Der Neue Merker

WIEN/ „Merker-Kunstsalon“: MOZART UND SALIERI von Nikolai Rimski-Korsakow

17.5. 2017: Merker-Kunstalon: „MOZART UND SALIERI“

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Rugiana Lee, Ali Magomedov, Sylvie Binder-Höflinger, Erich Binder, Apostol Milenkov. Foto: Herta Haider

Der Einakter von Nikolai Rimski-Korsakow wurde mit dem jungen russischen Tenor Ali Magomedov als Mozart und dem bulgarischen Bassisten Apostol Milenkov als Salieri natürlich in russischer Sprache gesungen. Die fabelhafte  koreanische Pianistin Rugiada Lee, die an der Wiener Staatsoper mit den jungen Sängern korrepetiert, bot als „Orchester“ wieder eine Meisterleistung. Es gelingt der jungen Dame, dem Flügel nicht nur eine virtuose Leistung abzuzwingen, sondern sie holt auch alle nur erdenklichen Tonfarben aus dem Instrument heraus, jeweils angepasst an die dramatischen Anforderungen. So hörte man das dunkel-verhaltene Grollen des Antonio Salieri dem Genie Mozart gegenüber, sein Grübeln über das Geheimnis des jungen Komponisten, das er nicht zu enträtseln vermochte, und am Ende seine stille Betretenheit, als er fürchtet, dass sein Gift den Jüngeren tatsächlich getötet haben könnte. Der Schluss bleibt ja offen.

Für diese Opernfigur bringt Apostol Milenkov genau den richtigen  Bass ins Spiel. Mit der nötigen dräuenden, kraftvollen Attacke und den leise sinnenden Passagen, verbunden mit den dunklen Farben der russischen Sprache gibt der Sänger ein eindrucksvolles Porträt des älteren Komponisten. Der kleine, schlanke, bewegliche junge Mann mit langen schwarzen Haaren im dunklen Gehrock war schon optisch ein geheimnisvoller Typ, aber mehr noch durch seinen klaren, klangvollen Tenor mit dem typisch slawisch-melancholischen Timbre, das den frühvollendeten jungen Komponisten, der hier ja von seinem Requiem spricht, äußerst attraktiv macht. Wenn er am Schluss schmerzverhalten einfach von der Bühne abgeht, bleibt es offen, ob er an Salieris Gift sterben wird oder nicht.

Dazu tritt noch eine stumme Person auf, u. zw. der blinde Geiger, der dem Salieri so schrecklich falsch Mozarts „Voi che sapete“ vorfiedelt, dass der Maestro ihn hinauswirft. Das nützte der philharmonische Konzertmeister Erich Binder für einen humorvollen Auftritt. Für uns umso erheiternder, als er vor der Rimski-Korsakow-Oper bereits solistisch aufgetreten war – mit Mozarts Violinsonate Nr.32, B-Dur, KV 454, am Flügel begleitet von seiner Frau, der Flötistin Sylvie Binder-Höflinger. Sie sorgte für die ebenmäßig-heitere, leicht bewegte tonliche Basis, während er seiner Violine, vor allem in den Randsätzen Töne voller Inbrunst entlockte, die Mozarts mit sich selbst ringende Seele zu offenbaren schienen. Der elegische Mittelsatz war jedoch nicht minder erbaulich – Geigenmelismen mit einem so vollen, dunklen Klang hört man nicht alle Tage. Das war ein mehr als würdiges Vorspiel zur russischen Kurz-Oper, die um das Thema Mozart kreist.  

Also wieder einmal etwas Ungewöhnliches im Merker-Salon, von Elena Habermann mit einleitenden Worten vorgestellt. Am 7. Juni sind wird mit Bellnis „Norma“ wieder vertrautere Klänge zu venehmen.

Sieglinde Pfabigan

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