Der Neue Merker

WIEN / Burgtheater: MICHAEL HELTAU UND DIE WIENER THEATERMUSIKER

Michael Heltau

Copyright Reinhard Werner/Burgtheater

WIEN / Burgtheater:
„Einen blauen Ballon möcht‘ ich haben!“
MICHAEL HELTAU UND DIE WIENER THEATERMUSIKER
Premiere: 23. November 2017

Seit wie vielen Jahren, nein, Jahrzehnten nun schon steht er allein auf der Bühne, nur ein paar Musiker im Hintergrund? Und was hat er – dieser Er ist Michael Heltau – uns nicht alles schon geboten? Von kostbarer österreichischer Literatur bis zum Wienerlied, das er in ungeahnten Höhen gehoben hat, so dass die Texte wie Lebensweisheiten klingen? Von Chansons bis zur Operette (sein „Ahnl“ ist unvergesslich), vom Song bis zum Schlager („Che sera, sera singt er besser als Doris Day), kurz, nichts Musikalisches und Dichterisches ist ihm fremd. Michael Heltau, der Entertainer? Das wäre zu kurz gegriffen. Er ist, wenn er da auf der Bühne steht, ein Zauberer.

Sein neues Programm im Burgtheater trägt einen lockeren Peter-Altenberg-Titel, „Einen blauen Ballon möcht‘ ich haben!“, die Poesie ist da, aber „leicht“ ist der Abend nicht, im Gegenteil. Alter bedeute nichts, meint der 84jährige, der aus seinem Alter nie ein Hehl gemacht hat – und kommt erstmals in Jeans und Turnschuhen auf die Bühne.  Manchmal „rockt“ er auch temperamentvoll. Aber eigentlich ist der Abend im Burgtheater melancholisch…

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Um Vergänglichkeit geht es fast durchgehend, um Traurigkeit, wenn auch nicht um platte Sentimentalität. „Das allerletzte Glas“, das ihm Werner Schneyder auf eine Melodie von Jacques Brel gedichtet hat, zeigt von der Absicht, mit erhobenem Haupt und vielleicht sogar fröhlich abzugehen. So viel ist vorbei gegangen, Liebe, Gefühle, Menschen (auch der alte Kaiser, der im Zwölferjahr noch gelebt hat – wer außer Heltau würde wagen, daran zu erinnern, oder den kritischen Zeigefinger zu heben?).

Es ist keiner jener Abende, in denen Michael Heltau mit dem Publikum plaudert. Kurze gesprochene Zitate weisen immer nur auf das nächste Lied hin. Die Wiener Theatermusiker erweisen sich wieder als eine besondere Crew, nicht nur, weil sie einen so eigenen „Sound“ haben, sondern weil sie mit Heltau atmen.

Freilich – ohne seine Technik, seine Ausdauer, seine Kraft (man glaubt es kaum) wäre dieser zweieinhalbstündige, bis zuletzt berstende Abend nicht möglich. Vor allem im zweiten Teil wuchs die Intensität dauernd, machte stellenweise atemlos, behauptete mit Heltau-Hits die Kraft der künstlerischen Existenz.

Und dennoch – was den Inhalt betrifft, so hatte man das traurige Gefühl, es könnte als Abschied gemeint sein. Nein, das wollen wir uns nicht wünschen.

Renate Wagner

Die nächsten Termine: 27. November, 13. und 31. Dezember 2017

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