Der Neue Merker

WIEN / Jüdisches Museum: ISRAEL BEFORE ISRAEL

Israel Aufschrift~1

WIEN / Jüdisches Museum in der Dorotheergasse / Extrazimmer: I
SRAEL BEFORE ISRAEL
Fotografien von Ze’ev Aleksandrowicz 1932–1936
Vom 22. November 2017 bis zum 1. April 2018

Der Schatz aus dem Koffer

Nicht nur Goldstücke sind Schätze, Dokumente sind es auch, und das in vielleicht noch höherem Maße. Es klingt romanhaft, war aber in diesem Fall Realität – dass der Enkel auf dem Dachboden einen Koffer des Großvaters entdeckte, von dem niemand wusste. Darin fanden sich rund 15.000 Negative für Schwarzweißfotos, aufgenommen in den dreißiger Jahren in Tel Aviv, damals noch Palästina, aber schon besiedelt von Juden, die ihr „Altneuland“ gefunden hatten. „Israel before Israel“ nennt das Jüdische Museum in Wien die Ausstellung, die eine Auswahl dieser Fotos von Ze’ev Aleksandrowicz zeigt.

Von Renate Wagner

Israel er in gross x~1Ze’ev Aleksandrowicz      Geboren 1905 in Krakau, war Ze’ev Aleksandrowicz Sohn eines wohlhabenden Papierhändlers. Schon als Fünfjähriger bekam er von einer Tante seinen ersten Fotoapparat geschenkt. Als Student lebte er in den zwanziger Jahren auch kurz in Wien, als Fotograf (er war autodidakt, bekam aber viele Aufträge) war er viel unterwegs. Wie viele Juden nach dem Ersten Weltkrieg hing er dem Zionismus des Theodor Herzl an, glaubte, dass die Juden in ihre alte Heimat aus biblischen Zeiten zurück kehren und dort leben sollten. Tel Aviv war schon 1909 gegründet worden, und dorthin reiste Aleksandrowicz in den dreißiger Jahren dreimal, bevor er sich ganz hier niederließ. Allerdings hörte er, nachdem er 1936 eine sephardische Jüdin geheiratet hatte, gänzlich mit dem Fotografieren auf – einer Erklärung dafür gab es nie. Er starb 1992.

Israel Schachspiel~1  Israel Kamele vor Schiff~1

Tel Aviv – wo Welten auf einander prallten    Tel Aviv war die Stadt, die von europäischen Juden in Palästina gegründet wurde. Diese Juden Europas haben ihre Lebensform, ihre Erkenntnisse, ihre „Moderne“ mitgebracht. Die Palästinenser lebten in ihrer althergebrachten Form – und sahen, wie ein modernes Tel Aviv aus dem Boden wuchs. Ze’ev Aleksandrowicz zückte in den dreißiger Jahren seine Kamera – und sah beide Seiten. Die Juden, die aussahen wie „daheim“, die alten Männer, die im Freien Schach spielten, als seien sie im Kaffeehaus, die Baustellen und die modernen Bauten, die aus dem Boden wuchsen. Und er sah die Araber auf ihren Kamelen, die verschleierten Frauen, die Beduinen, die Eselskarren der „anderen“. Für eine so spannungsgeladene Zeit wirken die Bilder ausgesprochen friedlich und gelassen auf beiden Seiten – wäre es nur so geblieben.

Israel Liegestühle und Decke~1  Israel Liegestühle~1

Einladung in den Liegestuhl     Es war ein Enkel von Ze’ev Aleksandrowicz, der elf Jahre nach dem Tod des Großvaters den Koffer am Dachboden entdeckt hat. Heute sind die Bilder aus der eigenen Frühzeit für den Staat Israel so wertvoll, dass das Israel-Museum sie ins Internet gestellt hat. Das Jüdische Museum in Wien nahm das Angebot einer Ausstellung gerne an – Kuratorin Andrea Winklbauer hatte die Aufgabe, aus der Unmenge des vorhandenen Materials eine Auswahl von 24 Stück zu treffen, steht ihr doch nur der Nebenraum, das „Extrazimmer“, in dem die Ausstellungs-Gustostückerln des Hauses stattfinden, zur Verfügung. Da gibt es nun einiges Dokumentarisches zu Ze’ev Aleksandrowicz, signifikante Fotos – und ein paar Liegestühle, die Ausstellungsgestalter Conny Cossa in den Raum gestellt hat und die den Besucher einladen, den Blick auf die Decke des Raums zu richten: Dort laufen in einer Dia-Show von 80 weiteren Fotos…

Jüdisches Museum Dorotheergasse – Palais Eskeles, Dorotheergasse 11, 1010 Wien
Israel before Israel
Fotografien von Ze’ev Aleksandrowicz 1932–1936
Bis 1. April 2018
Geöffnet Sonntag bis Donnerstag von 10 bis 18 Uhr,
Freitag von 10 bis 14 Uhr (Winterzeit) bzw. 17 Uhr (Sommerzeit)

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