Der Neue Merker

WIEN/ Gatterburggasse/Amthaus: RICHARD WAGNER: SELTENES UND NIEGEHÖRTES

Amtshaus Döbling/ Gatterburggasse: 27.5. – Merker-Kunstsalon: „RICHARD WAGNER: SELTENES UND NIEGEHÖRTES“

Auch der Merker-Kunstsalon feiert den 200-jährigen musikalischen Jahresregenten. Und wer kennt schon Stücke wie eine für Bellinis „Norma“ komponierte Arie des Orovese oder ein Adieux de Marie Stuart? Vielleicht haben einige schon den in Zürich entstandenen Zürcher Vielliebchenwalzer gehört, eine Komposition des Meisters aus reifer Zeit (1854).Wunderbar die mit 18 Jahren (1831) komponierten Szenen aus „Faust“. Begonnen hatte das ambitionierte Konzert mit dem Großen Festmarsch, den Wagner der 100-jährigen Wiederkehr der nordamerikanischen Unabhängigkeitserklärung gewidmet hat. Das fast zweistündige pausenlos durchgespielte Konzert war eine Fundgrube der Raritäten.

Am Flügel als musikalischer Leiter präsentierte sich Manfred Schiebel mit enormen Einsatz, hoher Musikalität und sensibler Begleitung der Sänger. Für manches Stück gab es keinen Klavierauszug, so dass der Pianist aus der Partitur spielen musste.

Monika Medek zeigte einen jugendlich-dramatischen Sopran von Schönheit und Durchschlagskraft und begeisterte insbesondere mit der Urfassung der Ballade der Senta. Ute Ziemer ist Besitzerin einer hübschen lyrischen Stimme, die aber auch den Koloraturen der Maria Stuarda gewachsen war. Der eingesprungene Sergio Tallo Torres blieb mit seinem hohen lyrischen Tenor noch etwas blass. Den Höhepunkt bot der bulgarische Bass Apostol Milenkov. Die riesige Röhre sprengte fast den Festsaal der Bezirksvorstehung des 19. Bezirks. Die dunkle, in allen Lagen ausgeglichene Stimme beeindruckte enorm. Hier müssten die Operndirektoren zugreifen. Da der Sänger an diesem Tag Geburtstag hatte, wurde er vom Publikum zum Abschluss mit einem Ständchen gefeiert.

Stefanie Kopinits moderierte den Abend mit großer Sachkundigkeit und reizendem Charme. Ein besonderer Dank gilt Elena Habermann, die einen in jeder Hinsicht außergewöhnlichen Abend zustande brachte. Das Publikum war sicht- und hörbar sehr angetan.

 Johann Schwarz

 

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