Der Neue Merker

WIEN/ Annakirche: KONZERT PHIL-BLECH UND QUARTETT CONFLUSIO

Wien/Annakirche: Konzert phil-Blech und Quartett Conflusio am 3.5.12


Quartett Conflusio

ANNA – junge Klänge luden im Mai zu einem Konzert mit einem vielfältigen Programm in die Annakirche ein. Das Motto lautete: „Der Ring des Nibelungen“ – „Rhythmische Klangwelten“ mit dem Ensemble phil-Blech und dem Quartett Conflusio.

Das Ensemble phil-Blech besteht aus elf Bläsern und zwei Schlagwerkern. (Trompete: Helmut Fuchs, Alex Mayr, Jürgen Pöchhacker, Thomas Fleissner, Bernhard Pronebner; Horn: Jan Jankovic, Lars Stransky; Posaune: Andreas Eitzinger, Mark Gaal, Andreas Pfeiler; Tuba: Paul Halwax; Schlagwerk: Benjamin Schmidinger; Künstl. Leitung: Anton Mittermayr). Alle Künstler üben ihre Musikbegeisterung in renommierten Wiener Orchestern, wie den Wiener Philharmonikern, der Wiener Staatsoper und der Wiener Volksoper aus. phil-Blech zeichnet sich insbesondere durch das einzigartige, an die Musiker persönlich angepasste und selbst arrangierte Repertoire aus – und das ganz im Stile der Wiener Blechbläser-Tradition.

Das Quartett Conflusio besteht aus zwei Flötistinnen (Maria Jauk, Birgit Böhm), Marimba und Schlagwerk (Sabine Pyrker) sowie Vibraphon und Schlagwerk (Georg Mittermüller) und bietet ein Klangerlebnis anderer Art. Das junge und dynamische Ensemble mit der selten zu hörenden Kombination an Instrumenten versucht Ideen und verschiedene Stile miteinender zu verbinden und damit etwas Besonderes zu schaffen. So stehen in ihrer rhythmisch akzentuierten Interpretation u.a. Astor Piazolla und Clarke im Vordergrund. Conflusio beginnt sein Konzert im völligen Dunkel der Annakirche mit diversen Geräuschvariationen, rhythmisch akzentuierte, aber melodische Klänge. Das Programm besteht des weiteren aus „Fuga Mysterio“ von Astor Piazolla, „Marsyas“ von Oliver Madas (*1979) und „La Muerte del Angel“ von Piazolla. Dazu wird ein auf die Musik angepasstes Lichtkonzept mit bunten und fantasievollen Projektionen auf Decke und Seitenwände der Annakirche inszeniert, die so zu einem eindrucksvollen dramaturgischen Element der Darbietung wird. Den Höhepunkt bildet eine Uraufführung der jungen Komponistin Clio Montrey (*1985), wobei dem Umspielen des „Tristan“-Akkords eine bedeutende Rolle zukommt. Bei allen Stücken entsteht ein akustisch wie optisch beeindruckender Klangraum im großen Rund der Kirche. Akzentuierte Rhythmik wechselt mit melodischen und zeitweise kontemplativen Momenten.

Danach gab es mit phil-Blech Wagner pur, und zwar spielt das Ensemble fünf Stücke aus dem „Ring des Nibelungen“: 1. Einzug der Götter nach Walhall aus „Das Rheingold“, 2. Walkürenritt aus „Die Walküre“, 3. Wotans Abschied aus „Die Walküre“, 4. Trauermarsch aus „Götterdämmerung“, und 5. Das Finale der „Götterdämmerung“. Der Gewitterzauber Donners und das Tutti beim Einzug der Götter sind zwar etwas laut, klingen aber ungewöhnlich imposant. Beim Walkürenritt macht sich doch die Abwesenheit der übrigen Orchesterinstrumente bemerkbar. Die Auftaktakkorde der acht Walküren klingen leicht quäkend und im weiteren das Stück etwas hölzern. Bei Wotans Abschied, der ja auch wesentliche Piano-Passagen hat, zeigt sich der Mangel, dass man mit Blechbläsern allein wohl keine überzeugenden Piani spielen kann, es fehlen einfach die (eben wärmeren) Holzbläser. Dagegen kommen beim Trauermarsch die Vorzüge eines sochen exklusiven Bläser-Ensembles am besten heraus. Da der Trauermarsch ohnehin in hohem Masse mit Blechbläsern orchestriert ist, klingt das Ensemble hier besonders homogen und rund, wenngleich die Klangentfaltung für die Annakirche einfach zu groß ist. Manches klingt schlicht zu laut. Auch beim Finale der „Götterdämmerung“, also ebenfalls ein wesentlich im Forte und mit Tutti gespieltes Stück, kommt ein ausdrucksvoll harmonisches Klangbild zustande. Da Wotans Abschied vor dem Feuerzauber abgebrochen wurde, gibt phil-Blech diesen als Zugabe. Hier klingt das Ensemble besonders gut und setzt einen eindrucksvollen Schlusspunkt unter dieses ungewöhnliche Konzert. Wie der Rezensent erst nachher im Gespräch mit den phil-Blech Künstlern erfuhr, handelte es sich um ein erstes Experiment, auch was den Austragungsort betrifft. Umso mehr ist das schon beim ersten Mal beeindruckende Ergebnis zu würdigen. (Fotos in der Bildergalerie)

Klaus Billand

 

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