Der Neue Merker

WIEN / International Theatre: MARK TWAIN’S AMERICA

WIEN / International Theatre: 
MARK TWAIN’S AMERICA
An Entertainment by Samuel L. Clemens
Herbert Moulton and Jack Babb
Premiere:  8. Mai 2012  

Dieser „Samuel L. Clemens“, der hier vordringlich für diesen Theaterabend verantwortlich zeichnet, der so kurzweilig wie schön ist, wurde unter seinem Künstlernamen bekannt: Mark Twain. Man hat ihn viel bewundert und viel gescholten, aber für die Bewunderung war wohl mehr Anlass. Eine eigentlich viel zu kurze Reise durch das Leben und Werk dieses Originals bringt neben Geliebtem und Bekanntem auch viel Neues: Ehrlich, wer hätte gewusst, dass der Name „Mark Twain“, den er sich gab, aus der Sprache der Mississippi-Schiffer stammt, denen er angehörte, und einfach einen Hinweis auf die Flusstiefe bedeutete?

Herbert Moulton and Jack Babb lassen vier Schauspieler durch das Werk von Twain führen, als Erzähler und durchaus lebhafte Spieler: So wie Alan Burgon den trickreichen Tom Sawyer gibt, der das Recht, an seiner Stelle seinen Zaun malen zu dürfen, teuer verkauft, lacht man sich schief. Wie Jack Babb (auch der Regisseur des Abends) mit allen darstellerischen Tricks vorliest, wie Huck Finn seinen Negerfreund Jim rettet. Wie Marilyn Close (mit Burgon) durch die Tücken der deutschen Sprache führt, über die Twain, der vielfache Europa-Reisende, sich so souverän lustig macht. Ja, und das Tagebuch der biblischen Eva (Twains Huldigung an seine Frau, mit der er Jahrzehnte in glücklichster Ehe lebte) könnte man nicht liebevoller und reizvoller lesen als Laura Mitchell es tut…

Wunderbar neben dem Populären auch das Unbekannte, nicht nur seine witzigen, sarkastischen Reiseeindrücke aus Europa, in seinem legendären Werk „Innocents Abroad“ festgehalten. Nein, es stockt der Atem, wenn man von Twains kurzfristigen Erlebnissen als Soldat hört: Dass er einen ihm fremden Menschen, der ihm nichts getan hat, dem er unter normalen Umständen mit Freundlichkeit begegnet wäre, im „ehrlichen Kampf“ erschossen, getötet, gemordet hat, das mochte er nicht zu verwinden. Soldatentum war seine Sache nicht.

Kritischer Humor hingegen weit mehr. Wenn am Ende Captain Stormfield viel Mühe hat, über die Hürden der Bürokratie (Marilyn Close krächzt einen ungehaltenen Buchhalter des Himmels) endlich auf seine Wolke aufzusteigen und nach ewig gleichen Harfentönen feststellt, wie sehr er sich langweilt (nein, so toll, wie man ihm das in der Kirche erzählt hat, ist das himmlische Nachleben wirklich nicht) – da lacht man wieder aus ganzem Herzen. Und hat doch einen weit komplexeren Mark Twain kennen gelernt, als die meist oberflächliche Kenntnis von Tom und Huck anbietet.

Schön war’s. Das war’s. Soll es das wirklich gewesen sein für das International Theatre? Zusperren am 30. Juni, Schluss, aus, basta? It’s a shame. Shame upon you, Gemeinde Wien und ihre Handlanger!

Renate Wagner

May 8 – June 27, 2012 Tuesdays and Wednesdays  Curtain: 19:30

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