Der Neue Merker

WIEN/ Festsaal Gatterburggasse: DIE SCHÖNE MAGELONE

WIEN / Festsaal Gatterburggasse / Merker Kunstsalon: DIE SCHÖNE MAGELONE am 22.11.2016

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Manfred Schiebel, Dany Sigel, Anna Ryan und Christian Scherler. Foto: Herta Haider

Ein Kleinod der Romantik stand diesmal auf dem Programm des Merker Kunstsalons: Die Liedgeschichte der „Schönen Magelone und des Grafen Peter von Provence“, wurden in einer klug veränderten Fassung für „hohe Stimmen“ mit einem Tenor und einer Sopranistin dargeboten. Die Gedichte von Ludwig Tieck in der Vertonung von Johannes Brahms erzielten, gemeinsam mit den verbindenden Texten, die Wirkung und den Eindruck einer konzertanten Kammeroper.

Die großartige Interpretation der Erzähltexte durch Dany Sigel beflügelte die Phantasie und wir konnten – ungestört von einem Regiekonzept – die romantische Liebesgeschichte individuell aufnehmen. Die perfekt ausgebildete Sprache sowie die Mimik und die Gestik einer erfahrenen Schauspielerin verhinderten, dass die grenzwertige Geschichte ins Kitschige abgleitet.

Es handelt sich bei diesem Werk um eine Rarität – deshalb einige Sätze zum Inhalt:

Peter und Magelone verlieben sich ineinander, er schenkt ihr drei Ringe, die seine Mutter ihm für seine Zukünftige mitgab. Als sie auf Befehl ihres Vaters, des Königs von Neapel, einen anderen heiraten soll, flieht das Paar. In einem Wald ruhen sie sich aus, sie legt das Lockenköpfchen in seinen Schoß und schläft ein. Er öffnet ihr das Mieder, ist entzückt von ihrem Busen und findet das rote Zündel (ein Stück Stoff) mit den drei Ringen. Ein Rabe stiehlt das Zündel und fliegt damit fort. Peter läuft hinterher, wirft Steine nach dem Raben, trifft ihn aber nicht. Der Rabe fliegt aufs Meer hinaus; Peter steigt in einen Kahn und folgt ihm. Die Strömung trägt ihn weit hinaus, er findet nicht zurück, wird von einem „mit Heiden und Mohren“ besetzten Schiff gerettet und einem Sultan geschenkt. Die Tochter des Sultans verliebt sich in ihn, doch er denkt nur an Magelone und flieht mit einem Kahn über das Meer. Diesmal greift ihn ein „Christenschiff“ auf. Nach langem Umherirren findet er Magelone wieder und ihr Glück kennt keine Grenzen mehr.

Als Einleitung berichtete die Veranstalterin Elena Habermann von den historischen Wurzeln des Stückes, vom Ursprung in den Märchen aus 1001 Nacht im 11. Jahrhundert, über den Weg durch die Maurischen Gebiete Europas und von der Bearbeitung durch Veit Warbeck (1527) aus der frühneuzeitlichen, französischen Literatur bis zu den Texten von Ludwig Tieck im Jahre 1797.

Manfred Schiebel erläuterte die musikalische Entstehung der Vertonung durch Johannes Brahms in den 60ern des 19. Jahrhunderts und erfreute uns mit mehr als nur leidenschaftlicher Klavierbegleitung. Die Interpretation dieser berühernden und beschreibenden Musik verstärkt die Stimmungen der Handlung und macht die Gefühle des Liebespaares greifbar.

Für den Erfolg der Veranstaltung waren natürlich die beiden Gesangssolisten von entscheidender Bedeutung. Bei Christian Scherler hört man, dass er den Peter schon öfter in der Tenor-Fassung gesungen hat. Er konnte diese anspruchsvolle Partie mit seinem schönen, technisch guten Tenor sicher und eindrucksvoll gestalten. Anna Ryan sang die etwas kleinere Rolle der Magelone mit souveränem Ausdruck und ließ uns hören, dass sie auch die tiefen Mezzo-Töne nicht fürchten muss. Dass die beiden auch optisch ein schönes Paar abgeben, war bei dieser romantischen Geschichte bestimmt kein Nachteil.

Wieder einmal ist es gelungen, ein nahezu unbekanntes Werk interessant und gekonnt aufzuführen und einen Blick über den „La traviata, Carmen und Don Giovanni – Horizont“ hinaus zu wagen – ein Dankeschön dafür dem Merker-Kunstsalon!

Maria und Johann Jahnas

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