Der Neue Merker

WIEN / Jüdisches Museum: HELENA RUBINSTEIN

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WIEN / Jüdisches Museum / Judenplatz:
HELENA RUBINSTEIN
DIE SCHÖNHEITSERFINDERIN
Vom 18. Oktober 2017 bis zum 6. Mai 2018

Geschäftskonzept: Schönheit

Der Name Helena Rubinstein steht – neben dem von nur einigen wenigen berühmten Kolleginnen wie Elizabeth Arden oder Estée Lauder – für ein Konzept weiblicher Schönheit, wie sie durch Kosmetika zu erringen ist. Die absolut erstaunliche Frau, die hinter einer Weltmacht steht, die ihr Konzern einst war, ist nun im Jüdischen Museum (nicht im Haupthaus, Achtung, sondern in der Dependance am Judenplatz) in vieler Hinsicht zu erleben: als Emanzipationsgeschichte einer Ostjüdin und als Erfolgsgeschichte einer begnadeten Geschäftsfrau, die auch noch in den drei engst bestückten Ausstellungsräumen als faszinierende, gelegentlich auch skurrile Persönlichkeit erkannt werden kann.

Von Renate Wagner

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In der Ausstellung fotografiert: Renate Wagner

Helena Rubinstein – dem Schicksal davongelaufen      Wenn man 1870 in Krakau (damals Teil der Habsburger-Monarchie) die älteste Tochter einer kleinbürgerlichen Rabbinerfamilie (zwölf Geschwister folgten!) geboren wurde, hatte man wohl nicht viel vom Leben zu erwarten. Heiratsvermittler schoben die jungen Mädchen in Ehen und glanzlose Schicksale. Für Chaja, wie Helena Rubinstein damals noch hieß, war das nichts. Man muss es sich vorstellen, was es bedeutet hat, in jungen Jahren einfach entschlossen wegzugehen, einem vorgeformten Schicksal davonzulaufen. Erst dorthin, wohin es alle Juden der Monarchie zog, nach Wien. Glücklicherweise lebte dort eine Tante, und das Polnisch und Jiddisch der jungen Frau mischte sich mit Deutsch – das alles in einem unverkennbaren Mischmasch und Akzent, der später ihre Sprache prägte, egal welche sie sprach (am Ende war es wohl vor allem Englisch). Wenn Chaja 1896 mutig nach Australien reiste, konnte sie sich auch da auf das Netzwerk jüdischer Familien verlassen: Immerhin lebten drei ihrer Onkel da.

Rubinstein Haarfärbemittel~1

Die Creme der Mutter     Helena Rubinstein, die keine „schöne Helena“, aber in ihrer Jugend eine sehr hübsche Frau war, hat nun nicht als große Unternehmerin begonnen, sie arbeitete wie viele Migranten als Verkäuferin oder Serviererin. Was die australischen Frauen (mit ihrer sonnenverbrannten Haut) bewunderten, war die herrliche Haut, die die junge Osteuropäerin mit einer Creme pflegte, deren Rezept von ihrer Mutter stammte (Kräuter, Mandelöl und Rinderfett als Basis). So begann es – die Nachfrage nach der Creme stieg, sie stellte sie selbst her, tat dies dann in immer größerem Ausmaß. Zu Cremes kamen Puder, Makeup, Lippenstifte, Wimperntusche, Haarfärbemittel, was immer hilft, Frauen „schöner“ zu machen – es gäbe keine hässliche Frau, ließ die Rubinstein ihre Geschlechtsgenossinnen wissen, nur ungepflegte. Und die Schönheit sei für jede Frau ihre eigene, wichtige Aufgabe…1902 hatte sie ihren eigenen Schönheitssalon, der dann Filialen in ganz Australien eröffnete. Dass sie jede Menge Schwestern aus Polen zu sich holen konnte, um ihr bei den Geschäften zu helfen, war zweifellos sinnvoll.

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Die Eroberung von der Welt   1908 kam Helena Rubinstein, die den gleichfalls aus Krakau stammenden Journalisten William Titus geheiratet hatte, mit dem sie zwei Söhne hatte, wieder nach Europa und eröffnete ihre Schönheitssalons in London und Paris, nach dem Krieg dann auch in Wien. 1914 ging sie mit ihrer Familie nach New York, das dann ihr Hauptwohnsitz blieb, ohne die anderen Salons in aller Welt aufzugeben. Sie war eine Geschäftsfrau ersten Ranges, die zwar auf Qualität, aber auch auf Quantität setzte – und der es gelang, aus dem New Yorker Börsenkrach reicher denn je hervorzugehen. Unaufhörlich expandierende Geschäftsideen, kluge Werbestrategien und ihre eigene Person als Objekt des Interesses hielten den Namen „Helena Rubinstein“ stets im Bewusstsein – bis heute, wo ihr Konzern bereits in den Konzern L’Oreal aufgegangen ist. Als sie 94jährig im Jahr 1965 starb, gab es gut 100 Rubinstein-Niederlassungen in 14 Ländern der Welt.

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Antwort auf den Antisemitismus     Wie alle Juden überall begegnete auch Helena Rubinstein dem Antisemitismus, aber Geld ist darauf eine gute Antwort: Als man ihr 1941 in New York eine Wohnung nicht vermieten wollte, kaufte sie einfach das ganze Haus und bezog darin ein Appartement mit 36 Zimmern und Dachterrasse… Ihre Wohnungen waren stets Gegenstand der allgemeinen Bewunderung, zahlreiche Homestories zeigten sie als Sammlerin, sie bezog immer Werke von modernen Künstlern (in Wien eine komplette Besteck-Ausstattung von Josef Hoffmann – ein Projekt mit Adolf Loos kam nicht zustande). Sie war eine Dame von Welt, Picasso hat sie gezeichnet, und sie war auch – im Vergleich zur lebenslangen Konkurrentin Elizabeth Arden, die ausschließlich für die „weiße“ Bevölkerung arbeitete – schon von ihrer Herkunft her „multikulti“: Sie schuf auch Pudern und Cremes für Farbige, sie entwarf das Makeup für Josephine Baker – und sie leistete sich ein Privatleben für die Boulevardpresse, als sie 1938 (von Titus geschieden) den um 26 Jahre jüngeren „georgischen Prinzen“ Artchil Gourielli-Techkonia heiratete…

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Die Ausstellung     „Alles“, was Ausstellungsgestalterin Iris Meder und die enthusiastisch mitarbeitende Direktorin des Hauses, Danielle Spera, nur zusammentragen konnten, findet sich dicht gedrängt in drei Räumen, die überborden an Material – in Glaskästen ihre stets geschmackvoll gestalteten Kosmetikprodukte, dazu Zeitschriften voll Artikeln über sie, Dokumentarisches aller Art, Fotos, Werbung, auch Picassos Zeichnung, eine Büste von ihr, Glitzerabendkleider. Objekte erzählen von Schönheit und von – Geschäft, und an den Wänden gibt es übersichtliche Informationen zu den zahlreichen Stationen ihres Lebens. Helena Rubinstein total, dann auch im Katalog (Amalthea Verlag) nachzublättern.

Jüdisches Museum Wien am Judenplatz:
HELENA RUBINSTEIN. DIE SCHÖNHEITSERFINDERIN
Bis 6. Mai 2018, täglich außer Samstag 10 bis 18 Uhr, in der Winterszeit 10 bis 14 Uhr

 

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