Der Neue Merker

WIEN / Belvedere: PORTRÄT(S) DER MODERNE

Pierrot 1  Pierrot 2

WIEN / Belvedere / Orangerie:  
PORTRÄT(S) DER MODERNE
SAMMLUNG KLEWAN
Vom 17. Februar 2017 bis zum 11. Juni 2017  

„Gesichter“ aller Art

Hält man sich an das Signet der Ausstellung, einen Pierrot-Kopf des belgischen Künstlers Armand François Joseph Henrion, und sieht man nicht genau auf den Titel, wird man von der Belvedere-Ausstellung in der Orangerie moderne Porträts erwarten. Aber ohne das „s“ gelesen („Porträt(s) der Moderne“), geht es um ein Porträt der Moderne an sich, wie es ein Galerist, der Jahrzehnte lang Kunst nicht nur gehandelt und ausgestellt, sondern auch gesammelt hat, sieht. Für solche Ausstellung wurde wohl Stella Rollig als neue Direktorin des Belvederes gewählt, während der Historismus des Lawrence Alma-Tadema in den danebenliegenden Räumlichkeiten des Unteren Belvederes noch auf ihre Vorgängerin Agnes Husslein zurückgeht.

Von Renate Wagner

Helmut Klewan    1943 in Deutschland geboren, hat Helmut Klewan viel Zeit seines Lebens in Österreich verbracht. An die 30 Jahre war er als Galerist in Wien (1970 in der Dorotheergasse bis 1984) und in München (1977 in der Maximilianstraße bis 1999) tätig und stets der Moderne verpflichtet. Er galt auch als Botschafter der österreichischen Kunst, veranstaltete ohne Unterlaß Ausstellungen. Oft wohl hat er die besten und interessantesten Stücke die ihm in die Hände kamen, selbst behalten. Seine private Kunstsammlung, die gut 6000 Werke von Zeitgenossen umfasst, ist nun (ausgewählt und präsentiert von Kurator Harald Krejci) in einem repräsentativen Ausschnitt in der Orangerie des Belvederes zu sehen. 193 Werke von mehr als fünfzig Künstlerinnen und Künstlern bieten (in Zusammenarbeit mit Augsburg und Reichenberg in der Tschechei) einen imposanten, durch die extrem enge Hängung geradezu wild wirkenden Überblick über Werke der Moderne, mit denen sich Stella Rollig als Direktorin einstellt.

Immer wieder Giacometti      Die Favoriten Klewans, dessen interessante Ausstellungstätigkeit sich in einer Anzahl von Plakaten an der Außenwand der Orangerie feststellen lässt, sind leicht zu erkennen: Die schlank-filigranen Giacometti-Werke stehen auf Podesten, er besitzt von ihm sieben Skulpturen (darunter neben den obligaten „stehenden“ Figuren auch „La Cage“ von 1950), sieben Gemälde und 50 Zeichnungen des Künstlers (darunter auch Porträts von Matisse oder Bataille). Sie bedeuten zweifellos Blickfang und Höhepunkt der Ausstellung, die im übrigen große Namen bunt durcheinander würfelt – ob Dali oder Picasso, de Chirico oder Bacon.

Der Anwalt der Österreicher   Die Ausstellung beschränkt sich nicht auf eine Nation, nicht auf einen Stil (Klewan hatte offenbar eine Vorliebe für „Art brut“), aber die Österreicher waren ihm wichtig, die Aktionisten (Brus, Muehl, Nitsch) oder auch Performance-Künstler wie Al Hansen. Christian Ludwig Attersee, Maria Lassnig, Arnulf Rainer oder Hans Staudacher fanden in dem Händler und Sammler Klewan einen wichtigen Anwalt.

Viele (kleine) Köpfe     Die „Porträts“, die der Titel der Ausstellung verspricht, sind nicht so häufig wie erwartet, immerhin hängen hier neun der „Pierrot“-Variationen von Armand François Joseph Henrion, ein Selbstporträt von Man Ray greift zur Fotografie hinüber, Beckmann, Nolde, Kubin, Gütersloh, Walter Pichler, die Lassnig sind gleichfalls mit graphischen Selbstporträts vertreten, George Grosz hat Walter Mehring gezeichnet.

Niemandem verantwortlich…  Ein eigener kleiner Schwerpunkt der Ausstellung gilt „Kitsch und Kuriosa“ – je skurriler, umso lieber scheint der Sammler gedacht haben. Da kauft er auch unbekannte „Künstler“, die einmal als „Materialbild“ Kaiser Franz Joseph gehuldigt oder in nationalsozialistischer Zeit Fotos, Blumen- und Werbemotive skurril zusammen collagiert haben… Ein privater Sammler hat den ungeheuren Vorteil, dass er absolut niemandem Rechenschaft schuldig ist.

Künstlerliste      Christian Ludwig Attersee Joannis Avramidis  Francis Bacon Mary Bauermeister Max Beckmann Hans Bellmer Joseph Beuys Louise Bourgeois Victor Brauner Günter Brus Bernard Buffet Gaston Chaissac  Salvador Dalí Giorgio de Chirico Eugène-Nestor de Kermadec Otto Dix Jean Dubuffet Max Ernst, Maxim Fomenko Johanna Freise Paul Gauguin Alberto Giacometti Regina Götz George Grosz Albert Paris Gütersloh Al Hansen Armand Francois Henrion Maurice Henry Edmund Kalb Max Klinger Alfred Kubin Michael Langer Maria Lassnig Uwe Lausen Bertrand Lavier Jean-Jaques Lebel Piero Manzoni J. Masopust André Masson Mara Mattuschka Ludwig Meidner Henri Michaux Otto Muehl  Hermann Nitsch Emil Nolde Heinrich Nüßlein Meret Oppenheim Robin Paige Pablo Picasso Walter Pichler Alexander Pock Arnulf Rainer Man Ray Auguste Rodin Anton Romako Medardo Rosso Dieter Roth Gerhard Rühm Rudolf Schlichter Kurt Schwitters Louis Soutter Heinz Stangl Hans Staudacher Leopold Survage Brett Whiteley Fritz Wotruba Hans Zatzka

Belvedere / Orangerie
Täglich 10 bis 18 Uhr, Mittwoch 10 bis 21 Uhr

Diese Seite drucken