessl

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