Der Neue Merker

WIEN/ Festsaal Gatterburggasse/ „Merker-Kunstsalon“ : VERDI – SCHILLER-ABEND – von der Macht des Gesanges

Amtshaus Wien 19., Gatterburggasse, Festsaal

VON DER MACHT DES GESANGES: HINREISSENDER VERI-SCHILLER-ABEND IM „MERKER-KUNSTSALON“(25.9.2017)

Es ist wirklich erstaunlich, was die rührige Organisatorin des „Merker-Kunstsalons“ Elena Habermann immer wieder auf die Beine stellt. Und der Herbstauftakt mit Arien und Duetten aus Opern von Giuseppe Verdi und Friedrich Schiller hatte es heuer wirklich in sich! Thematisch wurde aus 3 Verdi-Opern nach Textvorlagen von Friedrich Schiller Arien und Duette ausgewählt. Und so begann Apostol Milenkov, der bulgarische Bass mit der Arie des Walter aus „Luisa Miller“: er ist ein Stammgast im Kunstsalon und „orgelte“ wieder einmal voll Kraft und elementarer „Inbrunst“. Am Klavier souverän wie immer: Manfred Schiebel! Dann stellte sich ein optisch eher zierlicher Tenor vor: Muratcan Atam kommt aus der Türkei, verfügt über eine helle, gut sitzende Stimme und trug die Arie des Rodolfo „Quando le sere al placido“ mit Verve vor. Eine Bereicherung für den „Kunstsalon“!

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Anna Ryan. Copyright: Herta Haider

Dann die „Königin“ dieser Veranstaltungsreihe: Anna Ryan, die armenische Sängerin, die besondere Erfolge als Abigaile und Aida erzielte, verwandelte sich in der Gatterburggasse nun in die Amalia in „I masnadieri“ wie „Die Räuber“ bei Verdi heißen. Immerhin sang die „schwedische Nachtigall“ Jenny Lind bei der Uraufführung von „I masnadieri“ die weibliche Hauptrolle. Und auch Anna Ryan konnte ihre dramatische Koloratur-Begabung bei  „Venerabile, o padre“ sowie „Tu del mio Carlo alseno“ ausspielen. Großer Jubel. Dann die zweite positive Überraschung: direkt von den Proben in der Volksopern, wo demnächst „Die Räuber“ neu herauskommen werden, traf  der Bass-Bariton aus Usbekistan Alik Abdukayumov zum Merker-Konzert ein. Er begeisterte mit der Arie des „Francesco“, dem „Bösewicht“ der „Räuber“. Großartig! Aber nicht genug: im Duett zwischen dem Alten Moor (Massimiliano) und Carlo lernte man die dritte stimmliche Entdeckung kennen – den russischen Bass Pavel Kudinov, der zusammen mit Muratcan Atam einen ersten Höhepunkt des Verdi-Schiller- „Kunstsalons“ lieferte. Vollends aus dem „Häuschen“ gerieten die rund 100 Zuhörer beim Schluss-Drittel, das Verdi’s „Don Carlo“ gewidmet war, Zunächst der zierliche Tenor mit der tragfähigen Tenorstimme Muratcan Atam in der Arie des Carlo „Io l’ho perduta“, dann – ganz besonders zu Herzen gehend – Anna Ryan mit der großen Arie der Elisabetta „Tu che le vanita“. Die Höhen strahlen, die Mittellage ist rund, die Piani sitzen – Wunderbar! Und  dann– quasi ein Paradebeispiel für die Macht des Gesangs: Pavel Kudinov als Filippo und Apostol Milenkov als Grande Inquisitore, mit der berühmten Arie „Ella giammai m’amo!“ und der anschließenden Begegnung zwischen dem spanischen König und dem greisen Großinquisitor. Während der Bass aus Bulgarien wilde Leidenschaft in seine Stimme bringt, überrascht Pavel Kudinov durch seinen weichen Tonansatz: sein Filippo kann als Paradebeispiel für Belcanto gelten. Die samtige Stimme fließt wie Honig, die Dynamik zwischen Piano und Forte ist enorm. Ein „rising star“, der schon im Theater an der Wien (Ottone) , Erl (Heinrich) oder Hamburg (Almira) entdeckt wurde. Dem Enddreißiger kann jedenfalls eine große Karriere vorhergesagt werden.

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Pavel Kudinov. Copyright: Herta Haider

Und Elena Habermann muss man dafür gratulieren, dass sie durch Enthusiasmus und Idealismus das ersetzt, was andere nur mit Subventionen erreichen. Der nächste Merker-Kunstsalon bringt am 16.Oktober 2017 Ausschnitte aus „I puritani“!

Peter Dusek

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Muratcan Atam, Alik Abdukayumov, Manfred Schiebel. Foto: Herta Haider

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