Der Neue Merker

WIEN/ ImPulsTanz: DYNAMISCHE IMPULSE & DIVERSE TURBULENZEN

Wiener „ImPulsTanz 2017“: Dynamische Impulse & diverse Turbulenzen (26.-29.7. 2017)

Die langen, überdehnt stundenlangen Performances am Beginn der heurigen ImPulsTanz-Reihe scheinen vorbei zu sein. Kurzauftritte werden nun geboten, mit einer Dauer von etwa knapp einer Stunde, oder weniger …. dafür aber mit kräftigen dynamischen Impulsen und diversen Turbulenzen. 60 Minuten: Und schon ist das bewegte Körperspiel zu Ende gegangen.

Jamaika-Flair mit Sonnenschein boten Cecilia Bengolea & Francois Chaignon (Volkstheater, 26.7.): Welch ein übermütiges Gezappel und Gefuchtel! Tolle Akrobatik, extrem dynamisch! Zwar ohne Tiefgang, doch mit einer ausgetüftelten Automatik in den rasanten Bewegungsabläufen springen, schnellen zu lateinamerikanischen Rhythmen die Girls, von hüpffreudigen Boys assistiert,  wie kampfeslustige sexy Amazonen herum. Nummer auf Nummer, ohne dass diese gelenkigen Gummipuppen eine eigene Geschichte erzählen. Auch im Publikum sitzende Tanzkinder werden mal auf die Bühne gebeten, um karibisches Rhythmusgefühl im Gleichklang zu genießen. Von den TänzerInnen wird anfangs zur Einstimmung und wiederum zum Ausklang während ihrer Tänzchen auch gesungen – kunstvoll, so eine Art von Gregorianik. Diese Fleißaufgabe bindet sich so gar nicht mit dem Klamauk der Show, versteht aber zu sensiblisieren.

„A Love Supreme“ von Salva Sanchis & Anna Teresa Keersmaeker/Rosas (Volkstheater, 28.7.):  Es wirbelt und wirbelt …. vier höchst geschmeidige Tänzer fallen in einen Bewegungstaumel, beinahe ohne Ruhepausen. Sehr pur ansprechend und anspruchsvoll, da das CD-Album „A Love Supreme“ von John Coltrane – in den 60er Jahren eingespielter famoser Jazz dieser Saxophon-Legende – von den Tänzern im Alleingang oder in ständig rotierender Viererpackung ausgelotet und voll ausgekostet wird. ‚Abendfüllend‘ steht zu lesen, doch nach 50 Minuten ist diese expressive Bewegungstherapie auch wieder vorbei. Die Musik des Coltrane–Quartetts wirkt herb, eher spröde, doch der Keersmaeker-Stil mit all seinen Manierismen hat Methode und das Publikum geht mit voller Aufmerksamkeit mit.

„Vive l’Armée!“ steht über dem Abend von Superamas (29.7., Akademietheater): Trotz perfekt ausgespielter Komödiantik der Akteure und aufwändigen technischen Finessen – Videoeinspielung (eher belanglos ermüdenden) oder starken Filmeinblendungen (Stanley Kubricks „Wege zum Ruhm“ mit Kirk Douglas in den Schützengräben des I. Weltkrieges) wirkt dieses ironisierende Antikriegs-Spektaktel des Superamas-Kollektives doch allzu sehr durchwachsen: Ein amüsant modisches Business parodierender Beginn, hierauf eine groteske Entführungsstory mit reißerisch übertriebenen Turbulenzen, weiter mit Anklagen der Kriegsgräuel und rücksichtslosen menschlichen Verhaltens …. das trotz seiner Kürze überfrachtete und auf Rasanz getrimmte Multimedia-Spiel verliert mehr und mehr an Witz und Strahlkraft. Schließlich bleibt: minutenlang eine leere Bühne und keine wirklich zwingende Aussage.  

Meinhard Rüdenauer   

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