Der Neue Merker

WIEN/ Musikverein: KONZERT NATALIA USHAKOVA

Musikverein Goldener Saal: NATALIA USHAKOVA 15.3. 2013–

Lange Zeit war es still um die in Taschkent geborene Wahlösterreicherin geworden. Den Grund dafür, erfuhr man freitagabends im Musikverein. Die charismatische Sopranistin hat sich, unter der einfühlsamen und fachkundigen Führung von Kammersängerin Hilde Zadek, auf einen Fachwechsel intensiv vorbereitet und sich ein ihrer drei Oktavenumfang umfassenden Stimme geeignetes Repertoire aus dem Belcanto und der Romantik erarbeitet.

Begleitet wurde Natalia Ushakova an diesem Abend vom Czech Virtuosi Chamber Orchestra unter der Leitung von Jaroslav Kyzlink (geb. 1973), seit August 2012 Generalmusikdirektor der Staats- und Nationaloper Prag.

Einleitende Worte über die Künstlerin sprach Thomas Dänemark, Generalsekretär der Freunde der Wiener Staatsoper, jenes Hauses, an dem die Künstlerin 2007 als Violetta Valéry in Verdis La Traviata, eine ihrer bis heute wichtigsten Rollen, debütiert hatte.

Eröffnet wurde der Abend mit der Ouvertüre zu Rossinis Oper Semiramide, der das mit Verve musizierende Orchester bisweilen eine regelrecht „slawische“ Note angedeihen ließ.

Danach folgte die sogenannte Schattenarie „Ombre légère“ aus der selten gespielten komischen Oper in drei Akten „Dinorah ou Le Pardon de Ploërmel“ von Giacomo Meyerbeer, die gerne als Bravourarie von so bedeutenden Interpretinnen wie Callas, Sutherland, Sills, Dessay und Gruberova im Konzert dargeboten wurde. Hier konnte die Künstlerin gleich zu Beginn unter Beweis stellen, das sie mit diesem Fachwechsel einen richtigen Schritt in ihrer künstlerischen Entwicklung getan hat.

Das musikalische Zwischenspiel „La Primavera“ aus Verdis Balletteinlage „Les saisons“ während des Maskenfestes im dritten Akt seiner Oper „Les vêpres siciliennes“ leitete im Anschluss zur Arie der Rosina „Una voce poco fa“, in der Fassung für Sopran in F-Dur, aus Rossinis „Il barbiere di Siviglia“ über. Und auch hier bewies die Künstlerin, das ihrer drei Oktaven umfassenden Stimme nach oben hin an diesem Abend hörbar keine Grenzen gesetzt waren.

Nach dem Intermezzo aus Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ beschloss die Künstlerin den ersten Teil des Abends mit der Wahnsinnsarie „Il dolce suono“ aus Donizettis „Lucia di Lammermoor“. Eine Wahnsinnsarie ohne Interaktion, das lag der quirligen Sängerin freilich nicht. Und so trat sie von der Seite des Orchesters links oben in der Nähe des Schlagzeugs auf und bezog den Musiker gleich in ihren semiszenischen Auftritt mit ein.

Der zweite Teil des Abends wurde mit der Ouvertüre zu Verdis „La Traviata“ eröffnet. Danach war für den Rezensenten der ergreifendste Moment die Arie der Manon „Adieu notre petite table“ aus der gleichnamigen Oper von Jules Massenet. So verinnerlicht und wehmütig hat er diese Arie nur selten gehört. Bravissimo!

Mit der Ouvertüre zu Rossinis „L’Italiana in Algeri“ bewies das Orchester dann auch, dass ihm die zündenden Melodien des großen Sohnes aus Pesaro durchaus gelegen waren.

Mit der Bravourarie „O luce di quest’anima“ aus Donizettis selten gespielter Opera semiseria in drei Akten „Linda di Chamounix“, mit der sich das Bauernmädchen Linda ihre Liebe zu Visconte Carlo di Sirval eingesteht, bewies die Sängerin erneut, dass sie für jene gefürchteten Koloraturen den nötigen „leichten“ Stimmfluss und die richtige Technik besitzt.

Als letztes Orchesterzwischenspiel folgte die beschwingte Ouvertüre zu Donizettis komischer Oper „Don Pasquale“.

Den Abschluss bildete dann die Arie der Violetta „È strano!… Sempre libera“ aus Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“.

Begeisterter Applaus des Publikums mit Standing Ovation und vielfachen Bravorufen riss die überglückliche Künstlerin zu zwei Draufgaben hin. Zunächst sang sie die Arie der Elena „Me llaman la primarosa“ aus der spanischen Zarzuela „El barbero de Sevilla“ , Libretto von Guillermo Perrin y Vico (1857 – 1923) und der Musik von Gerónimo Giménez Bellido (1852 – 1923) und Manuel Nieto Matán (1844-1915). Mit dem spanischen Temperament einer Carmen bezog die Sängerin dabei auch den Dirigenten in ihre Darbietung ein.

Die zweite und zugleich letzte Zugabe war dann die Stretta der Elvira aus Vincenzo Bellinis Oper „I Puritani“.

Ein abwechslungsreicher Abend mit langem Applaus und Blumensträußen bedankte die Künstlerin und bestätigte sie in der für sie wohl richtigen Entscheidung zu ihrem Fachwechsel.

Harald Lacina

 

 

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