Der Neue Merker

WIEN/ Lutherische Stadtkirche: EIN ADVENTKONZERT MIT CLEMENS UNTERREINER ALS „OASE DER INNEREN RUHE“

Lutherische Stadtkirche, Wien 1., Dorotheergasse 18

EIN ADVENTKONZERT MIT CLEMENS UNTERREINER ALS „OASE DER INNEREN RUHE“(20.Dezember 2017)

Je hektischer der Weihnachtsrummel umso größer die Sehnsucht nach Stille und innerer Einkehr, die Suche nach Advent eben! Das „Benefiz-Weihnachtskonzert“, das der umtriebige Staatsopern-Bariton Clemens Unterreiner seit bald 10 Jahren immer im Dezember in der lutherischen Stadtkirche im 1.Bezirk organisiert, liefert diese „Entschleunigung“ samt kluger Programm-Auswahl und hochkarätigen Gästen. Und heuer schien mir diese „Oase der inneren Ruhe“ besonders zu wirken. Immerhin: im Luther-Jahr 2017 ein Konzert in einem Gebäude, das vor 450 Jahren als katholisches Nonnenkloster begann und erst nach dem Toleranzpatent Joseph’s II.in eine protestantische Kirche verwandelt wurde, das hat schon etwas Besonderes! Dazu kam eine Schar von hochkarätigen Mitwirkenden, ein Teil davon neu im „Unterreiner-Clan“ – etwa  die Bulgarin Krassimira Stoyanova, die gerade als Marschallin im Haus am Ring gefeiert wurde oder der österreichische Star-Bass Kurt Rydl, dessen Terminkalender bisher einfach zu voll war. Auch die aus der Ukraine stammende Mezzo-Sopranistin Zoryana Kushpler war diesmal neu in diesem Rahmen zu erleben. Dazu standen das Blechbläser-Ensemble „wien.brass“ und die Harfinistin der Wiener Staatsoper Anneleen Lenaerts sowie Heinz Zuber vom Burgtheater oder der  Chor „cantus iuvenis“ unter der Leitung von André Comploi zur Verfügung. Dazu – quasi als Vertreter des „Kern-Teams“ – der deutsch-kanadische Tenor Michael Schade, die Geigerin Lidia Baich – am Klavier exzellent begleitet von Matthias Fletzberger – oder Renate Holm, die ewig Junggebliebene, die vor 60 Jahren in Wien debütierte.

Die Programmauswahl tat das ihre, der fehlende Applaus (erst ganz am Schluss zugelassen und dann orkanhaft) und die Ernsthaftigkeit aller Mitwirkenden – schufen eine geradezu unbeschreibliche emotionale Intensität, in der Kindheits-Erinnerungen geweckt wurden! Schon der Auftakt – eine „Intrada“ von Marc Antoine Charpentier gespielt von „wien.brass“ – erzeugte eine feierliche Gelassenheit. Dann gings’s weiter mit einem „Highlight“ nach dem anderen. Renate Holm las einen Text über „Hirten“, Zoryana Kushpler begann dann mit einer Bach-Arie aus dem Weihnachtsoratorium „Schlafe mein Liebster“(am Klavier  Thomas Lausmann – Solo-Korrepetitor an der Staatsoper) und Krassimira Stoyanova stellte sich mit einem Mozart-„Laudate“ mit Harfen-Begleitung vor. Heinz Zuber zitierte dann Brecht über „Die gute Nacht“. Ein erster „Ruhepunkt“ war dann die „Meditation“ aus Thais von Jules Massenet ( Lidia Baich und Matthias Fletzberger), währen Kurt Rydl mit der Szene des Pimen aus Boris Godunov von Mussorgski (am Klavier Lausmann) fast die Akustik der Lutherischen Stadtkirche mit seinem mächtigen Organ zertrümmerte. Darauf wieder ein Höhepunkt: das Duett Nadir – Zurga aus den „Perlenfischern“ – grandios vorgetragen von Michael Schade und Clemens Unterreiner. Darauf zog Krassimira Stoyanova mit dem „Ave Maria“ der Desdemona aus Verdi’s Otello nach. Singen als überirdische „Frohbotschaft“ – besser kann man diese Szene nicht gestalten.

In der Folge traten nochmals alle Solisten auf und es gab noch zwei Nummern der „Extraklasse“: Renate Holm, die das Geheimnis der ewigen Jugendlichkeit hütet, sang das – am Klavier begleitet von Fritz Brucker – „Kalenderlied“, das ihr -lang lang ist’s her – Franz Grothe persönlich gewidmet hat. Und so mancher bekam feuchte Augen. Und dann sang der „Hausherr“ Clemens Unterreiner das „Cantique de Noel“ – voll Poesie, ohne jedes Forcieren, mit einem samtigen Timbre. In dieser Form ist er nicht zu überbieten.

Zuletzt – ein Scheck für Notleidende in Höhe von 25.000 Euro und ein „O du fröhliche“, bei dem auch das Publikum mitsang. Ein Advent-Event eben! Und zwei Stunden der „inneren Einkehr“!

Peter Dusek

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