Der Neue Merker

WIEN/ Festsaal Gatterburggasse: VOR-ÖSTERLICHE SAKRAL-SCHÄTZE im „Merker-Kunstsalon

22.3.2017, Merker-Kunstsalon:  Vorösterliche Sakral-Schätze

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Anna Ryan, Celia Sotomayor. Copyright: Herta Haider

Haydn, Schubert, Pergolesi, Mendelssohn, Dvorak, Fauré, Donizetti, Rossini und Verdi hießen die Komponisten dieses Abends im Festsaal des Bezirksamtes Döbling. Anna Ryan, Celia Sotomayor und Sergio Tallo Torres waren die Sänger und am Flügel waltete der Mann für alles, der dies erst vor einer Woche beim Merker-Festkonzert wieder nachdrücklich bewiesen hatte: Manfred Schiebel. Es war sicher nicht leicht,  die für alle Stimmen passenden 14 Gesangsnummern zusammenzustellen und dem Publikum Bekanntes ebenso wie Neues zu bieten. Einmal ein Kunstsalon-Abend ganz ohne Oper, aber von Opernstimmen getragen und, vor allem im italienischen Teil,  mit dem typischen Melodienreichtum und gehörigen  Belcanto-Anforderungen.

Als pianistische „Ouvertüre“ gönnte sich der Musikmeister Manfred Schiebel ein Haydn-Intermezzo aus den „Sieben letzten Worten des Erlösers am Kreuz“, mit Bach-Anklängen die Zuhörer in die richtige Stimmung für alles Kommende versetzend. Dass die Solisten mit Noten in Händen sangen, minderte nicht das Hörvergnügen. Das knüpfte ja an die allgemein gültigen Gepflogenheiten bei großen Chorkonzerten an.  Sowohl mittels Schubert-Noten wie auch solchen von Giovanni Battista Pergolesi bemühten sich Tenor Sergio Tallo Torres und Sopran Anna Ryan in die Situation der Mutter Jesu hineinzufühlen, die ihren Sohn am Kreuz hängen sah („Stabat Mater“). Heftiger fiel der Lobgesang „Stricke des Todes“ von Felix Mendelssohn Bartholdy aus, bei dem der Tenor seine ganze Kraft einsetzen konnte. Große Affinität zu Antonin Dvorak bezeugte die Mezzosopranistin Celia Sotomayor mit ihrer noblen, makellos geführten Stimme im „Inflammatus“ aus dem Stabat Mater des tschechischen Meisters. 2x Requiem folgte: Torres erfreute mit Donizettis “Ingemisco“, echt tenoral geseufzt, Anna Ryan mit „Pie Jesus“ von Gabriel Fauré, eindringlich ihre Bitte um die ewige Ruhe vorbringend. Soweit Musik mit größtenteils sakraler Würde. Aber Italien ist halt anders. Mit dem Donizetti-Stück bereits vorbereitet, verströmten  Rossini und Verdi im 2. Teil des Abends ihre unwiderstehlichen Melodien.  Zu Höhepunkten gerieten: aus der „Petite messe solennelle“ der Tenor-Schlager „Domine Deus“ mit den vom Vertreter dieser Stimmlage herrlich geschmetterten Spitzentönen , zwei Duette der beiden Damen, Rossinis „Qui tollis peccata mundi“ und Verdis „Recordare“ aus seinem Requiem. Einen wunderschönen vokalen Abschluss des Konzertes, das noch weit länger hätte währen dürfen,: bildete das von Anna Ryan mit ätherischen Schwebetönen vermittelte „Libera me“,…

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Manfred Schiebel, Anna Ryan, Celia Sotomayor, Sergio Tallo Torres. Copyright: Herta Haider

Zu allen Gesängen steuerte Manfred Schiebel  nicht nur die nötigen Klaviernoten bei, sondern vor allem ein mitreißendes Animo, das Bühne und Zuhörerbereich mit pulsierendem Leben erfüllte und die eigentlich durchwegs seriösen Situationen und Verhaltensweisen diverser Personen, die da besungen werden, mittels Harmonien, Melodien und Rhythmen zu lustvollen Mitteilungen machte.

Sieglinde Pfabigan

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