Der Neue Merker

WIEN / Jüdisches Museum: STARS OF DAVID

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WIEN / Jüdisches Museum: 
STARS OF DAVID
Der Sound des 20. Jahrhunderts
Vom 13. April 2016 bis zum 2. Oktober 2016 

Die Großen und die Allergrößten

Die „Davidsterne“ des Titels sind als Metapher zu verstehen. „Stars“ als „Stars“ in unserem Begriff, Weltstars der Musikbranche. In allen Genres tätig (nur die einst so genannte „E-Musik“ hat man diesmal ausgeklammert): Musical und Jazz, Song und Chanson, „nationale Klassiker“ – wo als Schöpfer Juden dahinter stehen, sind sie in der Ausstellung des Jüdischen Museums vertreten. Die Großen bis zu den Allergrößten wie Bernstein und Irving Berlin, Barbra Streisand und Leonard Cohen. Dass gerade Amerika eine Hochburg der Musik jüdischer Künstler wurde, „verdankte“ man einer vielfach erzwungenen Migration.

Von Heiner Wesemann

Überall dabei     Man kennt das „Problem“, das keines ist, auch hierzulande. Da gibt es Genres, die als spezifisch „wienerisch“ gelten wie das Wienerlied oder die Wiener Operette, und wenn man genauer hinsieht, ist ein großer Teil der Schöpfer und Interpreten jüdischer Abstammung. Und da viele von ihnen im 19. und vermehrt im 20. Jahrhundert in ihren Heimatländern nicht erwünscht waren, gingen sie nach Amerika. Hollywood und der Broadway sind ohne jüdische Künstler nicht zu denken, aber auch ihr Anteil an Jazz, Folk, Countrymusik ist enorm. Und die USA verdankt ihnen nationale „Hymnen“, nicht nur „, „God Bless America“, auch das christliche Aushängeschild „White Christmas“ stammen aus der Feder von Irving Berlin, einst noch in Rußland als Sohn eines Kantors geboren…

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Die jüdischen Pop-Stars       Ob die Streisand als „oscar“-gekrönter Superstar, ob Leonard Cohen als Ikone intellektueller Lyrik-Fans, ob Bob Dylan mit seinen eingängigen Songs, die fast alle Großen nachgesungen haben, ob Neil Diamond oder die so jung verstorbene Amy Winehouse – sie fügten sich in die Welten des Show-Biz, haben sich aber so gut wie alle, darauf legt die Ausstellung Wert, zu ihrem Judentum bekannt. Sie „assimilierten“ sich in die jeweilige Szene (wo immer – ob im Musical, ob im Film), würzten aber doch immer wieder Persönliches, Jüdisches hinzu. So hat die Pop-Musik auch auf die Psalmen von König Salomon zurück gegriffen…

Der Weg nach Europa     Auch ein Riesenbild von Esther Ofarim erinnert an einen in Europa überregional bekannten Star, die sogar spezifisch mit jüdischer Musik und Volksmusik reüssierte. Desgleichen hierzulande Vater und Tochter Brauer, aber auch die französische Szene kommt zu Wort – ob Serge Gainsbourg oder Jacques Brel mit ihren Chansons. Fast noch umfangreicher als die Ausstellung, wenn das möglich ist, spürt der Katalog den jüdischen Musikern nach.

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Eine Welt der Devotionalien     Die Ausstellung arbeitet mit großen Fotos, viel Bild- und Dokumentationsmaterial und jenen „Gedenkstücken“, bei denen Fans wohl die Knie weich werden, etwa Gitarren von Simon und Garfunkel, aber auch ein Frack von Bernstein, ein Rock der Streisand wird ihre Bewunderer rühren. Eine Menora von Sammy Davis jr. ist gleichfalls zu betrachten, und es glitzern goldene Schallplatten und „Oscars“ (für den emigrierten  Wiener Erich Wolfgang Korngold, der in den USA als Filmmusiker reüssierte) und es leuchten Filmplakate. Selbstverständlich ist eine solche Ausstellung nicht nur zum Schauen, sondern auch zum Hören gedacht – Hörstationen können den Besuch auf viele Stunden ausdehnen.

Bis  2. Oktober 2016 im Palais Eskeles,  Jüdisches Museum Wien, Dorotheergasse 11, 1010 Wien

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