Der Neue Merker

WIEN / Drachengasse: OFFENE ZWEIERBEZIEHUNG

Offene Zweierbeziehug   Foto Herbert Prieschl 
Foto: Herbert Prieschl

WIEN / Drachengasse / Bar&Co: 
OFFENE ZWEIERBEZIEHUNG von Dario Fo und Franca Rame
Ein Gastspiel der Bruckmühle Pregarten
Premiere: 16. März 2017

Es gab Zeiten, da fegten Dario Fo (1926-2016) und seine Gattin Franca Rame (1929–2013) wie Derwische über die Bühnen (und der Höhepunkt der weltweiten Beachtung war erreicht, als die schwedische Akademie ihm 1997 den Nobelpreis für Literatur zusprach). Ihre Zusammenarbeit kulminierte nicht zuletzt in dem Stück „Offene Zweierbeziehung“ aus dem Jahre 1983, gemeinsam geschrieben, gemeinsam gespielt, das Vergnügen zweier anarchistischer Geister, einander auf der Bühne quasi zu zerlegen und italienisches Temperament in einer nicht enden wollenden Kette von Ausbrüchen explodieren zu lassen.

Wenn wir das Stück heute wiedersehen, das mehr als drei Jahrzehnte auf dem Buckel hat, erstaunt die Äußerlichkeit, die Substanzlosigkeit des Ganzen: Hier wird keinesfalls tatsächlich eine Beziehung analysiert, da klebt man Klischees und Effekte aneinander. Er (schlicht „Der Mann“ genannt) langweilt sich in der Ehe mit Antonia und geht fremd, sie tobt und droht mit Selbstmord, er schlägt die „offene Beziehung“ vor, und als Antonia – die das ganze Stück vor sich hin randaliert oder mault – tatsächlich einen anderen Mann findet, ist das für den Ehemann selbstverständlich inakzeptabel. Na, Neuigkeiten…

Immerhin hat die Flachheit, entsprechend gespielt, ihren Unterhaltungswert. Georg Mittendrein hat den Abend, der aus der Bruckmühle Pregarten (Oberösterreich) in die Drachengasse kam, schnell und laut inszeniert, keine Substanz suchend, wo keine ist, und die Darsteller liefern, was sie sollen: Barbara Novotny, schlank und attraktiv, kann in der Rolle bis zum Exzess toben und dann wieder in aller Ironie aus ebendieser Rolle fallen. Was sie auch tut, das Virtriol der Wut-Frau ist immer dabei. Thomas Bammer hat angesichts dieser Antonia keine Chance, aber dieser Tatsache steht er mit prächtiger Selbstironie gegenüber.

Dennoch: Fo / Rame waren eine Zeiterscheinung und verkauften vor allem sich selbst. Was bei ihnen vielleicht noch wie starker Espresso schmeckte, ist heute bestenfalls dünner Kaffee.

Renate Wagner

Noch zwei Vorstellungen am  17. und 18. März 2017 um 20 Uhr

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