Der Neue Merker

WIEN / KHM: DAS ERSTE GOLD

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WIEN / Kunsthistorisches Museum: 
DAS ERSTE GOLD
Vom 7. März 2017 bis zum 25. Juni 2017  

Zum Golde drängt doch alles…

In jenem zentralen Ausstellungsraum im ersten Stock, wo das Kunsthistorische Museum sonst in seinen Sonderausstellungen berühmte Gemälde und spektakuläre Plastiken präsentiert, glänzt diesmal Goldschmuck. Man hat eine „archäologische“ Sensation zu bieten, den „größten Schatz der Bronzezeit“, wie es heißt, gefunden in Bulgarien, aus der Zeit zwischen 1500 und 1000 vor Christus, und vor allem, was für uns interessant ist, bearbeitet, das heißt, zu teils sensationell schönen Stücken geformt. Da neben bulgarischen auch österreichische Wissenschaftler bei der Erforschung des Goldbergwerks von Ada Tepe beteiligt waren, kommt Wien nun in den Genuß der dort gefundenen Schätze.

Von Heiner Wesemann

Ada Tepe     Vermutlich können sich die meisten Menschen unter dem Begriff „Ada Tepe“ nichts vorstellen. Es handelt sich dabei um einen Ort im bulgarischen Rhodopengebirge, und dort haben Wissenschaftler in den letzten Jahren ein prähistorisches Goldbergwerk gefunden. Gold, so dachte man – man kennt ja die Legende vom Goldenen Vlies –, wurde aus Flüssen gewonnen, wenn man Schaffelle ins Wasser hielt, blieben die Stücke darin hängen. Doch tatsächlich hat man Gold auch in diesem Bergwerk von Ada Tepe regelrecht abgebaut.

Gold… das ewige Faszinosum     Gold hat an sich nur den Wert, den man ihm zuweist. Ein glänzendes Edelmetall, vielfach zu verarbeiten, als Schmuck offenbar zu allen Zeiten geschätzt, auch in der Bronzezeit in Bulgarien und wo immer es als Handelsgut hin wanderte. Besonders reizvoll sind Spekulationen, die dieses Gold in Richtung Troja und Mykene sehen, wo ja Schliemann großartige Schmuckstücke gefunden hat. Tatsächlich gibt es auch in dieser Ausstellung eine „Maske“, die der berühmten des Schliemann-Schatzes verwandt wirkt. Es gab in allen Perioden der Geschichte Handelswege, die Idee ist also nicht abwegig.

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Stücke einer Ausstellung     Man gibt einem Zeitbild, das die Welt von vor dreieinhalb tausend Jahren zeigt, natürlich auch die üblichen „flankierenden Elemente“: Von Schalen bis zu Speerspitzen, von Rasiermessern bis zu Äxten, von Schüsseln bis Krügen ist vieles vorhanden. Aber natürlich zieht zurst das Gold den Blick auf sich. Wofür hat man die rätselhaften Spiralröllchen verwendet, die nach modernen Lockenwicklern aussehen? (Vermutlich wurden sie tatsächlich in die Haare geflochten.) Es gibt Ringe, die als „Lockenringe“ bezeichnet werden,  man findet hier Ohrringe, Halsketten, Armreifen: Der Körper des Menschen gibt die Formen vor, doch die Verarbeitung kann vielfältig sein. Mehr als 300 Gold-, Silber- und Bronzefunde aus 14 bulgarischen Museen beschäftigen den Besucher.

Der Schatzfund von Vălčitrăn      Dieser Schatz, der nicht weniger als 12,5 kg Gold umfasste, steht mit seinen 13 Objekten im Zentrum, spektakuläre Gefäße und Scheiben und vor allen tropfenartig geformte Schalen verweisen auf außerordentliche Kunstfertigkeit der Verarbeitung. Neben Schmuck für die Menschen und Opfern für das Jenseits waren diese Objekte zweifellos auch als Gaben für die Götter gedacht – wie in allen Zeiten. (Man denke nur an die goldstrotzenden Kirchen Südamerikas.)

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Für die das Gold nicht bestimmt war     Die Zeiten, wo sich das Interesse der Historiker nur auf die Reichen und Mächtigen richtete, sind vorbei. Alltagskultur, Normalmenschen befinden sich ebenso im Fokus. Dabei wird auch gezeigt, wie kunstvoll die Arbeiter einst „in den Berg hinein“ gingen, wie man in den Stollen zur Goldgewinnung mit Feuer verfuhr und Goldstücke aus den erhitzten Wänden brach. Folglich bietet die Ausstellung im KHM auch virtuell einen Einblick in das Leben der Menschen, die damals im Bergwerk gearbeitet haben. Die „einfachen Leute“ von heute setzen ihre Fähigkeien anders ein – Bauern, die in der Region Goldschätze schon in den zwanziger Jahren aus ihren Böden holten, haben die Objekte in Stücke geschnitten und versucht, zu Geld zu machen… 

Bis 25. Juni 2017, täglich außer Montag von 10–18 Uhr, Do bis 21 Uhr, ab Juni täglich

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