Der Neue Merker

WIEN/ ImPulsTanz: VANDEKEYBUS / ULTIMA VEZ. „SPEAK LOW IF YOU SPEAK LOVE …..“

2.8.2016 : Wim Vandekeybus´ Ultima Vez bei ImPulsTanz: 

„SPEAK LOW IF YOU SPEAK LOVE …..“

Hetero? Nein, Homoerotik! Oder doch ….. ? Worte von William Shakespeare setzt Wim Vandekeybus, Jahrgang 1963 und heute Belgiens führender Choreograph, als Titel über dieses im Vorjahr mit seinem Ensemble ULTIMA VEZ erarbeitete Stück: „Speak Low If You Speak Love ….“.  Er spricht von Liebe, den verschiedensten Ausformungen von Liebe und sexuellen Nöten und Beziehungen. Und doch, wie bei fast allen diesen Performances von kleinen, kleineren Ensembles in der sommerlichen Wiener Performance-Reihe ImPulsTanz ist auch bei Vandekeybus die körperliche Komponente klar in den Vordergrund gerückt. Hingegeben dem derzeitigen Trend – dem Gender-Mainstreaming folgend. 

Vandekeybus ist allerdings ein Meister absolut sensibler Zwischentönungen. Und es mangelt nicht an Gestaltungsphantasie, an ungemein vielen Überraschungseffekten. Und zwischen den auf impulsive Action ausgerichteten und oft mit (zu)viel Geschrei untermalten Sex- & Sehnsuchts- & Vergewaltigungs- & Hingabeepsidon seiner acht TänzerInnen folgen sehr, sehr kultiviert und einfallsreich choreographierte Tanzsequenzen. Perfekt illustriert von der Live-Musik des Gitarristen Mauro Pawlowski und Schlagzeuggedröhne. Bitte, alles wird auch fein ironisch und mit viel Witz erzählt. Wirklich gehaltvoll und völlig anders als die zuvor bei ImPulsTanz gezeigte simpel gestrickte und schon sehr auf vulgäre Provokation ausgerichtete „Body + Freedom“-Animation rund um das Performer-Paar Holzinger–Riebeek. Hier wie dort: Hetero oder homo?

Das ImPulsTanz-Publikum, überwiegend jung, duchaus international, nicht gerade kritisch mitgehend, füllt die diversen Spielstätten …. und nimmt all diese Varianten mit Gelassenheit auf. 

Meinhard Rüdenauer

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