Der Neue Merker

WIEN/ Haus Wittgenstein: DER GEFALLENE ENGEL – dämonische Arien und Duette in der klassischen Oper

WIEN/ Haus Wittgenstein/ Bulgarisches Kulturinstitut: DER GEFALLENE ENGEL – dämonische Arien und Duette  in der klassischen Oper. 18.10.2017

 

Bildergebnis für wien haus wittgenstein gegenpoleGestern Abend gab es den ersten Teil einer sehr ambitioniert gestalteten Konzertreihe im Festsaal des Hauses Wittgenstein, die die Opernteufel – und Dämonen mit ihren bösen Arien, den heiligen Hymnen und Gesängen der orthodoxen Kirche gegenüberstellen will. Das ganze ist ein Projekt des des Vereins „Lila Schwan“!
Eine großartige Idee, die die ganze Bandbreite beider musikalischer Bereiche präsentiert.

Das Publikum kam aber nicht nur zu einem Hörgenuss besonderer Art, sondern erlebte mit Hilfe einiger weniger Utensilien bzw. Requisiten in den Farben Weiß, Rot uns Schwarz hauptsächlich, was die Kleidung betrifft, tatsächlich ansatzweise die „Hölle auf Erden“

Ich möchte zunächst – auch aus Höflichkeit – die Pianistin Ruzha SEMOVA zu Ehren kommen lassen, die „engelhaft ganz in Weiß gekleidet“ beide Herren mit ihrer phänomenalen Begleitung am Klavier unterstützte, sodass man das Opernorchester nicht wirklich allzu sehr vermisste!

Die Moderation von Alexandar ALEXANDROV war durchaus auch sehr interessant. Wenn ich seine Darstellung richtig interpretiere, sollte sie wohl an Goethe in Auerbachs Keller erinnern, was durchaus passend zum musikalischen Programm war! Vielleicht hätte er ein wenig lauter bzw. mutiger rezitieren können, damit das auch in den hinteren Reihen verstanden wird

apoi
Russi Nikoff, Apostol Milenkov. Foto: Peter Januska

Mit Apostol MILENKOV, der ja ursprünglich gesanglich aus der orthodoxen Kirchenmusik kommt, scheint sich nicht nur ein brillanter Opernteufel seiner Sängergeneration zu präsentieren, sondern auch ein schauspielerisch begabter Regisseur! Da wurde nichts dem Zufall überlassen oder beiläufig zu Gehör gebracht. So wollte er das Publikum bei seinem Lied vom „goldenen Kalb“ aus Gounold „Faust“  als Chorersatz miteinbeziehen, was aber auf Grund mangelnder gesangsfreudiger Personen, doch nicht so ganz gelingen wollte.

Gerade mit Mussorgsky berühmten „Flohlied“ bewies er, dass er auch eine große Portion an bissigem Humor über die Rampe bringt.
In der Pause hatte ich ein kurzes Gespräch mit einer Bekannten, wir waren uns beide absolut einig über die hohe Qualität des Programms und die großartige Gesangsleistung. Ihre Bemerkung,  dass Apostol Milenkov trotz Krankheit singe, hat mich dann umso mehr  erstaunt, weil das nicht zu hören war!

Ihm zur Seite und vollkommen ebenbürtig präsentierte sich der Bariton Russi Nikoff, der uns mit großer Nobless unter anderem drei herrliche Romanzen aus Rubinsteins „Dämon“ zu Gehör brachte – ein Werk was durchaus in das Repertoire der Staatsoper passen würde.

Aber auch den bösen Jago oder den rachedurstigen Pizarro oder dem mörderischen Macbeth zog er das Publikum in seinen Bann. Aber auch die Angst des Rigoletto im Duett mit Sparafucile war tatsächlich spürbar.
Überhaupt hatte man besonders bei den Duetten das starke Gefühl, dass beide Herren, den Zuhörer im Geiste an die Hand nehmen würden mit der Idee sie doch auf ihrer musikalischen Reise zu begleiten. Da wünscht man sich dann bei der nächst möglichen Gelegenheit eventuell als Zugabe das große Duett aus „I Puritani.“
Es zeigt sich einmal mehr das große Reservoir Bulgariens an herrlichen Stimmen und Talenten und das sage ich durchaus mit einem gewissen Stolz als halbe Bulgarin, ohne irgendwie „nationalistisch“ rüberzukommen.
Was mich in diesem Zusammenhang aber doch ziemlich geschmerzt hat, war der mäßige Publikumsbesuch, der Saal war vielleicht zu einem Viertel gefüllt!

Das haben sich die Künstler nicht verdient. Bleibt nur zu wünschen, dass beim zweiten Teil des Programms am Freitag dem 08.12 um 19.00 Uhr, das Publikumsinteresse entsprechend größer sein wird!

Victoria Popov

Diese Seite drucken