Der Neue Merker

WIEN/ Musikverein: BEETHOVENS „NEUNTE“ mit ChoristInnen aus Japan. UTAU DAKU – auf musikalischer Freundschaftstour

12.3.2017: Beethovens „Neunte“ im Wiener Musikverein mit ChoristInnen aus Japan

UTAU DAKU – auf musikalischer Freundschaftstour

UTAU DAKU = singe die „Neunte“! Ja, in Japan ist es am Jahresende alljährlich für unzählige Chor- und Orchestervereinigungen zur großen Tradition geworden, Ludwig van Beethovens 9. Symphonie festlich aufzuführen. Und die Coda, Friedrich Schillers Ode „An die Freude“, darf auch vom Publikum mitgesungen werden. Die Kraft, welche Beethovens d-Moll-Chorsymphonie aus dem Jahr 1824 zu vermitteln mag, diese wirkt heute mit unverminderter Nachdrücklichkeit rund um die Erde. Jedenfalls in diesen Regionen, in denen Europas  historisch gewachsenes Kulturgut auch Eingang und Verständnis gefunden hat. Für Japans Musikfreunde zählen die Werke der Wiener Klassik in ihrer edlen Größen zu den Höhepunkten der Geistesgeschichte, als Synthese von Kunst und Wahrheit. Übrigens, Schillers Worte „Alle Menschen werden Brüder, wo dein sanfter Flügel weilt“ werden nicht japanisch, sondern immer auf deutsch gesungen!

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Akiko Hayashi, der Initiator des japanisch-österreichischen Kulturaustausches „Ode an die Freude“. Copyright: Utau Daiku

Rund 200 Chorsänger, überwiegend Damen, sind aus Japan nach Österreich angereist gekommen, um gemeinsam mit einer Hunderschaft Wiener Choristen, mit Sängerknaben, Solisten und dem Wiener Kammerorchester die titanische „Neunte“ im Wiener Musikverein zu demonstrieren. Singe die Neunte! Dirigent Gerald Wirth, der künstlerische Leiter der Wiener Sängerknaben, führte das vereinte gewaltige Aufgebot an, ließ dieses stürmisch von Kontinent zu Kontinent fegen. Sehr rasant und wuchtig, doch von Beethovens wohliger Harmonie getragen.  

Diese musikalische „Ode an die Freude“-Freundschaftstour – gedacht aber auch als ein Benefizkonzert für die von Tsunami und Nuklearkatastrophe betroffene Region rund um Fukushima – ist als japanisch-österreichischer Kulturaustausch ins Leben gerufen worden. Die vierte Ausgabe nun bereits. Wohl auch mit wirtschaftlichem Hintergrund: Initiator Akiko Hayashi ist Hauptsponsor dieser Konzerte und Chef der Firma Tissue Engineering Support (TES), welche auf innovative medizinische Entwicklungen hinarbeitet. Etwa mit Nobelpreisträgern für die Zellbiologie: Neue Zellen für neues Leben. Und es bestehen gute wirtschaftliche Verbindungen zwischen Österreich und Japan – wohl könnten es auch noch mehr sein. Hayashi: „Diese Musik ist die schnellste Methode, um menschliche Beziehungen zu finden. Sie geht von Herz zu Herz. Sie ist auch für uns ein eindringliches Symbol für Friede und Hoffnung.“ Dafür steht allerdings nicht nur Beethoven, sondern auch verklärendes japanisches Liedgut – die innige Lyrik der Weise „Hana wa saku“ ertönte zum Ausklang: Die Blumen blühen. Alle Blumen erblühen, und mein Herz gehört dir  …. lasst uns für immer mehr und mehr lieben.

Meinhard Rüdenauer

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