Der Neue Merker

WIEN / Leopold Museum: THEODOR VON HÖRMANN

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WIEN / Leopold Museum: 
THEODOR VON HÖRMANN
VON PARIS ZUR SECESSION

Vom 29. April 2016 bis zum 29. August 2016  

Das Leuchten der Natur

Mitwelt und Nachwelt urteilen über einen Künstler, und es passiert immer wieder, dass der eine oder andere auf der Strecke bleibt – meist, weil seine Zeitgenossen alles überstrahlen. Wie sehr Umwertungen möglich sind, hat gerade im Leopold Museum etwa Rudolf Leopold selbst bewiesen, als er Bedeutung und Wert Egon Schieles in der Nachkriegszeit neu herstellte. Mit der ersten umfassenden Retrospektive, die nun für Theodor Hörmann in diesem Haus stattfindet, sucht man einen „österreich-eigenen“ Impressionisten nun in seiner ganzen Vielfalt zu erfassen.

Von Heiner Wesemann

Foto 1884~1 IMG_8776 Hörmann von Krämer~1 IMG_8792 Porträt  Zeleny~1

Theodor Hörmann    Geboren 1840 in Imst in Tirol, war Hörmann tragischerweise genau in dem Alter, um in den Kriegen benötigt zu werden, die Kaiser Franz Joseph in den fünfziger und sechziger Jahren in Italien und gegen Deutschland kämpfte. Danach trat er aus dem Militärdienst aus, inskribierte an der Wiener Akademie, fühlte sich aber mit seinen künstlerischen Intentionen nicht am richtigen Ort. Nach Lehrtätigkeit in St. Pölten heiratete Hörmann 1884 die wohlhabende Laura Bertuch, die ihm in der Folge sein Künstlerdasein ermöglichte. Damals schon war Paris die Hauptstadt der Kunst, und Hörmann entdeckte hier seine persönliche Nähe zum Impressionismus und zum Malen in freier Natur. Weitere Stationen seines zu kurzen Lebens: Znaim, Dachau (wo sich eine Künstlerkolonie befand) und schließlich Wien, wo er die Abspaltung der Secessionisten vom Künstlerhaus mittrug. Theodor Hörmann, der an Kehlkopfkrebs erkrankt war, starb1885 dann an einer Lungenentzündung. Er befand sich  damals in Graz, auf einer Reise nach Italien, das er nicht mehr erreichte. In den wenigen Jahren seines aktiven Schaffens hat er ein umfangreiches Werk hinterlassen.

Tuilerien  Hörmann Neue Markt

Von Stadt zu Stadt    Das Leopold Museum hat mit Marianne Hussl-Hörmann als Kuratorin eine Nachfahrin (Ururgroßnichte) des Künstlers beauftragt, die eine Fülle seiner Werke (auch aus Privatbesitz) zusammen tragen konnte. Das Leopold Museum ist selbst (wie auch das Belvedere) ebenfalls im Besitz vieler hochrangiger Gemälde. Man hat eine chronologische Abfolge gesucht, wobei man Zeitgenossen einbezieht und auch dokumentarisches Material bietet. Auch sind zwei Porträts von Hörmann, von seinen Kollegen Josef Zeleny, 1871, und Johan Victor Krämer, 1896 posthum entstanden, zu sehen. Eindrücke von Paris stehen zu Beginn der Ausstellung, wobei Hörmann in die klassische, erkennbare Stadtarchitektur immer schon die Natur als wesentliches Element einfügte. Das signifikanteste Bild seiner Spätzeit gilt wieder einer Stadt, diesmal Wien – „Der Neue Markt“, in seinem Todesjahr entstanden, zeigt des Künstlers Offenheit allen Stilen gegenüber. Weder Impressionismus noch Secessionismus sind hier prägend, wenn er ein geradezu klassisches „Genrebild“ mit Blick auf den verschneiten Markt malt – auch Rudolf von Alt war schließlich sein Zeitgenosse.

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Vor allem aber die Natur    Wenn man die Ausstellungsräume durchschreitet, ist es allerdings das Leuchten der Natur, das den Besucher begleitet. Hörmann hat sich in seiner kurzen Lebenszeit umfassend orientiert, hat sich von Franzosen, Deutschen, von österreichischen Zeitgenossen inspirieren lassen und ist dabei seinen eigenen Weg gegangen, nicht nur mit den in verschiedenen Rottönen schillernden „Esparsettenfeldern“ von Znaim, mit denen er Unverwechselbares geschaffen hat. Es ist einerseits die Farbpalette, die alle nur denkbaren Stimmungen beschwört, es sind andererseits vor allem die Bäume, deren Zweigwerk er in nie endenden Variationen zu Mustern verschlingt. Wer weiß, wohin der Weg diesen Theodor Hörmann noch geführt hätte, wäre er nicht so früh aus seinem Schaffen gerissen worden.

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Leopold Museum, bis 29. August 2016, täglich außer Dienstag 10 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 21 Uhr

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